Eisheilige - Das alles musst du über die kalten Tage wissen

Eisheilige – Alles was du über die kalten Tage im Mai wissen musst

Kategorien: Outdoor & Natur
Lesezeit: 10 Minuten

Wenn der Frühling bereits begonnen hat und uns mit warmen Temperaturen erfreut, gibt es Anfang Mai oft noch einige Tage, in denen kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömt und für Kälte und Frost sorgt. Vor beziehungsweise während dieser Zeit stellen viele ihre Pflanzen noch nicht nach draußen. Auch viele Freibäder werden erst nach diesen Tagen geöffnet. Die Rede ist zu dieser Zeit von den sogenannten Eisheiligen. Die Eisheiligen oder auch Eismänner genannt, haben ihre Namenstage von 11. bis 15. Mai. Sie sind vor allem auch in Bauernregeln sehr bekannt. Vielleicht kennt ja der ein oder andere unter den Ausspruch:

Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz.

– Bauernregel

Aber woher haben die Eisheiligen eigentlich ihren Namen, wer waren sie und was ist wirklich dran an diesen Frostnächten? All das erfährst du in diesem Blogartikel. Außerdem bekommst du ein paar Tipps, was du am besten erst nach den kalten Tagen anbauen solltest!

Wer waren die Eisheiligen?

Die Eisheiligen werden auch die gestrengen Herren genannt. Diese bezeichnen Gedenktage im Mai, an denen diese Heiligen geehrt werden. Wenn man von den Eisheiligen spricht, sind es je nach Land und Region 3 bis 5 verschiedene Personen. Sie alle waren jedoch katholische Märtyrer. Wir stellen euch alle 5 Märtyrer vor, die es je nach Region, vor allem in Österreich und Deutschland gibt.

Mamertus

Der Gedenktag dieses Eisheiligen ist der 11. Mai. Mit ihm beginnen die Eisheiligen in Süddeutschland. In Österreich dagegen, wird Mamertus nicht zu den hier gefeierten Eisheiligen gezählt. Mamertus wurde etwa 400 nach Christus in Lyon geboren und war ein katholischer Bischof. Im Jahr 461 wurde Mamertus Erzbischof von Vienne in Frankreich. Mit 77 Jahren verstarb er in Gallien.

Laut einigen Überlieferungen soll der katholische Bischof einige Wunder vollbracht haben. So soll er es mit Hilfe eines Gebets geschafft haben, ein Feuer zu stoppen. Nicht umsonst gilt er in Deutschland unter anderem als Schutzpatron der Feuerwehr. Außerdem wird er bei Dürre, Fieber und Brusterkrankungen gerufen. Aufgrund einiger Zerstörungen in seinem Erzbistum führte er außerdem die drei Bittgänge ein, die heute noch oft vor Christi Himmelfahrt durchgeführt werden.

Der heilige Mamerz hat ein kaltes Herz.

– Bauernregel die Eisheiligen betreffend

Pankratius

Am 12. Mai beginnen nun auch in Norddeutschland und Österreich die Eisheiligen mit dem heiligen Pankratius. Er wurde etwa 290 in Phrygien (liegt in der heutigen Türkei) geboren. Pankratius bedeutet übersetzt in etwa „Der Alles besiegende“. 304 starb er sehr jung als Märtyrer in Rom. Er wurde grausam enthauptet und Hunden zum Fraß vorgeworfen. Dargestellt wird er oft mit einer Rüstung, Schwert, Märtyrerkrone und Palmwedel oder in feinen Kleidern.

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Die St. Pancras Station in London.

Auch einige Orte und Kirchen wurden nach ihm benannt. Allerdings wird hier meist die Kurzform Pankraz anstelle von Pankratius verwendet. Beispiele sind St. Pankraz in Oberösterreich, dessen Wappen sein Schwert zeigt, der Stadtteil St. Pancras in London oder die Wallfahrtskirche St. Pankraz (Karlstein).

Wenn’s an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert.

– Bauernregel, die Pankratius gewidmet ist

Servatius

Dieser Eisheilige wird am 13. Mai gefeiert. Servatius war Bischof des Bistums Tongern im heutigen Belgien. Geboren wurde er etwa 340 nach Christus. Gestorben ist er etwa 384 im französischen Maastricht, wo er angeblich mit einem Holzschuh erschlagen wurde. Aufgrund dessen wird er heute oft mit dem Symbol eines Holzschuhs verbunden. Außerdem sind andere wichtige Beiwerke, mit denen seine Bilder versehen wurden: ein Schlüssel, ein Drache und ein Adler.

Der heilige Servatius wird vor allem bei Rheuma, Fußleiden, Frostschäden oder Rattenplagen gerufen. Außerdem wurden ihm Hellseherische Fähigkeiten nachgesagt. Beispielsweise hat er angeblich den Hunneneinfall vorausgesagt, der auch 450 stattgefunden hat.

Die Wissenschaft ist sich allerdings nicht sicher, wer Servatius wirklich war, da sich laut Forschung zwei historische Persönlichkeiten miteinander vermischen. Der Geschichtsschreiber Sulpicius Severus erwähnte Servatius aus Gallien, der an der Synode von Sardica und einer weiteren Rimini teilgenommen haben soll. Auch Gregor von Tours erwähnte einen Servatius, der um 450 gestorben sein soll, kurz vor dem Einfall der Hunnen. Er soll Bischof im heutigen Tongern gewesen sein. Diese beiden Personen wurden allerdings oft vermischt, wenn es um Erzählungen rund um Servatius ging.

War vor Servatius kein warmes Wetter, wird es nun von Tag zu Tag netter.

– Bauernregel

Bonifatius

In Norddeutschland gehen die Eisheiligen mit Bonifatius am 14 Mai zu Ende. Bonifatius wurde in Rom geboren. Zu Beginn war er kein Christ, soll aber christliche Reliquien von Rom in die heutige Türkei bringen. Da Bonifatius dort miterlebte, dass viele Christen dort verfolgt wurden, ließ er sich aus Empathie taufen. Seine Hingabe zum christlichen Glauben wurde ihm zum Verhängnis und er wurde 206 durch siedendes Pech hingerichtet.

Der Name Bonifatius steht für „der gutes Geschick verheißende“. Er wird oft als Junge oder alter Mann dargestellt, der in siedendem Pech hingerichtet wird.

Kein Reif nach Servaz, kein Schnee nach Bonifaz.

– Bauernregel, die Bonifaz und Servaz gewidmet ist

Kalte Sophie

Die kalte Sophie wird als Eisheilige in Österreich und Süddeutschland gefeiert und beendet somit für alle die Zeit der Eisheiligen. Sie wird oft auch als nasse Sophie bezeichnet. Ihr wirklicher Name lautete Sophia von Rom. Sie starb etwa 304 als jungfräuliche Märtyrerin. Ein Teil der Reliquien wurde von Bischof Remigius von Straßburg in die Abtei Eschau gebracht, während Papst Sergius II. einen Teil unter dem Hochalter der Kirche San Martino ai Monti in Rom beisetzte.

Sophia wird oft mit Symbolen wie einem Schwert, Trog, Palmwedel oder einem Buch dargestellt. Sie wird vor allem dann angerufen, um um eine gute Ernte zu bitten oder Spätfrost zu vermeiden.

Pflanze nie vor der kalten Sophie.

– Bauernregel

Wie lange dauern die Eisheiligen?

Die Dauer der Eisheilige variiert abhängig von Land und Region. So dauern in Österreich und Deutschland die Eisheiligen nicht gleich lang. Insgesamt gibt es jedoch 5 Eisheilige, die von 11. bis 15. Mai gefeiert werden. Durch die Kalenderreform, die 1482 stattfand, müssten die Eisheiligen jedoch eigentlich 10 Tage später stattfinden, da der Kalender nun 10 Tage von der tatsächlichen Zeitrechnung abweicht.

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Österreich

In Österreich beginnt die Zeit der Eisheiligen immer mit Pankratius, also dem 12. Mai. Darauf folgen Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und die kalte Sophie am 15. Mai. Somit dauern die Eisheiligen hier 4 Tage.

Deutschland

In Deutschland gestaltet sich die Situation ein wenig komplizierter. Hier werden je nach Region andere Eisheilige gefeiert. Während in Norddeutschland die Zeit der Eisheiligen schon am 11. Mai mit Mamertus beginnt und nach Pankratius und Servatius mit Bonifatius endet, wird es in Süddeutschland anders gehandhabt. Hier ist es wie in Österreich. Die Eisheiligen beginnen mit Pankratius und enden mit der kalten Sophie.

Woher stammt der Begriff „Eisheilige“?

Viele fragen sich vielleicht, was nun die genannten 5 Heiligen zu den sogenannten Eisheiligen macht. Auf den ersten Blick lässt sich vielleicht keine Verbindung herstellen. Dabei ist die Erklärung, die dahinter steckt simpel. Da meist jedes Jahr zwischen 11. und 15. Mai eine Kaltfront auftaucht, wurden die Heiligen, die an diesen Tagen ihre Namenstage haben, als Eisheilige bezeichnet. Somit haben also dieses Märtyrer im eigentlichen Sinne nichts mit Kälte oder Frost zu tun. Ihre Namenstage fielen nur durch Zufall auf diese 5 Tage, an denen die Kalteinbrüche stattfinden.

Welche meteorologische Hintergründe haben die Eisheiligen?

Die sogenannten Eisheiligen zählen wie die Hundstage im Juli und August zu den meteorologischen Singularitäten. Das sind Witterungsregelfälle, die vorhersagen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Wetterlage auftreten wird. Während der Zeit der Eisheiligen kommt es oft jährlich zu verspäteten Kalteinbrüchen, die ab 11. Mai eintreten. Dabei ist es am Tag kalt und nachts kommt es oft zu Frost, weswegen auch viele Bauernregeln hier vor dem Aussetzen der Pflanzen warnen. Im Norden beginnen die Eisheiligen früher, da die Kaltluft bei nördlicher Strömung Küstenregionen zuerst erreicht. Erst danach erreicht sie die Alpen.

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Der Grund für das Auftreten der späten Kaltluft im Mai kommt daher, dass sich die Land- und Wasseroberfläche unterschiedlich schnell aufheizen. Das Land heizt nämlich im Frühling durch die Sonne schneller aus, als das Wasser. Durch diese Temperatur-Gegensätze von Land und Wasser entstehen Tiefs, die das Wetter bis Mitteleuropa beeinflussen. Was folgt ist ein Wechselspiel aus Kalt- und Warmluft, was auch währen der Eisheiligen oft beobachtet werden kann.

Geografisch betrachtet kann das Eintreten der Kaltfront etwa so aussehen, dass sich bei den britischen Inseln ein Hochdruckgebiet bildet und über Skandinavien ein Tiefdruckgebiet. Deswegen stellt sich eine nördliche Strömung ein, die Polarluft aus dem Norden nach Mitteleuropa bringt. So entstehen Temperatureinstürze. Wenn die polare Luft zusätzlich unter Hochdruckeinfluss gerät, friert es in klaren Nächten meist.

Natürlich kann man nicht konkret anhand der Eisheiligen bemessen, wann und ob es heuer eine solche Kaltfront geben wird, allerdings hat es sich in den letzten Jahren schon oft bewiesen, dass, oft sogar auf den Tag genau, eine Kaltfront auf uns zukommt. Außerdem lässt sich der Kalteinbruch zu dieser Zeit aufgrund der Temperaturgegensätze von Wasser und Land meist gar nicht vermeiden. Die aktuelle Wettervorhersage für Österreich und Deutschland solltest du allerdings trotzdem im Auge behalten und wer weiß, vielleicht sind Mamertus, Pankratius, Servatius und der Rest der Truppe bei dir heuer ja pünktlich. 😉

Wenn dich das Thema „Wetter“ interessiert, lies dich gern auch in unseren Blogartikel: „Wolken und ihre Bedeutung für das Wetter“ rein!

Welche Pflanzen sollte man vor den Eisheiligen schützen

Junge und empfindliche Pflanzen sind bei Frost besonders gefährdet, da sie große Schäden nehmen können oder sogar erfrieren. Wenn die Pflanzen bereits blühen, ist es besonders gefährlich, da hier der Frost bedeuten kann, dass die Ernte erheblichen Schaden nimmt oder es zu keiner kommt. Deswegen sind die Eisheiligen bei Obstbauern und Gärtnern sehr gefürchtet. Aber auch für alle, die in ihrem Garten zu Hause ihr Obst und Gemüse anbauen, können Bonifatius und Co schlimme Folgen haben.

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Um dies zu umgehen, sollte man die Pflanzen am besten erst nach den Eisheiligen gepflanzt werden, da im späteren Mai die Chancen für Frost stark abnehmen. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, allerdings kann man trotzdem so einiges an Frust vermeiden und sich doch noch über eine tolle Ernte freuen.

Auch bei Balkonpflanzen sollte aufgepasst werden, dass diese geschützt werden und eventuell für diese Zeit nach drinnen verfrachtet werden.

Diese Pflanzen solltest du erst nach den Eisheiligen aussetzen:

  • Tomaten
  • Gurken
  • Bohnen
  • Basilikum
  • Sellerie
  • Fisolen
  • Bohnen
  • Margariten
  • Enzianbäume
  • Lantana
  • weitere Kübelpflanzen

Diese Pflanzen kannst du problemlos schon davor anpflanzen:

  • Kohlrabi
  • Radieschen
  • Zwiebel
  • Schnittlauch
  • Kartoffeln
  • Pelargonien, Surfinien und Balkongold (diese wachsen besonders üppig, wenn sie leichten Frost ausgesetzt sind)

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Jetzt bist du perfekt auf die nächsten Eisheiligen vorbereitet und kannst dich beruhigt auf die warmen Temperaturen danach freuen! 😊

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