Die 7 Grundemotionen nach Paul Ekman

7 Grundemotionen nach Paul Ekman

Kategorien: Persönlichkeitsentwicklung & Mentales
Lesezeit: 9 Minuten

Global betrachtet ist die gesamte Menschheit alles andere als eintönig. Wir sind in unserem Handeln sowie in unserem Auftreten, Aussehen und unserer Kommunikation divers, geprägt von kulturellen, natürlichen und persönlichen Einflüssen. Es gibt Menschen, die ihre Emotionen und Gefühle stets offen über die gesprochene Sprache sowie die Körpersprache preisgeben. Genauso gibt es aber auch Menschen, die ihre inneren Empfindungen eher für sich behalten und diese nur selten an die Oberfläche dringen lassen. Es gibt Kulturen, in denen gewisse Emotionen und ein bestimmter Habitus gesellschaftlich akzeptiert sind, während dieselben Emotionen und derselbe Habitus in anderen Kulturen als unangebracht erachtet werden kann.

Was wir fühlen, wie intensiv unsere Gefühle sind und was davon wir mit unserer Umwelt teilen ist auf internationaler Ebene höchst individuell, unterschiedlich und hängt von zahlreichen diversen Faktoren ab. Dennoch existieren gewisse Basisemotionen, welche alle Menschen von Geburt an aufweisen und welche wir auch alle bis zu einem gewissen Grad gleich (zumindest über die Mimik in Form von Mikroexpressionen) ausdrücken. Die Rede ist hier von den 7 Grundemotionen: Freude, Trauer, Ekel, Angst, Überraschung, Wut und Verachtung.

Was sind Grundemotionen?

Grundemotionen werden auch häufig als Basisemotionen, Grundgefühle oder Primäraffekte bezeichnet. Gemeint sind damit die Emotionen, von denen ausgegangen wird, dass diese jeder Mensch von Natur aus (auch schon im Säuglingsalter) in sich trägt und empfinden kann. Sie werden dadurch auch als grundlegender Bestandteil der menschlichen Existenz erachtet. Basisemotionen gelten als kulturunabhängig und äußern sich auch international durch die gleichen Gesichtsausdrücke.

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Welche Grundemotionen gibt es?

Nach dem US-amerikanischen Psychologen Paul Ekman gibt es insgesamt sieben Grundemotionen, die in allen Kulturen der Welt vertreten sind und überall nahezu gleich ausgedrückt werden.

Die 7 Grundemotionen nach Paul Ekman sind:

  • Freude
  • Trauer/Traurigkeit
  • Überraschung
  • Wut/Ärger
  • Angst/Furcht
  • Ekel
  • Verachtung

Unabhängig davon, wo Menschen auf die Welt gekommen sind sowie wo und wie sie erzogen wurden, können Menschen diese Basisemotionen also instinktiv auf internationaler Ebene bei dem Gegenüber erkennen und meist auch richtig zuordnen.

Was steuert unsere Grundemotionen?

Aus wissenschaftlicher Sicht, wird davon ausgegangen, dass unsere Grundemotionen evolutionäre Gründe haben. Sie werden alltäglich durch gewisse Sinneseindrücke oder innere Bedürfnisse in uns Menschen ausgelöst und anschließend zur Erfüllung eines Zwecks (z.B.: Bedürfnisbefriedigung, Kommunikation, Selbstwahrnehmung des aktuellen Wohlbefindens,…) ausgedrückt.

Wenn wir also etwas sehen, hören, schmecken, riechen oder fühlen, dass im Unterbewusstsein eine Erinnerung auslöst, dann steuert das gewissermaßen unsere Grundemotionen und Gefühle. In weiterer Folge löst dieser emotionale Reiz dann im limbischen System die adäquate mimische Expression aus. Das passiert reflexartig und unbewusst, da sich der Verstand gar nicht so schnell einschalten kann. Das ist auch der Grund dafür, warum die Mimik mehr Auskunft darüber gibt, was jemand fühlt, als darüber, was jemand denkt. Die Kommunikation unserer Grundgefühle erfolgt in erster Linie nonverbal.

Gefühle zeigen ist überlebenswichtig!

Unsere Basisemotionen verfolgen also – wenn auch unbewusst – stets einen gewissen Sinn und Zweck. So versucht Traurigkeit und die körperliche Reaktion auf diese Emotion (z.B.: weinen, Schmollmund, etc.) oft, das Bedürfnis nach Trost, Unterstützung und Zuwendung zu stillen. Hinter der Emotion Angst steckt oft das Bedürfnis nach Sicherheit. Durch den Ausdruck von Angst, erhoffen wir uns eventuell, die angsteinflößende Situation schnellstmöglich und unversehrt zu verlassen.

Die körperliche Reaktion die in uns ausgelöst wird, wenn wir beispielsweise in ein Stück eines verdorbenen Nahrungsmittels beißen (Ekel) zeigt uns, dass es gesundheitsschädigend wäre, einen weiteren Bissen zu nehmen. Ekel hat also eine gewisse Schutzfunktion. Wut wiederum kommt oft zum Vorschein, wenn wir unsere persönlichen Grenzen angegriffen sehen. Auch sie soll uns – wenn auch auf eine andere Art als Angst oder Ekel – schützen und hilft uns dabei, uns zu wehren.

Grundemotionen erkennen nach Paul Ekman

Egal ob bewusst, unbewusst, erwünscht oder unerwünscht: Unsere Basisemotionen können wir nie zu hundert Prozent verstecken. Über unsere Mimik treten diese Primäraffekte an die Oberfläche. Für einen Bruchteil einer Sekunde – zwischen 40 und 500 Millisekunden, um genau zu sein – zeichnen sich die spezifischen Merkmale der momentan empfundenen Grundemotion(en) in unserem Gesicht ab.

Die Gesichtsausdrücke sind damit schneller als unser Verstand und egal wie sehr wir uns bemühen diese zu unterdrücken oder zu vertuschen, so wird dies doch nie komplett möglich sein. Oft gelingt es uns Menschen, die Gesichtsausdrücke nach diesen 40 bis 500 Millisekunden unter Kontrolle zu bringen. Ab diesem Zeitpunkt sind im Gesicht also nicht mehr die wahren momentanen Emotionen zu sehen, sondern die, die wir unserem Gegenüber zeigen oder vorgaukeln wollen. Dieser Prozess heißt auch Mikromimik.

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Das Facial Action Coding System

Der Psychologe Paul Ekman widmete sich der Erforschung der 7 Grundemotionen und deren Erkennungsmerkmalen in der Körpersprache. Zusammen mit seinem Kollegen Wallace Friesen kreierte er 1978 ein Kodierungsverfahren zur Beschreibung von emotionalen Gesichtsausdrücken: das Facial Action Coding System (FACS).

Dieses FACS ist eine Methode zur Mimik- und Emotionserkennung, die ganz besonders wichtig für die Emotionspsychologie, die Ausdruckspsychologie und die psychoanalytische Therapieforschung ist. Mithilfe des Systems können emotionale non-verbale Gesichtsausdrücke erkannt und beschrieben werden. Gleichzeitig blendet das System allerdings alle nicht-emotionalen Gesichtsausdrücke aus. Mit dem FACS ist es somit auch möglich, ein authentisches Lächeln von einem gespielten bzw. gekünstelten Lächeln zu unterscheiden.

Grundemotionen anhand ihrer Merkmale erkennen

Möchten wir nun die Grundemotionen, die unser Gegenüber (oder beispielsweise auch Personen in Fernsehinterviews etc.) gerade empfindet, aus dessen Gesicht „ablesen“, so müssen wir zunächst deren spezifische Merkmale kennenlernen. Vorweg aber nochmals zur Erinnerung: obwohl die Merkmale der Primäraffekte kulturunabhängig zwar international ident sind, kann die Intensität der Gesichtsausdrücke sehr stark variieren.

Freude

Wenn jemand Freude empfindet und sich das auch im Gesicht widerspiegelt, so ist das ein Zeichen dafür, dass diese Person in just diesem Moment Zufriedenheit, Begeisterung, Glück oder Heiterkeit fühlt.

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Merkmale:

  • Lachfältchen bilden sich (um die Augen und die Mundregion)
  • Wangen werden angehoben
  • nach oben gezogene Mundwinkel

Trauer

Im Kontrast zur Freude steht die Basisemotion Trauer. Die Traurigkeit ist ein Ausdruck von den Gefühlen Bestürzung, Unglücklichsein, Betroffenheit, Verzweiflung, Mutlosigkeit oder Enttäuschung.

Trauer_Sad_Grundemotionen_Paul_Ekman_Mikroexpressionen_Gesichtsausdrücke

Merkmale:

  • Hochziehen der inneren Enden der Augenbrauen
  • herabhängende Oberlider
  • eingefallene, schlaffe Wangen
  • heruntergezogene Mundwinkel

Überraschung

Der Primäraffekt Überraschung ist dann im Gesicht zu erkennen, wenn die Person verwundert, verblüfft, oder eventuell auch kurz sprachlos ist. Beim Entlarven von Lügen können die Mikroexpressionen von Überraschung eventuell Auskunft darüber geben, ob die befragte Person, die mit der vermeintlichen Lüge konfrontiert wird Bescheid weiß oder eher aufrichtig verwundert über diese Information ist.

Überraschung_Surprise_Grundemotionen_Paul_Ekman_Mikroexpressionen_Gesichtsausdrücke

Merkmale:

  • nach oben gezogene Augenbrauen
  • geweitete Augenlider
  • eventuell (leicht) geöffneter Mund

Angst

Anfangs kann es oft etwas schwierig sein, die Mikroexpressionen von Angst nicht mit denen von Überraschung zu verwechseln. Vor allem dann, wenn man den Kontext nicht ausreichend kennt. Dieser kann hier nämlich viel Aufschluss geben. Dennoch gibt es auch ohne Kennen der Situation und des Kontext in der Mimik kleine Unterschiede, die für das geschulte Auge erkennbar sind. Hinter diesem Basisgefühl stecken Erschrockenheit, Panik, Beunruhigung und Angespanntheit.

Angst_Fear_Grundemotionen_Paul_Ekman_Mikroexpressionen_Gesichtsausdrücke

Merkmale:

  • nach oben gezogene Augenbrauen
  • geweitete Augenlider
  • eventuell leicht geöffneter Mund
  • gespannte Lippen
  • starrer Blick
  • stark sichtbares Augenweiß

Wut bzw. Ärger

Wut, Ärger, Frustration, und Empörung sind vor allem in der oberen Gesichtshälfte zu erkennen.

Wut_Anger_Zorn_Grundemotionen_Paul_Ekman_Mikroexpressionen_Gesichtsausdrücke

Merkmale:

  • Zornesfalte erscheint zwischen den Augenbrauen
  • heruntergezogene Augenbrauen
  • starrer Blick
  • gespannte Lippen

Ekel

Ekel lässt sich meist ziemlich leicht von den anderen Gefühlen unterscheiden. Die gerümpfte Nase ist hier speziell. Ist eine Person von etwas angewidert oder abgeneigt, lehnt sie etwas emotional ab oder verspürt sie Widerwilligkeit, so erkennt man das vor allem in der mittleren und unteren Gesichtsregion.

Ekel_Disgust_Banane_Grundemotionen_Paul_Ekman_Mikroexpressionen_Gesichtsausdrücke

Merkmale:

  • gerümpfte Nase
  • sichtbare Nasenfältchen
  • angehobene Wangen
  • hochgezogenen Oberlippe

Verachtung

Die Grundemotion Verachtung hat zwar nur ein Gesichtsmerkmal, dafür ist dieses umso markanter und leicht zu erkennen. Tritt Verachtung im Gesicht zum Vorschein, so steckt oft Herablassung, Spott, Missbilligung oder Geringschätzung (einer Person, einer gewissen Information, einer Aktion,…) dahinter.

Verachtung_Contempt_Grundemotionen_Paul_Ekman_Mikroexpressionen_Gesichtsausdrücke

Merkmal:

  • einseitiges (!) Verziehen des Mundwinkels nach oben oder leicht zur Seite

Profiling – die Grundlagen:

Grundsätzlich gilt: Wann immer man die Grundemotionen einer Person im Gesicht erkennen möchte, macht es Sinn, die betroffene Person bereits im Vorhinein über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Wir Menschen haben alle eine gewisse Baseline an Gesichtsausdrücken. Diese verwenden wir Tag ein und Tag aus in neutralen Alltagssituationen. Am besten kannst du diese Baseline beim Gegenüber unter die Lupe nehmen, wenn du ihn beim Smalltalk in seinem Verhalten beobachtest.

Die wahren Gefühle kannst du dann im Anschluss leicht erkennen, wenn die Person von ihrer Baseline abweicht. Das ist oft dann der Fall, wenn die Gesprächsthemen weniger neutral sind. Verhandlungen oder diverse Streitthemen sind hier ein gutes Beispiel dafür. Da diese Mikroexpressionen aber in der Realität wahnsinnig schnell (innerhalb einer halben Sekunde) auftreten und auch sogleich wieder verschwinden, braucht es wirklich viel Übung, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Empathie, um sie leicht erkennen und richtig deuten zu können.

Im Gegenteil dazu, sind normale Gesichtsausdrücke für die meisten leicht ersichtlich. Sie halten nämlich für mindestens eine halbe und bis zu vier Sekunden lang an. Allerdings sind diese oft bewusst gesteuert und spiegeln nicht immer zu hundert Prozent das wahre Empfinden der Person wider.

Grundemotionen erkennen und Profiler werden

Egal ob du für dich im privaten Kontext erlernen möchtest, die Mikroexpressionen und das Verhalten deiner Mitmenschen zu analysieren und richtig zu interpretieren, oder ob es in deinem Beruf von Vorteil sein könnte: es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das erkennen von Grundemotionen zu üben.

  1. Fürs erste ist hier das Buch Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren von Paul Ekman äußerst empfehlenswert.
  2. Weiters gibt es auf der Homepage der Paul Ekman Group zahlreiche (erwerbliche) Online-Trainingsprogramme die dich darin schulen, Mikroexpressionen möglichst rasch zu erkennen.
  3. Bei der berufsbegleitenden Persönlichkeitsanalyse und Profiling Ausbildung bei Neverest Lifelong Learning bringen dir Expertinnen und Experten das nötige Profiling-Know-How mit einem hohen Praxisbezug und einer großen Methodenvielfalt bei. Zusätzlich schließt du hier mit einem Profiling-Zertifikat ab.

Also? Worauf wartest du noch? Werde zum Profiler bzw. zur Profilerin und lass dir zukünftig von niemandem mehr etwas vormachen! 😉

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