Milton Erickson - Hypnose und Hypnotherapie

Milton Erickson – Hypnose und Hypnotherapie

Kategorien: Wissensvermittlung & Beratung
Lesezeit: 9 Minuten

Die meisten kennen Hypnose wahrscheinlich aus lustigen Filmen, bei denen die hypnotisierte Person denkt, sie sei ein Huhn und gackernd umherläuft, oder ähnliche belustigende Szenarien. Aber wusstest du, dass Hypnose auch als Therapieform eingesetzt wird? Der Psychiater, Milton Erickson, prägte die moderne Hypnotherapie und Hypnose maßgeblich und förderte außerdem auch deren Einsatz in der Psychotherapie. Aber wer war Erickson, was waren seine Werke und wie genau funktionieren Hypnose und Hypnotherapie? Das alles erfährst du in unserem Blogartikel!

Wer war Milton Erickson?

Milton Erickson wurde am 5. Dezember 1901 in Nevada geboren. Er wuchs in einer großen Familie als zweites Kind auf. Mit fünf Jahren zog Erickson mit seiner Familie nach Wisconsin. Im Kindesalter litt Milton Erickson an Legasthenie und galt lange Zeit als entwicklungsgestört. Das bekam er auch in der Grundschule schon zu spüren, in der er den Spitznamen „Dictionary“ erhielt. Dieser stammte daher, dass Erickson bei der Suche nach einem Begriff, stets das Wörterbuch von Anfang an zu lesen begann, bis er beim gesuchten Wort ankam. Seine Legasthenie konnte er später überwinden, indem er übte, Buchstaben mental zu visualisieren.

Nach seinem Abschluss im Jahr 1919 erkrankte Milton Erickson an Kinderlähmung und fiel durch diese für drei Tage ins Koma. Als er wieder zu Bewusstsein kam, war gelähmt. Er musste von da an seine Wahrnehmung durch seine Beobachtungen schulen und begann so, mit seiner Vorstellkraft zu experimentieren. Er lernte, sowohl die verbale, als auch die nonverbale Kommunikation in seiner Umgebung zu verstehen.

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Da Erickson viel Zeit in einem Schaukelstuhl verbrachte und er den Wunsch manifestierte, aus dem Fenster zu schauen, soll sich der Schaukelstuhl leicht bewegt haben. Dieses Erlebnis führte dazu, dass er umso motivierter an seiner Vorstellkraft und Imagination weiterarbeitete. Er begann, an seinen gelähmten Muskeln zu arbeiten und sich vorzustellen, dass diese wieder funktionstüchtig wurden. Nach etwa einem Jahr gelang es ihm und er konnte mit Krücken laufen.

Danach besuchte er die Universität in Wisconsin und begab sich sogar auf einen Kanu-Trip nach Mississippi. Zu dieser Zeit erreichte Erickson wieder körperliche Stärke und konnte einige Jahre später sogar wieder ganz ohne Krücken gehen. Auf der Universität beschäftigte er sich mit dem Thema Hypnose, welches ihn faszinierte und ihn auch dazu brachte, ständig daran zu üben. Er ging hier nicht nach alten Lehrmeinungen vor, sondern begann stattdessen, seine eigene zu entwickeln.

Im Jahr 1928 schloss er die Universität mit einem Master in Psychologie und einem Doktor in der Medizin ab. Er hatte danach verschiedene Positionen, bis er leitender Arzt des Worcester State Hospitals wurde und dort an seiner Hypnose und deren Einsatz weiter forschen konnte. Er erhielt später den Facharzt für Psychiatrie.

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Als er sich 1947 eine Verletzung durch einen Fahrradsturz zuzog und sich trotz Allergie gegen den Impfstoff gegen Tetanus behandeln ließ, folgte darauf ein anaphylaktischer Schock, der schwere Allergien gegen Pollen zur Folge hatte. Er zog nach Phoenix, wo er seine eigene Praxis eröffnete, aber durch das weitere Auftreten von Allergien war er allerdings gezwungen, von zu Hause zu arbeiten. Zu dieser Zeit hielt er außerdem viele Vorträge und ging umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeiten nach. Er arbeitete auch intensiv mit Gregory Bateson, Margaret Mead, Jay Haley, Lawrence Kubie und John Weakland zusammen. Mehr zu Gregory Bateson findest du übrigens in unserem Blogartikel „Gregory Bateson – Kommunikation und Kybernetik„.

Milton Erickson gründete die Amerikanische Gesellschaft für Klinische Hypnose und das „American Journal of Clinical Hypnosis“, das er bis zum Jahr 1968 herausgab. Als sich sein Gesundheitszustand jedoch verschlechterte, beendete er sämtliche Vorträge und gab 1974 auch seine Praxis auf. Im Jahr 1976 erkrankte er noch ein drittes Mal an Kinderlähmung, nach der er schließlich auf einen Rollstuhl angewiesen war. Er verstarb 1980. Die, durch seine Erkrankung bedingte, Bewusstlosigkeit in jungen Jahren war, laut Erickson, der Beginn für sein Interesse an Trance-Zuständen. Auch in Österreich gibt es das Milton Erickson Institut in Graz oder Innsbruck oder in Wien die Milton Erickson Gesellschaft.

Das Werk von Erickson

Der amerikanische Psychiater Milton H Erickson entwickelte in der modernen Hypnose einen neuen Ansatz, der die Individualität des Einzelnen betont. Hierfür ist es notwendig, einen besonderen Zugang und Ansatz zu jedem der Patientinnen und Patienten zu erlangen. Erickson verstand es, sich intensiv auf seine Klienten einzulassen und die Einzigartigkeit jedes Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. So konnte er die Patienten in deren persönlichen Realität und deren inneren Welten verstehen und ihnen begegnen. Er nutzte nach dem Utilisationsprinzip alle Assoziationen, Persönlichkeitsmerkmale und Erinnerung für die Erreichung ihrer Ziele. Diese Methode war sehr kontrovers gegenüber den üblichen Methoden der 50er und 60er Jahre.

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Auch die Rolle des Unterbewusstseins wird durch Erickson hervorgehoben. Anders als Sigmund Freud steht das Unterbewusstsein für Erickson für eine Ressource der Selbstheilung. Dort befinden sich die kaum genutzten Erfahrungen des Menschen. Durch die Hypnosetherapie und verbale und non-verbale Techniken sollen starre Denkmuster und begrenzte Fähigkeiten erweitert werden. Das Unterbewusstsein soll dabei die führende Rolle einnehmen. So soll das Bewusstsein die Fähigkeit erlangen, unbewusste Ressourcen und Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Mit den Patienten verwendete Erickson häufig Metaphern, Anekdoten oder Geschichten, da Bilder die Sprache des Unterbewusstseins darstellen.

Geh den Weg des Nichtwissens. Er ist die Visitenkarte des Unterbewusstseins. Lass alles Vorwissen los und sage: Ich weiß nicht. Ich bin daran interessiert, es herauszufinden.

– Milton Erickson

Klassisch für Milton Ericksons Vorgehensweise war es außerdem, Verwirrung hervorzurufen, wodurch das gewohnte Bezugssystem außer Kraft gesetzt wird und somit eine Neustrukturierung möglich ist. So können Patienten unbewusst auf eine Reise nach der Problemlösung geschickt werden. Mit seiner Vorgehensweise hatte Erickson viel Einfluss auf Therapeuten seiner Zeit und der Nachwelt. Durch ihn wurden zum Beispiel die Palo-Alto-Gruppe und deren Mitglieder wie Paul Watzlawick oder Virginia Satir stark geprägt. Mehr zu diesen beiden Persönlichkeiten findest du auch in folgenden Blogartikeln „Paul Watzlawick – Kommunikation und Konstruktivismus“ und „Virginia Satir – Kommunikation und Selbstwert„.

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Auch auf die Gründer des NLP, Richard Bandler und John Grinder übte er Einfluss aus. Diese kopierten seine Technik und entwickelten daraus das Neuro-Linguistische Programmieren. Möchtest du mehr zur Entstehungsgeschichte und die Bedeutung des NLP erfahren? Dann schau auf jeden Fall bei unserem Artikel „NLP – Was ist Neurolinguistisches Programmieren?“ vorbei. Mehr Info erhältst du außerdem auch in unserer Ausbildung zum NLP Practitioner.

Auch der Coachingbereich ist geprägt von den Einflüssen von Milton Erickson. Hier werden oft Modelle verwendet, wie das „Milton-Modell“ welche zwar nicht direkt auf Erickson zurückzuführen sind, jedoch trotz allem dessen Einflüsse beinhalten. Interessierst du dich für systemisches Coaching? Dann schau bei unserer Ausbildung zum Dipl. systemischen Coach vorbei!

Milton war stets gegen eine Gründung der eigenen psychotherapeutischen Schule, da er der Meinung war, dass so Weiterentwicklung gestoppt bzw. gebremst werden würde. Die heutige Milton Erickson Foundation in den USA versucht daher, offen für Psychotherapeuten zu sein, die ihren eigenen Stil bzw. die eigene Vorgehensweise entwickeln wollen, damit die Schule effektiver gestaltet wird.

Was ist Hypnose bzw. Hypnotherapie?

Als Hypnosepsychotherapie oder Hypnotherapie werden Therapien bezeichnet, die vorhandenes Wissen über die Wirkungen von Trance und Suggestionen therapeutisch nutzen. Hier werden entweder Hypnosen praktiziert oder Tranceprozesse für das therapeutische Arbeiten genutzt. Auch Selbsthypnose ist Teil der Hypnotherapie, bei der zum Beispiel Entspannung „gelernt“ wird.

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Milton Erickson war der Begründer der modernsten Form der Hypnose, nämlich der Hypnotherapie. Bei dieser handelt es sich um eine Zusammenarbeit von Therapeutin oder Therapeut und Patientin und Patient. Der Hypnotherapeut hilft dabei, in eine Trance zu gelangen, die dann als Zustand für Veränderungsarbeiten genutzt werden kann. Das Bewusstsein steht, wie wir bereits erwähnt haben, eher im Hintergrund und lässt Platz für unbewusste Prozesse und Zugänge. Mithilfe von Sprachbildern gibt der Hypnotherapeut Ideen, die die Klientinnen und Klienten in der Trance nutzen können, um die Lösungsfindung für Probleme anzuregen. Dabei bleibt es diesen selbst überlassen, welche der Ideen angenommen werden und wie diese werden.

Die Arbeit und Ansätze von Milton Erickson bieten zum Beispiel Konzepte und Methoden zur Behandlung folgender Symptome:

  • Phobien
  • Ängste und Zwänge
  • Depressionen
  • psychosomatische Störungen
  • Psychosen
  • Änderung von Gewohnheiten und Süchten
  • Schmerzen (akut und chronisch)

Ablauf

Der Ablauf bzw. Umfang der Therapie beschränkt sich in den meisten Fällen auf wenige Sitzungen. Zuerst werden Ziele ermittelt und das Erreichen am Ende der Sitzungen überprüft. Damit eine solche Therapieform funktioniert, ist es Voraussetzung, dass der Therapeut bzw. die Therapeutin und die Patienten eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen und so gemeinsam die Ziele verfolgen können.

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Die Trance kann durch verschiedenen Verfahren induziert werden. Außerdem wird in der Regel zwischen der Hypnose und der eigentlichen therapeutischen Arbeit oft unterschieden. Allerdings kann auch in diesem rein hypnotherapeutisch gearbeitet werden. Suggestionen sind nicht notwendig, jedoch charakteristisch oft in Verwendung.

Dass Hypnotherapie auch wirklich funktioniert, beweisen eine Vielzahl an Beispielen und Studien. Auf der Seite der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose findest du eine Auflistung vieler spannender Publikationen und Studien.

Milton Erickson Zitate

Das Leben wird dir von ganz alleine Schmerz bescheren. Deine Verantwortung ist es, Freude zu schaffen.

– Milton Erickson

Alles, was fasziniert und die Aufmerksamkeit eines Menschen festhält oder absorbiert, könnte als hypnotisch bezeichnet werden.

– Milton Erickson

Die reichsten und vollsten Leben versuchen ein inneres Gleichgewicht zwischen drei Bereichen zu erreichen: Arbeit, Liebe und Spiel.

– Milton Erickson

Hypnotische Suggestion kann den Gebrauch von Fähigkeiten und Potentialen erleichtern, die in einem Menschen bereits existieren, aber aufgrund mangelnden Trainings oder Verständnisses ungenutzt oder unterentwickelt bleiben.

– Milton Erickson

Wie du nun bereits gehört hast, hat Milton Erickson auch die Bereiche des systemischen Coachings und das NLP geprägt. Wenn du mehr zu diesen beiden Ausbildungen erfahren möchtest, schau bei unserem Lehrgang zum NLP Practitioner und dem Lehrgang zum Dipl. systemischen Coach vorbei!

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