Die 2-Faktoren-Theorie - Motivationstheorie nach Herzberg

Die 2-Faktoren-Theorie – Motivationstheorie nach Herzberg

Kategorien: Business
Lesezeit: 7 Minuten

Zufriedene und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das A und O einer jeden Firma. Hapert es an der Motivation, führt das oft zu Leistungseinbußen, die sich negativ auf die gesamte Firma auswirken können. Das Thema Motivation ist somit besonders wichtig und wird meist auch stark gefördert. Eine der bekanntesten Theorien ist hier die 2-Faktoren-Theorie bzw. die Motivationstheorie nach Herzberg. Diese kennt neben der Theorie von Maslow, also der sogenannten Bedürfnispyramide, fast jeder. Für mehr Infos zur Motivationstheorie nach Herzberg, lies einfach weiter! 😉

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Wer war Herzberg?

Frederick Herzberg war ein klinischer Psychologe und US-amerikanischer Professor. Als Sohn von jüdischen Emigranten wurde er 1923 geboren und wuchs in New York auf. Er war als Unteroffizier einer der ersten Befreier des Konzentrationslagers in Dachau, wo er für die Beschaffung medizinischer Versorgung verantwortlich war. Dafür wurde er mit dem bronzenen Stern und der Combat Infantryman’s Badge ausgezeichnet.

Er erhielt den Bachelor der Wissenschaften am City College of New York und begann daraufhin seinen Master der Wissenschaft für Klinische Psychologie und Arbeitswissenschaft. Nach Abschluss folge auch der Doktortitel. Danach widmete er sich der Forschung. Später gründete er das Department of Industrial Health und stellte hier 1959 die 2-Faktoren-Theorie, oder auch Motivator-Hygiene-Theorie auf. Die Motivationstheorie ist noch heute eine der bekanntesten Managementtheorien.

„True motivation comes from achievement, personal development, job satisfaction, and recognition.“

Frederick Herzberg

Auch sein Buch „Work and the Nature of Man“ wurde als eines der zehn wichtigsten Bücher der Managementtheorie des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet. Bis zu seinem Tod im Jahr 2000 unterrichtete er als Professor.

Worum handelt es sich bei der Motivationstheorie nach Herzberg?

Bei der Motivationstheorie nach Herzberg handelt sich sich um eine Inhaltstheorie zur Motivation, mit Augenmerk auf den Arbeitskontext. Die Theorie wird auch 2-Faktoren-Theorie oder Motivator-Hygiene-Theorie genannt. Wie der Name auch schon vermuten lässt, wird hier zwischen zwei Faktoren unterschieden. Diese sind die Motivatoren und die Hygienefaktoren. Die Zufriedenheit und die Unzufriedenheit, die durch die beiden Faktoren beeinflusst werden, sind bei der Theorie als zwei, voneinander unabhängige Dimensionen dargestellt. So geht die Motivationstheorie nach Herzberg davon aus, dass nicht die Unzufriedenheit das Gegenteil von Zufriedenheit ist, sondern die „Nicht-Zufriedenheit“. Umgekehrt ist das Gegenteil von Unzufriedenheit die „Nicht-Unzufriedenheit“.

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Das bedeutet also, dass das Vorhandensein beider Faktoren für zufriedene und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nötig ist. Denn kurz gesagt stellt das Fehlen von Unzufriedenheit wie bereits erwähnt, keine Zufriedenheit dar und selbst wenn alle persönlichen Motivatoren erfüllt sind, führt das Fehlen wichtiger Hygienefaktoren trotz allem zu einer erhöhten Unzufriedenheit.

Was sind Hygienefaktoren?

Die Hygienefaktoren sind nicht auf die körperliche Hygiene, wie zum Beispiel das Händewaschen, bezogen. 😉 Herzberg bezeichnet jene Faktoren als Hygienefaktoren, die bei positiver Ausprägung die Entstehung von Unmut und Unzufriedenheit verhindern können. Diese Faktoren tragen allerdings nicht zur Entstehung von Zufriedenheit bei. Sie sind also wirklich lediglich dafür da, dass keine Unzufriedenheit entsteht. Somit werden weitere Faktoren benötigt, die Motivation schaffen können, denn lediglich Unzufriedenheit zu beseitigen, reicht nicht aus, um ein zufriedenes und produktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Meist werden Hygienefaktoren von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als selbstverständlich angesehen.

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Beispiele für Hygienefaktoren sind:

  • Entlohnung und Gehalt
  • Personalpolitik und Führungsstil
  • Sicherheit
  • Arbeitsbedingungen und -umfeld
  • Zwischenmenschliche Beziehungen (Beziehung zwischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und Vorgesetzten bzw. zwischen den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen untereinander)
  • interne Organisation
  • Status
  • Auswirkungen der Arbeit auf das Privatleben (Work-Life-Balance)

Fehlen einige dieser Hygienefaktoren, bzw. sind diese unzureichend erfüllt, kommt es zu Unzufriedenheit. Es konnte beobachtet werden, dass die Hygienefaktoren sich im Laufe der Zeit ändern. Dies kann aufgrund von einer anderen Erwartungshaltung, eigenen, individuellen Erfahrungen, neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, neuen Vorgesetzten und vielem mehr passieren.

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Was sind Motivatoren?

Die Motivatoren sind laut der Motivationstheorie nach Herzberg für die Beeinflussung der Motivation zuständig. Sie verändern die Zufriedenheit, allerdings bedeutet ihr Fehlen nicht automatisch Unzufriedenheit. Die Motivatoren sind also dafür verantwortlich, die allgemeine Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu steigern.

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Beispiele für Motivatoren:

  • Persönlicher Wachstum und Weiterentwicklung
  • Anerkennung und Wertschätzung durch die Vorgesetzten
  • Beförderungen
  • Steigerung der eigenen Leistung
  • Verantwortung
  • Arbeitsinhalte

Da diese allerdings sehr individuell mit den eigenen höheren Zielen zusammenhängen, sind sie von Person zu Person auch oft sehr verschieden. Kurz gesagt ist das Ziel der Motivatoren die Selbstverwirklichung.

Entstehung der Motivationstheorie nach Herzberg

Um die 2-Faktor-Theorie aufzustellen, befragte Frederick Herzberg Arbeiterinnen und Arbeiter nach verschiedenen Situationen im Arbeitsleben. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden hier nach Situationen gefragt, in denen sie sich besonders motiviert gefühlt haben und ebenso nach Situationen, in denen sie Unzufriedenheit verspürten. Wichtig zu wissen ist, dass alle Befragten aus verschiedenen Branchen und Hierarchien entstammten. Insgesamt wurden 1.685 Personen befragt. Diese Methode der Befragung, die auf der Methode der kritischen Ereignisse basiert wird auch Critical Incident Technique genannt.

Als Ergebnis konnte Herzberg ablesen, dass Unzufriedenheit und Zufriedenheit von unterschiedlichen Ereignissen unterschiedlich stark beeinflusst werden. Er stellte fest, dass sich Situationen, die sich auf den Arbeitskontext beziehen, häufiger zu Unzufriedenheit und seltener zu Zufriedenheit führen. Hierbei handelt es sich um extrinsische Faktoren und später Hygienefaktoren.

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Situationen und Ereignisse, die den Inhalt der Arbeit betreffen, führten bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Experiments häufiger zu Zufriedenheit und nur selten zu Unzufriedenheit. Hierbei handelt es sich um intrinsische Faktoren. Im Laufe der Forschung benannte Herzberg sie als Motivatoren.

Anhand der Antworten aller Befragten wurde dann eine Häufigkeitsliste erstellt, wodurch Herzberg festlegte, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden macht und was unzufrieden. Beispiele für die beiden Faktoren, die anhand der Forschung entstanden sind, haben wir für euch oben bereits aufgezählt.

Kritik an der 2-Faktoren-Theorie

Wie jede Theorie ist auch die Motivationstheorie nach Herzberg auf keinen Fall zu 100% korrekt. Deshalb entstand im Laufe der Jahre auch hier immer wieder Kritik. Wir haben für euch einige der wichtigsten Kritikpunkte zusammengefasst. Für eine ausführliche und detaillierte Argumentation können wir euch allerdings dieses kostenlose E-Book empfehlen „Darstellung und Kritik der Herzbergschen Zweifaktorentheorie der Führung mit Empfehlung für ihre praktische Anwendung

Bevor wir allerdings mit der Kritik starten, muss hier allerdings noch einmal erwähnt werden, dass Herzberg mit seiner Forschung und Theorie einen großen Fortschritt begann. Es fand ein Perspektivenwechsel statt, der das Augenmerk auf das individuelle Umfeld und dessen Einflüsse auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lenkte und nicht mehr nur die allgemeinen Motive, die die meisten Menschen gemein haben. Somit fiel es auch Vorgesetzten leichter, hier auf ihre Angestellten einzugehen und die allgemeine Motivation und Arbeitszufriedenheit zu steigern.

Nun aber zu inhaltlicher und methodischer Kritik. Der erste Punkt bezieht sich hierbei auf die Unterteilung der Hygienefaktoren und Motivatoren. Bei einer neuen Auswertung der Daten kam man zum Ergebnis, dass eigentliche Motivatoren wie Anerkennung und Leistung oftmals eher mit Unzufriedenheit in Verbindung stehen. (House & widgor, 1967)

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Kritik erhielt außerdem auch die Methode, mit der die Daten erhoben wurden, also der sogenannten „Critical Incident Technique“. Hier wurde festgestellt, dass die gesamte Theorie stark von der Wahl der Methode abhängig ist. Wurde versucht die Ergebnisse mithilfe einer anderen Methode zu rekonstruieren, blieb dies erfolglos. (Dunnette, Campbell, & Hakel, 1967)

Eine weitere Studie fand außerdem heraus, dass Hygienefaktoren und Motivatoren die Zufriedenheit und auch die Unzufriedenheit beeinflussen. Die Annahme, dass Motivatoren nur Einfluss auf die Zufriedenheit und Hygienefaktoren nur Einfluss auf die Unzufriedenheit haben, ist demnach auch falsch. (Hulin und Smith, 1967)

Sich alleinig auf dieses Modell zu beziehen macht, anhand der meist gerechtfertigten Argumente, nur wenig Sinn. Allerdings liefert die Motivationstheorie nach Herzberg einen guten Anstoß, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren.

Wenn du mehr zum Thema „Motivation“ wissen willst, schau auch gerne bei unserem Artikel „Motivation finden: Mit diesen 7 Tipps funktionierts!“ vorbei. Für mehr Tipps zu einem ausgewogenen Arbeitsalltag und einem erfüllten Job, lies gerne hier nach „Work-Life-Balance – Bring dein Leben ins Gleichgewicht!

Für diejenigen unter euch, die wissen wollen, ob und wie ihr auch im Seminarraum diese Motivationstheorie nach Herzberg anwenden könnt, schaut auch gerne bei unserer Trainerausbildung vorbei. Auch hier spielt das Thema „Motivation“ eine wichtige Rolle, mit der ihr euch näher beschäftigen werdet! 😀

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