Die 9 Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl

Die 9 Eskalationsstufen nach dem Konfliktforscher Friedrich Glasl

Kategorien: Persönlichkeitsentwicklung & Mentales
Lesezeit: 8 Minuten

Wenn mehrere Personen an einem Ort zusammenkommen, kann es dadurch auch zu Konflikten kommen. Arten diese aus und verhärten sich, so spricht man von einer Eskalation. Der Konfliktforscher und Ökonom Friedrich Glasl entwickelte die Eskalationsstufen, mit denen Konflikte analysiert werden können. Worum es sich dabei handelt, erfährst du in diesem Blogartikel.

Wer ist Friedrich Glasl?

Der Ökonom, Organisationsberater und Konfliktforscher Friedrich Glasl wurde am 23. Mai 1941 in Wien geboren. Nach seinem Studium in politischen Wissenschaften, Psychologie und Philosophie promovierte er an der Bergischen Universität Wuppertal. Glasl war für die Friedensorganisation Service Civil Interantional tätig, für die er Workcamps organisierte, bei denen sich Menschen der beiden Seiten des Eisernen Vorhangs begegnen konnten.

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Im Jahr 1966 emigrierte Friedrich Glasl in die Niederlande. Dort arbeitete er am Institut für Organisationsentwicklung von Bernard Lievegoed in der Unternehmensberatung, Forschung und Lehre. Lievegoed und Glasl entwickelten ein Modell, das das systemisch-evolutionäre Geschehen darstellt:

  • 1. Phase: Pionierphase
  • 2. Phase: Differenzierungsphase
  • 3. Phase: Integrationsphase
  • 4. Phase: Assoziationsphase

Diese 4 Phasen charakterisierten Glasl und Lievegoed mit 7 verschiedenen Wesenselementen. Mit diesen können aktuelle Prozesse und Systeme innerhalb einer Organisation analysiert werden. Bei diesen Wesenselementen handelt es sich um folgende:

  • Identität
  • Leitsätze, Programme, Policy
  • Aufbauorganisation
  • Menschen
  • Einzelfunktion
  • Ablauforganisation
  • Physische Mittel

Im Jahr 1980 entwickelte Friedrich Glasl das Phasenmodell der Eskalationsstufen. Dieses besteht aus 9 Stufen, anders als das Modell nach Kurt und Kati Spillmann, welches nur aus 5 Stufen besteht.

Glasl kehrte im Jahr 1985 nach Österreich zurück, wo er Mitbegründer der Trigon-Entwicklungsberatung war. Außerdem war er an der Universität Klagenfurt Dozent für BWL und an der Universität Salzburg Dozent für Konfliktmanagement und Organisationsentwicklung.

Er verfasste bisher schon mehr als 150 Fachveröffentlichungen. Im Jahr 2017 wurde sein Lebenswerk mit dem Life Achievement Award der Weiterbildungsbranche ausgezeichnet. Momentan lebt Glasl gemeinsam mit seiner Frau in Salzburg.

Warum entstehen Konflikte?

Haben mehrere Personen verschiedene Meinungen ist das Potential für einen möglichen Konflikt erhöht. Dabei ist es egal, ob es zwei Menschen oder ganze Länder sind. Verhärten sich dann die Fronten und nimmt die Gesprächsbereitschaft ab, kann es zu einer Konflikt-Eskalation kommen. Es gibt einige Faktoren, die Einfluss darauf haben, ob ein Konflikt entsteht bzw. eskaliert:

  • Dauer des Konflikts
  • Ursache des Konflikts
  • Komplexität des Konflikts
  • Antipathie bzw. Sympathie zwischen den beteiligten Parteien
  • Soziale Kompetenz der beteiligten Parteien
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Durch die richtige Art der Kommunikation kann ein Konflikt auch schnell wieder deeskaliert werden und ist somit nicht zwangsläufig etwas Negatives. Wenn du mehr über verschiedenste Kommunikationsarten wissen möchtest, schau doch bei einem unserer Blogartikel zu diesen Themen vorbei!

Was versteht man unter Eskalationsstufen?

Unter den Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl versteht man die Entwicklung eines Konflikts. Dieses Phasenmodell ist als Ebenenmodell dargestellt. Glasl entschied sich hier bewusst für diese Darstellungsweise und begründet sie folgendermaßen: „Der Weg der Eskalation führt mit einer zwingenden Kraft in Regionen, die untermenschliche, große Energien aufrufen, die sich auf Dauer der menschlichen Steuerung und Beherrschung entziehen.“

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Die Eskalationsstufen lassen sich in 3 Hauptphasen unterteilen. Diese sind „win-win“, „win-lose“ und „lose-lose“. Diese gliedern sich wiederum in je 3 Unterphasen. Die Eskalationsstufen sind für jede Art von Konflikt anwendbar. Je nach Beteiligung der Personen, Komplexität, Ursache, Dauer etc. muss zur Deeskalation fremde Unterstützung eingeholt werden.

Was sind die 9 Eskalationsstufen?

Wie du bereits gehört hast, wird das Ebenenmodell in 3 Hauptphasen bzw. Ebenen unterteilt.

1. Ebene „Win-Win“

Bei dieser Ebene ist der Ausgang noch offen und der Konflikt kann sich in jede Richtung entwickeln. Bei einer Einigung profitieren hier beide Parteien.

Stufe 1: Verhärtung

Konflikte entstehen meist aus Spannungen und dem Aufeinanderprallen von verschiedenen Meinungen. Dabei muss es hierbei nicht zwingend zu einem Konflikt kommen. Passiert dies doch, verhärten sich die Fronten und die erste Eskalationsstufe ist erreicht.

Stufe 2: Polarisation und Debatte

Prallt unsere eigene Meinung auf eine andere, so versuchen wir hier oft noch das Gegenüber mit unseren Argumenten zu überzeugen. Schlägt dieser Versuch der Debatte fehl, kann es zu einem negativen Ausgang bzw. zu Streit kommen. Ab dem Moment nimmt man die Meinung der oder des Anderen nur mehr gering war und ein Schwarz-Weiß-Denken beginnt. Das Gegenüber wird nicht mehr als Kommunikationspartner wahrgenommen, sondern als Gegnerin oder Gegner.

3. Taten statt Worte

In der dritten Phase ist eine Verstärkung des Konflikts spürbar. Argumente werden ignoriert und es wird verstärkt Druck ausgeübt, um die eigene, vermeintlich richtige, Meinung durchzusetzen. Die Phase wird auch als „Taten statt Worte“ bezeichnet, da die beteiligten Parteien durch Aktionen oder Reaktionen dem Gegenüber ihren Unmut zeigen. Das kann zum Beispiel durch eine abrupte Beendigung des Gesprächs sein.

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2. Ebene „Win-Lose“

Ab der zweiten Ebene ist es mit großer Wahrscheinlichkeit so, dass es Gewinner und Verlierer im Konflikt gibt. Der Streit ist zwar noch lösbar, allerdings erfordert es ab jetzt auch mehr Mühe.

Stufe 4: Sorge um Image und Koalition

An diesem Punkt des Streits holen sich die Parteien Verbündete zur Hilfe, die sie in ihrem Standpunkt unterstützen sollen. Auch das Ziel verändert sich in dieser Phase extrem. Es wird nicht mehr versucht den Konflikt nachhaltig aufzulösen, sondern eine Gewinnerin oder einen Gewinner zu ermitteln. Eine sachliche Auflösung ist hier schon viel schwerer möglich, da beide Parteien Recht behalten und ihr Image wahren wollen.

Stufe 5: Gesichtsverlust

Die Benennung dieser Phase spricht für sich. Durch persönliche Angriffe auf die Identität des Gegenübers soll es zum Gesichtsverlust kommen. Es kommt zum gegenseitigen Vertrauensbruch, Misstrauen und dem Verlust der Moral. Zielführende Kommunikation, um den Konflikt zu lösen, ist zu diesem Zeitpunkt meist nicht mehr möglich.

Stufe 6: Drohstrategien

In dieser Stufe kommt es nun zu gegenseitigen Drohungen, wodurch die beteiligten Parteien die Oberhand gewinnen wollen. Dies soll die eigene Macht unterstreichen. Es wird mit Strafen gedroht, zum Beispiel „Ich zeige dich an!“ etc.

3. Ebene „Lose-Lose“

Wie du am Namen schon erkennen kannst, gibt es ab dieser Ebene keine Gewinnerinnen und Gewinner mehr, sondern nur noch Verliererinnen und Verlierer. Der Konflikt befindet sich mittlerweile auf so hohen Eskalationsstufen, dass er nicht mehr nachhaltig gelöst werden kann.

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Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge

In dieser Phase der Eskalationsstufen wird versucht, dass der eigene Schaden geringer gehalten wird, als der des Gegenübers. Jeder begrenzte Schaden wird so schon als kleiner Gewinn gesehen. Der Konfliktpartner wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen, sondern es wird versucht, ihr oder ihm mit allen möglichen Tricks zu schaden, um selbst noch als Gewinnerin oder Gewinner des Streits hervorzugehen.

Stufe 8: Zersplitterung

Hat sich das Gegenüber vorher Unterstützung gesucht, wird nun mit allen Mitteln probiert, dieses Gegensystem zu zerstören und alle Verbündete zu „eliminieren“. Es kann hier so weit gehen, dass die Konfrontationspartner sogar physische, psychische oder geistige Zerstörung in Kauf nehmen.

Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund

In der letzten Phase der Eskalationsstufen versucht man weiterhin das Gegenüber zu vernichten. Dafür wird auch die eigene Vernichtung mit einkalkuliert, da es zu diesem Zeitpunkt keinen anderen Ausweg mehr gibt. Der Konflikt ist bereits so eskaliert, dass er nicht mehr geschlichtet werden kann. Das einzige Ziel ist es, dass der Konfliktpartner mindestens genauso viel Schaden nimmt, wie man selbst.

Deeskalation des Konflikts

Das Modell der Eskalationsstufen bietet keine Informationen zur Deeskalation der jeweiligen Konfliktstufen. Friedrich Glasl entwickelte hier allerdings Strategien zur Deeskalation die den jeweiligen Eskalationsstufen angemessen sind. Diese lauten:

  • Stufe 1-3: Moderation
  • Stufe 3-5: Prozessbegleitung
  • Stufe 5-7: Mediation und Vermittlung
  • Stufe 6-8: Gerichtliche Verfahren
  • Stufe 7-9: Machteingriff

Für die meisten dieser Methoden werden neutrale Personen benötigt, um den Konflikt zu lösen. Versucht man, eine der beiden Seiten zu unterstützen kann es schnell passieren, dass man selbst Teil des Streits wird und sich sogleich in einer der Eskalationsstufen vorfindet.

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Wir hoffen, dass wir dir mit unserem Artikel einen Einblick in das Modell der Eskalationsstufen bieten konnten und freuen uns, wenn wir dich schon bald bei einer unserer Ausbildungen begrüßen dürfen. 😊

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