Theorie X und Y - Motivation nach McGregor

Theorie X und Y – Motivation nach McGregor

Kategorien: Business
Lesezeit: 12 Minuten

Eine Frage, die sich wahrscheinlich schon viele immer mal wieder gestellt haben ist „Wie motiviere ich Menschen?“. Hier muss es nicht nur um Mitarbeitermotivation gehen, sondern zum Beispiel auch, wie man Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Seminarraum, bei einem Vortrag, in der Schule und vielem mehr motivieren kann. Diese Frage stellte sich auch Douglas McGregor und entwickelte aus seiner Überlegung heraus die Theorie X und Y. Auf den ersten Blick würden viele diesen Begriff wahrscheinlich nicht als Motivationstheorie definieren können. Wir klären dich auf und verraten dir, wie diese Theorie aufgebaut ist, wo ihre Schwachstellen liegen und was das Hintergrundmotiv für deren Entstehung war.

Wer war Douglas McGregor?

Douglas McGregor war Professor am MIT, dem Massachusetts Institute of Technology, an dem er Management unterrichtete. Besonderes Interesse hatte er an der Mitarbeiterdynamik in Unternehmen. Diese untersuchte er und entwickelte daraufhin in seinem Buch 10 Prinzipien, mit denen Managerinnen und Manager ein produktives Klima für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen sollen. Schlüsselelemente sind hier Enthusiasmus, Engagement und Motivation, welche sich, wenn vorhanden, positiv auf die Effizienz der Angestellten und somit auch den Erfolg des Unternehmens auswirken sollen. Als Schlüssel zum Erfolg sah McGregor flache Hierarchien und eine selbst bestimmte Arbeitsweise.

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McGregor wendete als einer der Ersten den Grundgedanken von Maslow (Maslowsche Bedürfnispyramide) auf wirtschaftliche Organisationen und Unternehmen an. Während seiner Studien entwickelte er in den 50er Jahren die Theorie X und Y, welche die verschiedenen Menschenbilder und deren Arbeitsweise darstellen soll. Persönlich war McGregor Befürworter der Theorie Y. Er erhielt für diese Theorie im Laufe der Jahre viel Kritik. Als Antwort entwickelte er kurz vor seinem Tod die Theorie Z, die eine Synthese der beiden anderen Theorien bildet. Diese wurde in späterer Folge 1981 auch von William Ouchi, einem amerikanischen Professor und Autor im Bereich Management aufgegriffen und weiter ausgearbeitet.

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Trotz aller Kritik, die wir euch später noch ausführlicher darlegen werden, bildet die Idee von Douglas McGregor bis heute die Grundlage vieler Arbeiten. Der Begründer der Theorie X und Y gilt außerdem auch als einer der Gründerväter des zeitgenössischen Managementgedankens.

Worum handelt es sich bei der Theorie X und Y?

Bei der Theorie X und Y handelt es sich um eine Management- bzw. Führungstheorie. Hierbei werden zwei völlig konträre Menschenbilder beschrieben, eben der Mensch X (Theorie X) und der Mensch Y (Theorie Y). Die Theorie wurde in den 50er Jahren entwickelt und ist daher eine der älteren Managementtheorien. Aus diesem Grund ist sie auch mit Vorsicht zu genießen.

Theorie X

Douglas McGregor geht bei der Theorie von einem negativen Menschenbild aus. McGregor gibt an, dass der Mensch unwillig und faul ist. Er versucht jeglicher Arbeit aus dem Weg zu gehen, ist unproduktiv und hat keinen Ehrgeiz. Demnach muss er als Konsequenz kontrolliert, gezwungen, gelenkt und geführt und sogar mit Strafen bedroht werden. Laut McGregor WILL dieser Mensch an der Hand genommen werden, da er es alleine nicht bewältigen kann, Aufgaben selbstständig zu erledigen.

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Im Managementkontext bzw. in Unternehmen müsste der Vorgesetzte hier also jede Aufgabe detailliert vorgeben, anleiten und auch strengen Kontrollen unterziehen. Alleine würden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Theorie X nicht produktiv und effizient arbeiten können, da sie zu wenig Ehrgeiz und Motivation besitzen. Douglas McGregor gibt an, dass es nur durch Kontrolle, Strafe und Zwang möglich ist, Menschen der Theorie X zu motivieren.

Auch das Arbeiten in Teams stellt in der Theorie X eine große Herausforderung dar. Hier ist es häufig so, dass die Leistung des einzelnen in der Gesamtgruppe verschwindet. Das bedeutet, dass manche der Teammitglieder weniger Arbeit aufwenden, die Leistung aber trotzdem als Gruppenergebnis gewertet wird. Situationen wie diese kennt sicher der ein oder andere von euch auch, egal ob in der Schule, auf der Uni oder im Büro. Dieses Verhalten wird außerdem auch als „Social Loafing“ also zu Deutsch „soziales Faulenzen“ bezeichnet.

Eigenschaften der Person X:

  • faul
  • nicht ehrgeizig
  • lustlos
  • unwillig
  • vermeidet jegliche Arbeit
  • Motivation nur durch Kontrolle und/oder Strafe

Theorie Y

Die Theorie X und Y stellen zwei völlig konträre Menschenbilder dar. Während der Mensch der Theorie X als faul gilt, ist der Mensch der Theorie Y engagiert. Die Arbeit kann als „Quelle der Zufriedenheit“ betitelt werden. Von Natur aus sind Menschen der Theorie Y von innen motiviert und leistungsbereit. Sie streben nach Selbstverwirklichung, übernehmen gerne Verantwortung, sind kreativ und selbstständig, haben einen hohen Grad an Vorstellungskraft und Urteilsvermögen.

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Auch im Arbeitskontext ist der Umgang mit Angestellten, die diesem Menschen- bzw. Persönlichkeitsbild entsprechen ganz anders als bei der Theorie X. Es ist hier wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Menschen motivieren. Das kann durch selbstständiges Arbeiten, größere Arbeitsbereiche, mehr Verantwortung, Raum für Kreativität, Gruppen- und Projektarbeiten, flexiblere Strukturen und vieles mehr. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Theorie Y können sich mit den Zielen und Wertvorstellungen der Organisation identifizieren und benötigen als Schlussfolgerung laut McGregor auch keine Kontrolle oder Strafen.

In Teams sind Menschen der Theorie Y äußerst motiviert. Sie sind ehrgeizig und geben auch in der Gruppe immer ihr bestes. Im Team übernehmen sie auch gerne Verantwortung, leiten die Gruppe freuen sich über erfolgreiche Ergebnisse und bringen selber auch viel eigene Leistung mit. Sind viele Mitglieder der Theorie Y in einem Team vertreten kann man davon ausgehen, dass hier gute Zusammenarbeit, hohe Motivation und viel Gruppenengagement herrscht. So steigt sowohl die Gruppen- als auch die Einzelleistung.

Eigenschaften der Person Y:

  • (intrinsisch) motiviert
  • fleißig
  • kreativ
  • verfolgt Selbstverwirklichung
  • übernimmt gerne Verantwortung
  • viel Eigeninitiative
  • vielseitig
  • Lösungsorientiert
  • produktiv

VORSICHT: Diese beiden Theorien entstanden etwa in den 50er Jahren. Es handelt sich somit um eine ältere Theorie, bei der auch viele der Erklärungen und Menschenbilder nicht 1:1 übernommen werden sollten. Außerdem ist auch die Einteilung der gesamten Menschheit in lediglich 2 verschiedene und komplett konträre Menschenbilder in der Realität nicht möglich. In Anbetracht unserer Facettenreichen und bunten Gesellschaft sollte eine solche Einteilung auch nicht vorgenommen werden. Dazu findest du allerdings unter dem Punkt „Kritik an der Theorie X und Y“ mehr.

Theorie X und Y und ihre Führungsstile

Da Douglas McGregor seine Theorie vor allem auf die Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bezog, stehen hier auch bestimmte Führungsstile mit der jeweiligen Theorie X oder Y in Verbindung.

Theorie X – Der autoritäre Führungsstil

Der Theorie X kann am besten der autoritäre Führungsstil zugeordnet werden. Dieser ist gekennzeichnet durch strenge Regeln, klare Anweisungen und Hierarchien von Seiten der Vorgesetzten. Hierbei tragen die Vorgesetzten die Verantwortung und treffen alle Entscheidungen alleine. Die Aufgaben werden den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern delegiert und müssen von diesen nach Regeln und Vorschriften entsprechend bearbeiten und ausführen. Danach stehen meist Kontrollen durch die Vorgesetzten an.

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Platz für Kreativität, Eigeninitiative, eigene Ideen oder Änderungen ist meist nicht vorhanden und auch nicht erwünscht. Bei einem besonders ausgeprägten autoritären Führungsstil unterdrückt die Chefin oder der Chef seine Mitarbeiter und deren eigenständiges Denken, anstatt dieses zu fördern. Diese Beschreibung mag auf den ersten Blick nur negative Seiten aufweisen, allerdings lassen sich, wenn auch meist nur kurzfristig, auch Vorteile feststellen:

Vorteile

  • Es kommt oft zu (leider nur kurzfristigen) Leistungssteigerungen.
  • Die einzelnen Aufgabenbereiche und Aufgabenstellungen sind klar definiert und zugewiesen, weshalb es selten zu Verwirrungen kommt und der gesate Arbeitsprozess gut überwacht werden kann.
  • Entscheidungen werden meist schneller getroffen.

Nachteile

  • Zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern entsteht eine Distanz aufgrund der Machtposition und der deutlichen Hierarchie.
  • Es herrscht viel Druck.
  • Die Fluktuation ist deutlich erhöht, genauso wie häufiger Krankenstand.
  • Es besteht wenig bis gar keine Motivation und Eigeninitiative seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
  • Erfolg des Unternehmens wird nur den Führungspersonen zugeschrieben, die Angestellten erhalten wenig Ansehen und Lob dafür.
  • Bei Ausfällen einzelner Personen kann es zu Chaos kommen, da gewissen Aufgabenbereiche nicht ausreichend abgedeckt werden können.
  • Es herrscht meist große Unzufriedenheit unter den Arbeitnehmern und deren Wünsche und Anliegen finden kein Gehör.
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Ein Beispiel für autoritären Führungsstil wäre folgendes: Es wird an einem Projekt gearbeitet. Der Chef bzw. die Chefin gibt an, dass dieses bis morgen um 17:00 erledigt sein muss. Dafür übernimmt Frau Hasler die Grafiken, Herr Mayer das Layout, Frau Fritz muss sich um den Report kümmern, Frau Mustermann übernimmt die Präsentation und Herr Schmied kümmert sich um die Ressourcen. Um 18:00 muss alles auf dem Tisch liegen, dann wird es kontrolliert. Diese Anweisungen lassen wenig bis keinen Spielraum für kreative Ansätze oder Teamarbeit offen.

Douglas McGregor war kein Befürworter dieser Art von Führung sondern bevorzugt hier den Führungsstil der Theorie Y.

Theorie Y – der kooperative Führungsstil

Im Gegensatz zur Theorie X wird in der Theorie Y eher der kooperative Führungsstil angewendet. Dieser zeichnet sich vor allem durch die Zusammenarbeit und das Zusammenwirken von Vorgesetzten und Mitarbeitenden aus. Die Arbeitnehmenden werden in alle wichtigen Prozesse und Entscheidungen mit einbezogen. Anders als beim autoritären Führungsstil schätzen die Führungskräfte die Meinungen und Ideen der Angestellten und binden diese aktiv in das Unternehmen ein.

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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen und müssen Eigeninitiative ergreifen und übernehmen Verantwortungen und Aufgaben. Das Personal arbeitet auch untereinander mehr zusammen, was zur Folge hat, dass Fehler und falsche Entscheidungen vermindert werden können. Kreativität wird durch die Führungskräfte gefördert, genauso wie eine offene und ehrliche Kommunikation. Wie bei allen Theorien oder auch Führungsstilen ergeben sich auch hier Vor- und Nachteile.

Vorteile

  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind motiviert und arbeiten gerne für das Unternehmen.
  • Der Mensch strebt oft nach Selbstverwirklichung (siehe Bedürfnispyramide nach Maslow). Diese kann er im kooperativen Führungsstil bis zu einem gewissen Grad durch Eigeninitiative und größeren Verantwortungen erlangen.
  • Es herrscht höhere Zufriedenheit und somit niedrige Fluktuation und Krankenstände.
  • Das Verhältnis zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden ist meist sehr gut, interaktiv und vertraut, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Lösungsprozesse aktiv einbezogen werden.

Nachteile

  • Es kann zu Problemen kommen, wenn es darum geht, schnell Entscheidungen zu treffen, da hier auch Meinungen der Angestellten berücksichtig werden.
  • Auch die Konsensfindung kann sich durch viele unterschiedliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eher schwierig gestalten.

Es liegt hier an den Führungskräften, eine gute Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und der Beteiligung des Personals zu finden. Wird hier nämlich einmal aus heiterem Himmel ein Machtwort gesprochen, kann es schnell passieren, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Vertrauen verlieren und der Chefin bzw. dem Chef ein pseudo-kooperatives Verhalten unterstellen.

Kritik an der Theorie X und Y

Wir haben für dich die wichtigsten Kritikpunkte an der Theorie X und Y zusammengefasst. Wenn du genaueres zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du im EBook „Motivationstheorien: Eine kritische Betrachtung“ mehr dazu heraus.

  • Zuallererst müssen wir auf darauf eingehen, dass es laut McGregor genau 2 Menschenbilder gibt. Die der Theorie X und die der Theorie Y. Die einen sind faul und unwillig, die anderen sind hochmotiviert und engagiert. Dazwischen gibt es nichts, keine Abstufungen, keine Ausnahmen. Diese radikale Ansicht ist in der Praxis unmöglich anwendbar an einem so facettenreichen Wesen wie dem Menschen. McGregor erntete dafür auch im Laufe der Jahre reichlich Kritik, weswegen er später die Theorie Z entwickelte.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weder alle faul, noch alle extrinsisch motiviert. Man wird nie eine Belegschaft an gleichen Menschen finden, auf die ein einziger Führungsstil passend angewendet werden kann. Die Theorie X und Y schließen sich also gegenseitig aus.
  • Theorie X und Y sind, anders als angenommen, keine Gegensätze bzw. Gegenspieler. Sie lassen sich in einem ausgewogenen Führungsstil gut kombinieren und sorgen so dafür, dass ein gemeinschaftliches aber doch wirtschaftliches Arbeitsumfeld entstehen kann. Die Annahme von McGregor, dass es sich hier um komplette Gegensätze handelt, kann also ausgeschlossen werden.

Selbsterfüllende Prophezeiungen

Ein spannender Punkt, der auf jeden Fall angesprochen werden sollte, sind die selbsterfüllenden Prophezeiungen in Bezug auf Theorie X und Y. Betrachten wir zum Beispiel die Theorie X. Diese erfordert, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter streng kontrolliert werden und unter Vorgaben arbeiten. Ein solches Kontrollverhalten führt wiederum zu passivem Arbeitsverhalten, wenig Eigeninitiative und Engagement. Ein solches Verhalten bestätigt dann das erschaffene Menschenbild der Theorie X, wodurch die Führungskräfte dieses Verhalten wieder durch wenig Vertrauen und kaum Verantwortung bestätigen. Es entsteht ein Teufelskreis oder wie bereits gesagt, eine selbsterfüllende Prophezeiung. Die Theorie X kann sich durch das Verhalten also quasi nur selbst bestätigen. Ein Ausbruch aus den Kreislauf ist meist schwer.

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Das selbe Prinzip gilt auch für die Theorie Y. Die Führungskräfte erteilen ihren Angestellten Verantwortung und Selbstbestimmung. Dies führt zu mehr Arbeitsmotivation und Engagement, was wiederum zu einer erhöhten Kreativität und Verantwortungsübernahme führt. All das bestätigt dann die Theorie Y, das Verhalten der Chefs und das der Arbeitnehmenden. Ein Kreislauf der selbst bestätigten Prophezeiung hat von Neuem begonnen.

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Wenn du mehr zum Thema Motivationstheorie herausfinden möchtest, schau gerne bei unseren Blogartikeln zum Thema „Motivationstheorie nach Maslow“ oder der „2-Faktoren-Theorie“ vorbei!

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