Waldpädagogik vs. Erlebnispädagogik
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Waldpädagogik vs. Erlebnispädagogik – Überschneidungen und Kontrast

Der Begriff Pädagogik ist sehr vielschichtig. Er ist unterteilt in zahlreiche Disziplinen, die sich meist alle bis zu einem gewissen Grad überschneiden, aber dann doch wieder in anderen Punkten unterscheiden. Das macht es manchmal schwer, den Überblick über die verschiedenen pädagogischen Disziplinen zu bewahren. Wüsstest du beispielsweise, was der Unterschied zwischen Freizeitpädagogik, Naturpädagogik, Waldpädagogik, Wildnispädagogik und Erlebnispädagogik ist? Stehen diese in einer bestimmten Relation zueinander? Im NEVEREST Blog haben wir es uns nun zur Aufgabe gemacht, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Nachdem sich beim letzten Artikel Freizeitpädagogik vs. Erlebnispädagogik alles um den Begriff Freizeitpädagogik gedreht hat, knöpfen wir uns in diesem Artikel nun die Waldpädagogik vor.

Wie wird Waldpädagogik definiert? Was sind die Aufgaben, Methoden und Ziele dieser Disziplin? Wo kannst du eine entsprechende Ausbildung dafür machen? Und welche Überschneidungen gibt es mit der Erlebnispädagogik? Die Antworten auf all diese Fragen erfährst du hier! 🙂

Was ist Waldpädagogik?

Der Begriff Waldpädagogik existiert seit 1985. Pionierarbeit in diesem Feld leistete seit ca. 1980 die Aachener Waldpädagogin Ute Reifferscheidt, die auch heute noch als die „erste Waldpädagogin“ bekannt ist und in dem Beruf tätig ist.

Mittlerweile gibt es in Österreich ca. 1400 zertifizierte Waldpädagoginnen und Waldpädagogen. Deren Aufgabe ist es im Grunde, möglichst viele Menschen verschiedener Alters- und Zielgruppen für die Themen Wald und Umwelt zu sensibilisieren und zu begeistern. Durch spielerisches und praktisches Erforschen und Entdecken im Wald, sollen hier Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene in der Natur von der Natur lernen.

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Bei dieser Form der Naturpädagogik werden theoretische Inhalte wie u.a. die ökologische Besonderheit des Waldes als Lebensraum oder auch seine Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft, auf praktische und abenteuerreiche Weise vermittelt. Hierbei sorgen die Waldpädagoginnen und Waldpädagogen für Umweltbildung unter Einbezug aller Sinne, während sie gleichzeitig dazu beitragen, der Naturentfremdung der heutigen Gesellschaft weitestgehend entgegenzuwirken.

Aufgaben der Waldpädagogik

Was sind also die Hauptaufgaben der Waldpädagogik? Na klar: Sie soll auf primär ungezwungene Weise unter den verschiedensten Zielgruppen Interesse und Freude am Wald entfachen. Waldwissen soll nicht nur nachhaltig vermittelt, sondern auch am eigenen Leib gespürt und mit allen fünf Sinnen aufgenommen und verinnerlicht werden.

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ERFORSCHEN, EXPERIMENTIEREN, ERPROBEN, AUSTESTEN, SPIELEN, LACHEN, LERNEN und KREATIV SEIN, werden bei der Waldpädagogik groß geschrieben. Und ganz nebenbei werden auf spielerische Art und Weise wichtige Werte für ein harmonisches und beidseitig profitables Zusammenleben von Menschen und dem Ökosystem Wald vermittelt.

Vermittelte Werte der Waldpädagogik:

  • verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt
  • Respekt vor der Natur (inkl. Lebewesen)
  • Wertschätzung natürlicher Ressourcen
  • Kreativität
  • Selbständigkeit
  • Zusammenhalt bzw. Zusammengehörigkeit

Methoden und Ziele der Waldpädagogik

Methoden der Waldpädagogik:

Die waldpädagogische Methodik gliedert sich auf in eine spielerische und praxisorientierte Didaktik, das Lernen verschiedener Gruppen in und von der Natur sowie voneinander und schließlich dem Zusammenspiel von emotionalem und kognitivem Wissenserwerb.

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Ziele der Waldpädagogik:

  • spielerisches Lernen in und von der Natur
  • Sensibilisierung für den rücksichts- und verantwortungsvollen Umgang mit der Natur
  • Forstliche Vermittlung von Wald-, Baum- und Holzkunde
  • Beziehung zwischen Wald und Mensch wird gefördert
  • Vermittlung von grundlegendem Waldrecht
  • diverse Waldberufe (Förster, Waldbauern, etc.) kennen lernen
  • Einblick in die nachhaltige Forstwirtschaft

Waldpädagogik Ausbildung in Österreich

Interessierst du dich dafür, selbst zertifitierter Waldpädagoge bzw. zertifizierte Waldpädagogin zu werden, dann könnte der Zertifikatslehrgang Waldpädagogik vom Verein Waldpädagogik in Österreich eine Option für dich sein.

Die positive Absolvierung dieses Lehrgangs befähigt dich dazu, als zertifizierter Waldpädagoge oder zertifizierte Waldpädagogin in waldpädagogischen Settings (z.B. Waldkindergärten, Waldschulen, Waldführungen, Waldspielgruppen, uvm.) aktiv zu werden. Das Zertifikat ist allerdings (nach aktuellem Stand) auf 5 Jahre befristet und muss zur weiteren Gültigkeit anschließend erneuert werden. Alles was für dich relevant ist, wenn du an diesem Lehrgang interessiert bist, findest du in der vom Verein veröffentlichten Richtlinie Zertifikatslehrgang Waldpädagogik.

Überschneidungen mit Erlebnispädagogik

Waldpädagogik wird oftmals im gleichen Kontext mit Erlebnispädagogik genannt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass es zwischen den beiden Disziplinen einige Überschneidungen gibt und die Abgrenzung nicht immer ganz klar ist.

Die Natur sowie die Beziehung zwischen Mensch und Natur spielt sowohl in der Wald- als auch in der Erlebnispädagogik eine Hauptrolle. Während der Fokus bei der Waldpädagogik (wie der Name ja schon verrät) vor allem am Ökosystem Wald und dessen Wichtigkeit für Mensch und Tier liegt, bezieht die Erlebnispädagogik hier gleichermaßen Wiesen, Gewässer etc. als Naturspielplätze ein. Das gleichzeitige Lernen in und von der Natur teilen die beiden Pädagogikformen miteinander.

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Die Erlebnispädagogik fokussiert sich neben der Umweltbildung aber auch primär auf die Persönlichkeitsbildung und -entfaltung, sowie auf gruppeninterne Prozesse. ICH – WIR – NATUR sind drei Schlagworte, die die Erlebnispädagogik ganz gut beschreiben. Ebenso wie in der Waldpädagogik sollen hier immer alle Sinne zum Einsatz kommen und praktisches Erleben hat vor grauer Theorie stets Vorrang.

Die Zielgruppen der Erlebnis- und der Waldpädagogik sind sehr ähnlich. Von klein bis groß, jung bis alt, können diese Pädagogikformen nämlich bei den diversesten Personengruppen eingesetzt werden und ausnahmslos alle können davon profitieren.

Der Hauptunterschied zwischen den beiden Disziplinen liegt vermutlich in deren verschiedenen Prioritäten. Die waldpädagogische Herangehensweise vermittelt hauptsächlich Waldwissen und richtiger, nachhaltiger Umgang mit und in der Natur. Bei der Erlebnispädagogik wird der Wald (gemeinsam mit Wasser, Bergen und Wiese) sorgfältig als Tool zur Persönlichkeitsentfaltung und für Teamübungen eingesetzt. Waldwissen wird ebenso vermittelt, aber in geringerem Ausmaß und es steht der Erwerb der Reflexionsfähigkeit, das Abenteuer und die Gruppendynamik leicht im Vordergrund.

Ziele der Erlebnispädagogik:

  • Die Persönlichkeitsbildung (Selbstwert – Selbstvertrauen – Selbstverantwortung – Selbstständigkeit)
  • Stärkung der Teamfähigkeit (Kommunikation – Kooperation – Konfliktlösung)
  • Steigerung der körperlichen Fitness bzw. des Vitalitätsgefühls
  • Grenzen akzeptieren und respektieren
  • Naturbewusstsein entwickeln (schätzen – lieben – schützen)
  • Ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen und mit Kopf, Hand und Herz
  • Achtsamkeit (dem Stress entfliehen – auftanken in der Natur)
  • Kultur- und Gesellschaftsfähigkeit (das Leben meistern – für sich eintreten – die Zukunft mitgestalten)
  • Förderung einer positiven Lebenseinstellung und Dankbarkeit
  • Transzendenz – Auseinandersetzung mit Urphänomenen wie Leben und Tod

Deine berufsbegleitende Ausbildung zum diplomierten Erlebnispädagogen bzw. zur diplomierten Erlebnispädagogin

Im NEVEREST Erlebnispädagogik-Lehrgang lernst du die Natur (sowohl Wald, Wasser als auch Wiese) als Lernraum für systemische Prozessbegleitung zu nutzen. In insgesamt 11 Modulen (32. Präsenztagen), die du berufsbegleitend absolvierst, lernst du zahlreiche erlebnispädagogische Methoden kennen. Du fühlst am eigenen Leib, wie viel uns die Natur sowie die gemeinsame Zeit mit der Gruppe geben kann. Neben der Sensibilisierung für den rücksichts- und verantwortungsvollen Umgang mit der Natur stehen hier Praxis und Selbsterfahrung nämlich im Vordergund. Am Lehrplan stehen, das Planen von Aktivitäten sowie das Leiten von Praxistagen für verschiedenste Zielgruppen.

Dieser Lehrgang ermöglicht es dir sowohl Kinder und Jugendliche, als auch Erwachsene, Teams, Vereine oder Firmen bei ihrer persönlichen und individuellen Entwicklung bei Naturprojekten, Schulausflügen, Erlebniswochen, oder stundenweise etwa in Kinderheimen, Horten, Kindergärten, Schulen, Altersheimen, Jugendstellen oder in Behinderteneinrichtungen zu begleiten. Außerdem ist sie Ö-Cert zertifiziert, wodurch du für den Erlebnispädagogik Lehrgang in zahlreichen Förderstellen um Bildungsförderung ansuchen kannst.

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