Friedemann Schulz von Thun - Seiten und Stile der Kommunikation
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Friedemann Schulz von Thun – Seiten und Stile der Kommunikation

Wer ist Friedemann Schulz von Thun?

Der deutsche Kommunikationswissenschaftler und Psychologe Friedemann Schulz von Thun wurde am 06.08.1944 in Soltau geboren. Im Anschluss an sein Psychologie-, Philosophie- und Pädagogik-Studium (1967-1971) in Hamburg, promovierte er zwei Jahre später über die Verständlichkeit bei der Wissensvermittlung. Von 1976 bis 2009 unterrichtete er als Universitätsprofessor Pädagogische Psychologie. Später gründete er das Schulz von Thun-Institut für Kommunikation in Hamburg.

Eine Legende der Kommunikation

Warum Friedemann Schulz von Thun gemeinsam mit Paul Watzlawick, Virginia Satir, Vera Birkenbihl, Marshall Rosenberg und Gregory Bateson zu unseren NEVEREST Legenden der Kommunikation zählt, liegt auf der Hand.

Für unsere Trainerausbildung ist Schulz von Thun definitiv ein äußerst wichtiges Vorbild, von dem wir im Hinblick auf Wissensvermittlung und die Konzeption und Durchführung von Kommunikationstrainings für Lehrer, Führungskräfte, etc. einiges gelernt haben. In guter Train-the-Trainer-Manier, sind wir bemüht, dieses Wissen auch stets mit den Teilnehmenden unserer Ausbildung zu teilen. Schulz von Thun selbst ist seit 1971 und auch heute noch als Trainer für Kommunikationstrainings tätig.

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Auch in unserer Systemisches Coaching Ausbildung teilen wir SvT’s kommunikationspsychologische Ansicht, dass Menschen immer individuell, zugleich aber als Teil ihres Systems wahrgenommen werden sollten. Beim Coaching spielt dieses humanistisch-systemische Menschenbild eine ausschlaggebende Rolle.

Die Lehren der Legende

Was also sind die wichtigsten Themen, Konzepte und Modelle zur Kommunikation, mit denen Friedemann Schulz von Thun sich auseinandergesetzt hat? Im Folgenden findest du die „Highlights“ zusammengefasst:

Lautes Denken

Beginnen wir mit der Methode des sog. „Lauten Denkens“! Du musst wissen: Zu Schulzeiten im Gymnasium war Schulz von Thun damals bereits Trainer. Zwar nicht unbedingt Trainer der Kommunikation, stattdessen war er aber Mitglied und Trainer des Schachvereins. Dieser äußert alte (Denk-)Sport, der sich momentan dank der Netflix-Original-Serie The Queen’s Gambit wieder reger Beliebtheit erfreut, ist definitiv für seine Komplexität bekannt. (Professionelle) Schachspieler brauchen ein gutes Vorstellungsvermögen für unzählige mögliche Strategien, Züge des Gegenübers, uvm.

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Das Interesse für diesen Sport hat in weiterer Folge auch Schulz von Thuns Interesse für psychologische Prozesse geweckt. Er entwickelte die Methode „Lautes Denken„. Die hörbare Verbalisierung des (teils bildlichen) Denkens ist eine äußert hilfreiche Strategie, die sich durch eine bessere Erfolgsquote bei der Auflösung diverser Probleme ausgezeichnet hat. Während es bei einem Schachspiel mit anwesendem Kontrahenten in Hörweite vermutlich eher kontraproduktiv ist, all seine Gedanken preiszugeben, kann es beim Eigenstudium des Spiels oder in unzähligen anderen Lebensbereichen sehr wohl von Vorteil sein, die Gedanken laut auszusprechen. Man bezieht somit mehr Sinne in den Lernprozess ein und gibt dem Gedankengang eine geordnetere Struktur. Heutzutage kommt diese Methode besonders in der Informatik zum Einsatz. Auch in der Linguistik und der kognitiven Psychologie werden Protokolle des „Lauten Denkens“ oft für Forschungszwecke eingesetzt.

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun

Ausgiebig beschäftigte Friedemann Schulz von Thun sich auch mit zwischenmenschlichen Prozessen sowie dem Verständnis interpersoneller Kommunikation. Inspiriert von Alfred Adlers Individualpsychologie und Ruth Cohns Themenzentrierter Interaktion und geprägt von seinem humanistisch-systemischen Weltbild, sowie seinen jahrelangen eigenen Kurserfahrungen als Trainer, entwickelte er in den 70er Jahren ein neues Kommunikationsmodell. 1981 stellte er dieses Modell in seinem Buch „Miteinander reden, Störungen und Klärungen“ vor.

Bekannt ist dieses Modell heutzutage unter verschiedenen Namen wie beispielsweise das Kommunikationsquadrat, die Vier Seiten einer Nachricht, das Vier-Ohren-Modell/Vier-Seiten-Modell oder schlicht das Nachrichtenmodell.

Im Großen und Ganzen beschäftigt sich dieses Konzept vor allem mit der Kodierung einer Nachricht seitens des Senders bzw. der Senderin und der unmittelbar darauffolgenden Dekodierung dergleichen Nachricht seitens des Empfängers bzw. der Empfängerin. Denn wie auch schon Paul Watzlawick einst meinte „Wahr ist nicht was A sagt, sondern was B versteht.“, möchte auch Schulz von Thun mit seinem Nachrichtenmodell aufzeigen, dass eine Nachricht so gut wie nie nur auf eine Art bzw. eindeutig interpretiert werden kann.

Kommunikation_Kreide_Sender_Empfänger_Friedemann_Schulz_von_Thun

Kommunikation steht wesensgemäß im Spannungsfeld von Wahrhaftigkeit und Wirkungskalkül.

Friedemann Schulz von Thun

Die vier Seiten einer Nachricht:

Missverständnisse garantiert. Kommunikation ist immer vielseitig. Schenken wir Schulz von Thuns Kommunikationsmodell glauben, so hat JEDE Nachricht – egal wie kurz oder lang, laut oder leise, verbal oder gar nonverbal sie ist – vier verschiedene Seiten beziehungsweise Kanäle oder Ebenen auf denen sie produziert und empfangen wird.

Wir unterscheiden hier:

die 4 Ebenen/Kanäle:

  • Sachebene
  • Selbstoffenbarungsebene
  • Beziehungsebene
  • Appellebene

die 4 Seiten/Botschaften:

  • Sachinformation (Worüber informiert der Sender bzw. die Senderin?)
  • Selbstkundgabe bzw. Selbstoffenbarung (Was gibt der Sender bzw. die Senderin über sich selbst preis?)
  • Beziehungshinweis (Wie bzw. in welcher Beziehung steht der Sender bzw. die Senderin zum Empfänger bzw. der Empfängerin?)
  • Appell bzw. Aufforderung (Wozu möchte der Sender bzw. die Senderin den Empfänger bzw. die Empfängerin veranlassen?)

Dargestellt wird dieses Modell oft mit einem Sender oder einer Senderin mit vier Schnäbeln (Mündern) und einem Empfänger oder einer Empfängerin mit vier Ohren. Zwischen den beiden Kommunikationspartnern befindet sich meist ein Quadrat, welches die 4 Seiten einer Nachricht zeigen soll.

Es wird davon ausgegangen, dass Missverständnisse vor allem dann auftreten, wenn der Empfänger bzw. die Empfängerin die Nachricht auf einer anderen Ebene wahrnimmt, als der Sender oder die Senderin intendiert.

Ein Beispiel für ein solches Missverständniss wäre wie folgt:

A möchte, dass B die Katze ins Haus lässt und sagt daher:

A: „Die Katze sitzt vor der Tür.“

B nimmt diese als Appell gemeinte Botschaft allerdings nicht als solchen wahr.

B: „Ah ja. Dann lass sie doch bitte hinein!“

Was ist in diesem Beispiel nun also passiert?

Obwohl A hier B zu etwas auffordern wollte, hat er bzw. sie das allerdings falsch kommuniziert. Anstatt dies eindeutig als Appell auszudrücken („Lass bitte die Katze ins Haus!“) hat A die Botschaft hier über den Kanal auf der Sachebene geschickt. B hat dies (bewusst oder unbewusst) nun zu seinem bzw. ihrem Vorteil genutzt und die Nachricht auch auf eben diesem „Sachohr“ empfangen. B jedoch hat durch gezielt richtige Verortung der Antwort auf der Appellebene, den Spieß umgedreht.

Katze_Tür_Friedemann_Schulz_von_Thun_Kommunikationsquadrat

Und wieder einmal stellen wir fest: Wer Kommunikation richtig beherrscht, ist klar im Vorteil. 😉

Es braucht allerdings ein bisschen Übung! Probier’s doch mal aus und spiele verschiedene Beispiele und Szenarien durch. Versuche einfache Botschaften auf jeder der vier Ebenen zu kommunizieren und sie auf jeweils einer anderen Ebene zu empfangen! Du wirst erstaunt sein, wie viel Informationen kürzeste Botschaften enthalten können und wie mächtig dieses Tool sein kann, wenn du es erst mal bewusst einsetzt.

Kommunikationsstile nach Friedemann Schulz von Thun

Ganz im Sinne der Selbstoffenbarung stehen auch die 8 Stile der Kommunikation, welche SvT definiert hat. Die Art und Weise wie wir kommunizieren, jede verbale und nonverbale Äußerung gibt nämlich stets immens viel über uns als Personen, unsere Selbstwahrnehmung sowie unsere Rolle in diversen Beziehungen preis. Geprägt durch unser Umfeld, unsere Kindheit und unser Weltbild, spiegelt unser präferierter Kommunikationsstil unsere Persönlichkeit und unser Verhalten wider.

Wer sich selbst versteht, kommuniziert besser.

Friedemann Schulz von Thun

Die 8 Kommunikationsstile:

  • bedürftig-abhängig
  • helfend
  • selbstlos
  • aggressiv-entwertend
  • sich-beweisend
  • bestimmend-kontrollierend
  • sich-distanzierend
  • mitteilungsfreudig-dramatisierend

Grundsätzlich sprechen die Bezeichnungen der einzelnen Kommunikationsstile schon für sich. Möchtest du aber noch tiefer in die Materie eintauchen und die Erkennungsmerkmale, die Ursachen, sowie die jeweiligen Stärken und Schwächen jedes einzelnen Stils kennenlernen, dann findest du im Artikel
Kommunikationsstil: Wie wir uns anderen präsentieren eine äußert detailreiche Darstellung der Stile.

Für noch mehr Information zur Kommunikationslegende kannst du auch gerne auf der offiziellen Homepage des Schulz von Thun Instituts für Kommunikation vorbeischauen. Oder du besuchst unsere Trainerausbildung und lernst die Modelle Schulz von Thuns und die unserer anderen Legenden der Kommunikation praktisch im Alltag, privat wie beruflich, einzusetzen. 😉

Friedemann Schulz von Thun – Zitate:

Den Psychologen sagt man nach, sie würden das, was jeder weiß, in einer Sprache sagen, die niemand versteht.

Friedemann Schulz von Thun

Die höchste Stufe des Zuhörens ist es, dem Partner die Unterstützung zur Selbstklärung zu gewähren.

Christoph Thomann/Friedemann Schulz von Thun

Was das heutige Leben auf dem Erdball so gefährlich macht, ist das gigantische Auseinanderklaffen zwischen technologischem Vermögen und zwischenmenschlichem Unvermögen.

Friedemann Schulz von Thun

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