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Aktualisiert am: 10.01.2024
Verfasst am: 10.01.2024
Lesezeit: 5 Min.

Quiet Quitting – Die Revolution der Arbeitsmentalität

In der heutigen Zeit, geprägt von einem stetigen Streben nach Erfolg und persönlicher Identifikation durch die Arbeit, taucht ein neuer Begriff auf – „Quiet Quitting„. Dieses Konzept, geprägt vom TikToker Zaid Zeppelin, stellt die übermäßige Arbeitslast und den Zwang, sich über die berufliche Tätigkeit zu definieren, infrage. Es verkörpert eine Gegenbewegung zur allgegenwärtigen Kultur des Überarbeitens und des ständigen Strebens nach mehr in der Arbeitswelt. Vor allem zum Jahresbeginn werden vermehrt Kündigungen eingereicht, da viele in dieser Zeit ihren Berufs- und Lebensweg hinterfragen und neue Pfade einschlagen wollen. Was ein Arbeitsgeber hierbei tun kann, dass die Mitarbeiter weiterhin auch gerne im Unternehmen bleiben, wird in diesem Blog erläutert.

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Quiet Quitting – Was ist das?

Quiet Quitting ist nicht bloß eine Aufforderung, den Job zu kündigen, sondern vielmehr eine Idee, die besagt, dass sich Arbeitnehmer nicht über ihre Tätigkeit identifizieren und lediglich das leisten sollen, was im Vertrag vorgesehen ist. Es ist eine Haltung, die sich von der inneren Kündigung unterscheidet, indem sie nicht das Beenden des Jobs, sondern vielmehr das Ende des übermäßigen Leistens propagiert.

Die Entstehung dieses Begriffs verdeutlicht die tiefgreifenden Probleme, denen sich viele Arbeitnehmer gegenübersehen. Statistiken aus dem Jahr 2021 zeigten, dass 10% aller berufstätigen Deutschen mehr arbeiteten als vertraglich vorgesehen war. Im Durchschnitt wurden 18 bezahlte und 20 unbezahlte Überstunden geleistet – fast eine ganze Arbeitswoche mehr als vereinbart.

Diese Zahlen illustrieren, wie stark der Druck in vielen Arbeitsumgebungen ist, über die Grenzen des Vertrags hinaus zu arbeiten. Quiet Quitting fordert dazu auf, eine gesunde Work-Life-Balance zu schaffen und den Fokus von der Arbeit auf andere Lebensbereiche zu verlagern. Es ermutigt dazu, nicht mehr als nötig zu arbeiten und die Annahme zu akzeptieren, dass es in Ordnung ist, sich nicht übermäßig zu verausgaben.

Gen Z und Quiet Quitting – Sind sie wirklich faul?

Die heutige Generation Z steht an vorderster Front, wenn es um die Neugestaltung von Arbeitsnormen und -mentalitäten geht. Die Gen Z, diejenigen, die zwischen Mitte der 1990er und Mitte der 2010er Jahre geboren wurden, zeichnet sich durch eine kritische Haltung gegenüber traditionellen Arbeitsstrukturen aus.

Im Jahr 2019 hat die deutsche Industrie- und Handelskammer bei über 12.000 Unternehmen erkundet, wie die Generation Z als Arbeitnehmer wahrgenommen wird. Über die Hälfte der befragten Unternehmen empfand die Generation Z als unmotiviert und nicht bereit, ausreichend Leistung bei der Arbeit zu erbringen. Laut dem 2023 Work Monitor, einer Studie des Personaldienstleisters Redford, haben mehr als ein Drittel der Angehörigen der Generation Z und der Millennials angegeben, dass sie Quiet Quitting als einen Lösungsansatz betrachten. Im Gegensatz dazu nutzen nur etwa ein Viertel der Babyboomer Quiet Quitting. Deutlich wird also, dass Quiet Quitting tatsächlich vermehrt von jüngeren Arbeitnehmern in Anspruch genommen wird.

Ein Grund für die starke Resonanz von Quiet Quitting bei der Generation Z liegt in der Suche nach einer gesunden Work-Life-Balance. Diese Generation strebt nicht nach einem Leben, das ausschließlich von der Arbeit dominiert wird, sondern nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Karriere und persönlichem Leben. Der Druck, ständig erreichbar zu sein und unzählige Überstunden zu leisten, wird von vielen in dieser Generation als ungesund und überholt angesehen.

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Die Gen Z bringt neue Perspektiven in die Arbeitswelt ein, die Unternehmen und Arbeitgeber dazu zwingen, überholte Arbeitspraktiken zu überdenken. Die Forderung nach Flexibilität, Remote-Arbeitsoptionen und einem Arbeitsumfeld, welches das Wohlbefinden der Arbeitnehmer in den Vordergrund stellt, ist für diese Generation entscheidend.

Quiet Quitting ist also ein Indikator für den Wunsch nach einem gesünderen und ausgeglicheneren Arbeitsleben. Es ist eine Aufforderung, die Definition von Erfolg neu zu überdenken und zu erkennen, dass persönliches Glück und Lebensqualität genauso wichtig sind wie beruflicher Erfolg. Die Gen Z ist also prinzipiell nicht faul, sondern einfach dabei, die Arbeitslandschaft zu revolutionieren, indem sie die Bedeutung von Selbstachtung und Lebensqualität an die Spitze der Prioritätenliste rückt.

Quiet Quitting als Zeichen von Arbeitsbelastung

Die World Health Organization (WHO) hat wiederholt betont, wie Arbeitsumgebungen und -bedingungen die Gesundheit der Arbeitnehmer beeinflussen. Die Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung, in der Stress reduziert und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und persönlichem Leben gefördert wird, ist daher von großer Bedeutung.

Studien zur Work-Life-Balance haben gezeigt, dass ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Freizeitverpflichtungen dazu beiträgt, die Gesundheit zu erhalten und das Wohlbefinden zu steigern. Eine ausgewogene Work-Life-Balance wurde mit einer Reduzierung von Burnout, einer verbesserten mentalen Gesundheit und einer höheren Zufriedenheit am Arbeitsplatz in Verbindung gebracht.

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Das Konzept von Quiet Quitting scheint in diesem Kontext als Antwort auf die steigende Notwendigkeit einer ausgewogenen Arbeitsumgebung zu stehen. Unternehmen, welche sich darauf konzentrieren, die Belastung zu reduzieren und die Work-Life-Balance zu fördern, können potenziell die Gesundheit ihrer Mitarbeiter verbessern und dadurch ihr Unternehmen fördern.

Was können Unternehmen JETZT tun?

Dieses Phänomen des Quiet Quittings stellt Unternehmen vor Herausforderungen, da es schwierig sein kann, die Gründe für das potentielle Ausscheiden von Mitarbeitern zu erkennen und darauf zu reagieren. Um dem entgegenzuwirken, können Unternehmen offene Kommunikationskanäle fördern, regelmäßige Mitarbeiterbefragungen durchführen und ein unterstützendes Arbeitsumfeld schaffen.

Gerade zu Jahresbeginn kündigen viele Arbeitnehmer, da dies oft als Zeitpunkt für Neuanfänge und das Setzen neuer beruflicher Ziele betrachtet wird. Neue Karrieremöglichkeiten, der Wunsch nach Veränderung oder persönlicher Entwicklung sowie das Reflektieren über berufliche Ziele und Lebensprioritäten könnten Gründe für diesen Trend sein. Unternehmen, die sich dieser Dynamik bewusst sind und eine positive Unternehmenskultur pflegen, haben eine bessere Chance, Mitarbeiter langfristig zu binden.

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Flexibilität als Schlüssel

Unternehmen sollten Flexibilität in ihren Arbeitsstrukturen fördern. Die Möglichkeit von Remote-Arbeit, flexible Arbeitszeiten und alternative Arbeitsmodelle sind entscheidende Aspekte, die das Bedürfnis nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance der Arbeitnehmer unterstützen. Indem Unternehmen auf diese Weise Flexibilität ermöglichen, tragen sie dazu bei, eine gesündere Arbeitsumgebung zu schaffen.

Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung

Die Förderung einer gesunden Arbeitsumgebung, die das Wohlbefinden der Mitarbeiter in den Vordergrund stellt, ist von großer Bedeutung. Dies umfasst Maßnahmen wie regelmäßige Pausen, die Förderung von Freizeitaktivitäten, Stressbewältigungsprogramme und ein unterstützendes Umfeld für das psychische Wohlbefinden der Arbeitnehmer.

Klare Kommunikation und Erwartungen

Eine transparente Kommunikation bezüglich der Erwartungen an die Arbeitsleistung ist von großer Bedeutung. Unternehmen sollten sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter verstehen, was von ihnen erwartet wird und dass eine Kultur des übermäßigen Leistens nicht gefördert wird. Klare Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit sollten gezogen und respektiert werden.

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Förderung von Selbstbestimmung und Autonomie

Indem Unternehmen ihren Mitarbeitern mehr Selbstbestimmung und Autonomie ermöglichen, können sie deren Vertrauen stärken und die Motivation erhöhen. Mitarbeiter, die das Gefühl haben, dass ihre Meinungen und Bedürfnisse gehört und respektiert werden, sind eher bereit, sich engagiert und leistungsstark für das Unternehmen einzusetzen.

Vertrauensbildende Maßnahmen

Der Aufbau von Vertrauen zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern ist entscheidend. Unternehmen sollten Vertrauen in die Fähigkeiten und die Verantwortungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter haben. Mikromanagement und ständige Überwachung können zu Misstrauen führen und die Arbeitsmoral beeinträchtigen.

Kontinuierliche Anpassung und Überprüfung

Die Anpassung der Unternehmenskultur sollte ein kontinuierlicher Prozess sein. Unternehmen müssen regelmäßig ihre Arbeitsrichtlinien und -praktiken überprüfen, um sicherzustellen, dass sie den sich ändernden Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter gerecht werden. Eine offene Feedback-Kultur kann dabei helfen, ständige Verbesserungen zu erzielen.

Indem Unternehmen eine Arbeitsumgebung schaffen, die das Wohlbefinden und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter priorisiert, können Unternehmen nicht nur die Leistung steigern, sondern auch das Image und die Attraktivität als Arbeitgeber stärken.

Fazit

Quiet Quitting repräsentiert eine Veränderung in der Arbeitsmentalität, die sich gegen übermäßige Arbeitsbelastung richtet. In Verbindung mit der Generation Z symbolisiert es den Wunsch nach Flexibilität, Selbstbestimmung und einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Unternehmen müssen sich anpassen, indem sie Flexibilität, klare Kommunikation, Wohlbefinden, Vertrauensbildung und kontinuierliche Anpassung fördern, um den Bedürfnissen der Arbeitnehmer gerecht zu werden. Dieser Wandel hin zu einer ausgewogenen Arbeitskultur hat das Potenzial, sowohl individuelle Lebensstile als auch die Unternehmenskultur grundlegend zu verändern und nicht nur den eigenen Mitarbeitern eine erhöhte Arbeitszufriedenheit zusichern zu können, sondern dadurch auch das eigene Unternehmen voranzutreiben.

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