Marshall Rosenberg - Gewaltfreie Kommunikation

Marshall Rosenberg – Gewaltfreie Kommunikation

Kategorien: Wissensvermittlung & Beratung
Lesezeit: 7 Minuten

Wer war Marshall Rosenberg?

Marshall Bertram Rosenberg war ein US-amerikanischer Psychologe und Mediator. Er wurde am 6. Oktober 1934 in Ohio geboren und lebte in Albuquerque, New Mexico. Rosenberg entwickelte das Konzept Nonviolent Communication (dt. Gewaltfreie Kommunikation) und gründete 1984 das CNVC (Center for Nonviolant Communication) in Texas.

Neben Vera Birkenbihl, Paul Watzlawick, Gregory Bateson, Virginia Satir, Friedemann Schulz von Thun und Steve de Shazer, zählt Marshall Rosenberg für uns zu den absoluten Legenden der Kommunikation.

Prägungen und Einflüsse

Marshall Rosenberg wurde durch eine nicht gerade gewaltfreie Kindheit und Jugend geprägt. In seiner Schulzeit wurde er (aufgrund seiner jüdischen Religionszugehörigkeit) regelmäßig von Mitschülern geschlagen. In weiterer Folge lernte Rosenberg auch selbst, des Öfteren seine Fäuste für ihn sprechen zu lassen. So war er in seiner Jugend recht häufig in Schlägereien verwickelt und landete auch nicht nur einmal dafür im Krankenhaus.

Marshall Rosenberg_Gewaltfreie Kommunikation_Schlägerei_Gewalt

Alle Form von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse

Marshall Rosenberg

Das CNVC – Center for Nonviolant Communication

Wie du dir bereits denken kannst, ist Marshall Rosenbergs Leben allerdings nicht immer so reich an Gewalt geblieben. Ganz im Gegenteil hat er es um 180 Grad herumgedreht. Er beschäftigte sich tiefgehend mit den Themen „Gewalt“ und „Kommunikation“ und gründete schließlich 1984 (im Alter von 50 Jahren) das CNVC (Center for Nonviolant Communication). Bis 2012 leitete er dieses auch selbst. Das CNVC fungierte als internationales Network, welches Menschen überall auf der Welt dabei unterstützen sollte, in Konfliktsituationen (physisch sowie psychisch) gewaltfrei zu kommunizieren. Sowohl Privatpersonen, Organisationen als auch politischen Einrichtungen (uvm.) erlernten mithilfe des CNVC das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation GFK. Sie trugen so zu einem weltweit friedlicherem Beisammensein durch Kommunikation ohne Eskalation bei.

Die GFK – Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg

Worum aber handelt es sich überhaupt bei der GFK? Rosenberg bezeichnete die Gewaltfreie Kommunikation als eine Methode, die zwischenmenschliche Beziehungen hilfreich verbessern kann. Seiner Ansicht nach, sind Worte weitaus mächtiger als so manche Tat.

Worte können verletzen. Sie können Narben (auf unserer Psyche) hinterlassen. Worte können Beziehungen starten, diese aber auch wieder beenden. Anhand von Worten können wir Menschen von uns wegstoßen, oder ihnen erlauben einen Schritt näher zu treten. Wie du vielleicht schon merkst, handelt es sich bei Rosenbergs GFK-Methode also um weitaus mehr als eine Kommunikationsart mit der physische Gewalt vermieden werden soll. Die Gewaltfreie Kommunikation ist nicht nur frei von körperlicher Gewalt, sondern auch von verbaler Gewalt.

Egal um welche Art von Beziehung es sich handelt, ob um private Familien-, Freundschafts-, Partnerschaftsbeziehungen, oder um berufliche Beziehungen mit Kolleginnen, Kollegen, Vorgesetzten oder Geschäftspartnern: Konflikte auszutragen ohne dabei das Gegenüber anzugreifen, zu verletzen oder zu beschuldigen ist nie leicht. Hier ist Kommunikation nicht nur hilfreich sondern das Um und Auf.

Marshall_Rosenberg_Gewaltfreie_Kommunikation_Sprechblasen

Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg – So geht’s:

Um Uneinigkeiten und Konflikte durch Kommunikation zu lösen, hat Marshall Rosenberg nun folgenden Ablauf der Gewaltfreien Kommunikation GFK kreiert:

  1. Beobachtung und genaue Beschreibung eines konkreten Verhaltens oder einer Tat des Gegenübers, welche Konfliktpotenzial hat bzw. das eigene Wohlbefinden gefährdet.
  2. Ausdruck der eigenen Emotionen und Gefühle, die durch dieses Verhalten oder die Tat ausgelöst und empfunden werden (Ärger, Trauer, Wut, Enttäuschung, Angst, etc.)
  3. Ausmachen und Benennen der Bedürfnisse, welche für das (ev. negative) Gefühl oder die Gefühle verantwortlich sind.
  4. Ausformulierung einer Bitte an das Gegenüber. Diese sollte eine konkrete Handlungsaufforderung beinhalten. Anschuldigungen und Befehle sind hier aber fehl am Platz. Auch die Nichterfüllung der Bitte seitens des Gegenübers muss gegebenenfalls akzeptiert werden.
Marshall_Rosenberg_Gewaltfreie_Kommunikation_Gefühle_Bedürfnisse

Grundannahmen der GFK

Der GFK liegen die folgenden Annahmen zu Grunde:

  • Jede menschliche Handlung möchte grundsätzlich ein eigenes Bedürfnis erfüllen.
  • Jede Art von Gewalt ist ein tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse.
  • Gewalt entsteht durch unsere Denkweise.
  • Durch Wettbewerb werden die Bedürfnisse des Einzelnen erfüllt, während die andere Partei darunter leidet. Durch Kooperation können die Bedürfnisse aller gedeckt werden.
  • Menschen haben instinktiv Freude daran, anderen zu helfen, solange sie das freiwillig tun können.
  • Kommunikation und gesunde friedliche Beziehungen funktionieren nur dann, wenn wahre Empathie gegeben ist.

Ziele der Gewaltfreien Kommunikation

Die Entstehung von Konflikten hängt primär von unserer Fähigkeit zu kommunizieren ab. Je besser wir Menschen lernen uns (unsere Bedürfnisse, Beobachtungen, Meinungen, Erwartungen, etc.) auszudrücken und anderen mitzuteilen, desto besser werden wir Konflikte lösen oder gar deren Entstehung vermeiden können. Die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg kann hier also wahre Wunder wirken.

Die Ziele der GFK Methode allgemein sind:

  • Reduktion von physischer Gewalt (offensiv sowie defensiv)
  • Aufzeigen besserer Reaktionsmöglichkeiten anstelle von Verteidigung, Rückzug oder Angriff
  • Aufmerksamkeit auf Wertschätzung und Empathie legen
  • empathisches Zuhören ersetzt den Austausch von Beleidigungen
  • Diagnose und Verurteilen durch die Klärung von Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis ersetzen
  • Ausdruck der eigenen Gefühle und Bedürfnisse ohne die des Gesprächspartners bzw. der Kommunikationspartnerin zu missachten (Empathie)
  • Klare Formulierung von Bitten
  • Wut, Manipulation und Erpressung vermeiden

Wie genau das mit der Klärung von Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis gemeint ist, erklärt Marshall Rosenberg im Folgenden Video mit seinem kennzeichnenden Rollenspiel „Wolf und Giraffe“:

Wie du siehst, können auf die Art der Giraffe eigene Bedürfnisse und Anliegen ausgedrückt werden, ohne dass dabei gezwungenermaßen die Beziehung zum Gegenüber gefährdet wird. Außerdem wird so die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir wirklich das bekommen, was wir wollen und tatsächlich brauchen. Ganz ohne (körperliche oder verbale) Gewalt. 😀

Marshall Rosenberg Zitate

Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun es andere auch nicht.

Marshall Rosenberg

Deine Gegenwart ist das wertvollste Geschenk, das du einem anderen menschlichen Wesen machen kannst.

Marshall Rosenberg

Depression ist die Belohnung fürs Bravsein.

Marshall Rosenberg

Der erste Schritt bei der Heilung besteht darin, die Konzentration auf das zu richten, was jetzt gerade lebendig ist, und nicht auf das, was in der Vergangenheit passiert ist.

Marshall Rosenberg

Du kannst dich jederzeit entscheiden, wie du die Worte deines Gegenübers aufnimmst, die Macht liegt bei dir.

Marshall Rosenberg

Gib anderen niemals die Macht, dich zur Rebellion oder zur Unterwerfung zu verleiten.

Marshall Rosenberg

Die Schönheit in einem Menschen zu sehen ist dann am nötigsten, wenn er auf eine Weise kommuniziert, die es am schwierigsten macht, sie zu sehen.

Marshall Rosenberg

Wie ich entscheide, eine Situation zu betrachten, beeinflusst ganz wesentlich, ob ich die Macht habe, sie zu ändern oder ob ich die Dinge verschlimmere.

Marshall Rosenberg

Wenn es darauf hinausläuft, einen Rat zu geben, dann tue es niemals, es sei denn, du hast zuerst eine von einem Anwalt unterzeichnete schriftliche Aufforderung dazu erhalten.

Marshall Rosenberg

Richten wir unsere Aufmerksamkeit lieber auf das, was wir tun wollen und nicht auf das was schief gelaufen ist..

Marshall Rosenberg

Unsere Legenden der Kommunikation

Mit seiner Gewaltfreien Kommunikation zählt Marshall Rosenberg definitiv zu unseren Kommunikationslegenden. Wir von NEVEREST Lifelong Learning sehen Kommunikation als eines der allerwichtigsten Tools im Bereich der Aus- und Weiterbildung, der (Erlebnis-)Pädagogik, dem Coaching, der Psychologie und dem NLP (Neurolinguistisches Programmieren). Daher wenden wir die Theorien und Konzepte von Kommunikationsgenies wie Vera Birkenbihl, Paul Watzlawick, Virginia Satir, Gregory Bateson und Marshall Rosenberg auch regelmäßig im Seminarraum selbst an. Auch in unserem Blog geben wir unser Wissen gern an dich weiter. Interessierst du dich, so wie wir, für Kommunikation und die schlauen Köpfe die die Kommunikationswissenschaft prägten?

Na dann, auf geht’s! Viel Spaß beim Schmökern! 😀

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