Burrhus F. Skinner - Operante Konditionierung

Burrhus F. Skinner – Operante Konditionierung

Kategorien: Wissensvermittlung & Beratung
Lesezeit: 10 Minuten

Der Name Burrhus F. Skinner mag vielleicht nicht jedem ein Begriff sein. Sein Experiment, die sogenannte Skinner-Box, kennen aber viele aus dem Psychologie-Unterricht. Um wen es sich bei B.F. Skinner handelt, warum er als der Begründer des Radikalen Behaviorismus gilt und weitere spannende Meilensteine seines Lebens erfährst du in diesem Blogartikel.

Wer war Burrhus F. Skinner?

Burrhus Frederic Skinner wurde am 20 März 1904 in Susquehanna County geboren. Nachdem er die High School abgeschlossen hatte, absolvierte er in New York ein kunst- und sprachwissenschaftliches Studium. Sein Plan, ein Schriftsteller zu werden, scheiterte bald, da er nur in wenigen Zeitungen einige seiner Artikel veröffentlichen konnte. Daher musste er als Angestellter in einer Buchhandlung arbeiten, um so über die Runden zu kommen.

Dieser Job sollte jedoch der erste Schritt für seine Karriere sein. Durch die Beschäftigung mit vielen Büchern und Schriften wurde Burrhus F. Skinner auf die Werke von Iwan Petrowitsch Pawlow und John B. Watson aufmerksam. Diese weckten sein Interesse und so schrieb sich Skinner an der Harvard University für das Fach Psychologie ein. Zu dieser Zeit wurde dort unter William John Crozier an dem Tier als Ganzes geforscht. Burrhus F. Skinner durfte in dieser verhaltenspsychologischen Abteilung eigene Experimente mit Katzen, Nagern und Tauben durchführen.

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So entwickelte er die „Skinner-Box“, mit der das Verhalten der untersuchten Tiere erforscht werden konnte. Seinen Doktortitel erwarb er im Jahr 1931. Skinner blieb allerdings noch bis zum Jahr 1936 an Harvard, um seine Forschung fortzuführen. Von 1936 bis 1940 unterrichtete er an der University of Minnesota. Danach war er für drei Jahre Vorsitzender an der Indiana University, von dort kehrte er allerdings wieder nach Harvard zurück.

Burrhus F. Skinner veröffentlichte zu dieser Zeit mehrere Fachbücher zur Theorie des Behaviorismus. Auch ein Roman zählte zu seinen Werken. In diesem widmete er sich der Vision einer gewaltfreien Gesellschaft, die sich an den Prinzipien des Behaviorismus orientierte. In seinen späteren Jahren beschäftigte sich Burrhus F. Skinner vermehrt mit der Fähigkeit der Menschen. Er verfiel hier jedoch in Pessimismus, da er die Menschheit nicht im Stande sah, Katastrophen wie Umweltzerstörung, Ressourcenverschwendung oder anderes zu stoppen. Im Jahr 1989 wurde Skinner mit der Erkrankung Leukämie diagnostiziert. Er verstarb nur ein Jahr später am 18. August 1990 in Cambridge, Massachusetts.

Die Skinner-Box

Wie du bereits gehört hast, hat Burrhus F. Skinner während seines Studiums an der Harvard University die sogenannte Skinner-Box entwickelt. Diese wird manchmal auch als „problem box“ oder „puzzle box“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen reizarmen Käfig, in den ein Tier, meist eine Taube oder Nager, gesetzt wird. Dort soll nun ein neuartiges, automatisiertes Verhalten erlernt werden.

Der Käfig besteht typischerweise aus einem leeren Käfig mit glatten Wänden, in dem sich für Ratten ein Hebel oder für Tauben eine Pickscheibe befindet. Außerdem gibt es einen Ausgabeschacht für Futter und meist eine kleine Lichtquelle. Hebel bzw. Pickscheibe und Ausgabeschacht sind so miteinander verbunden, dass die Anzahl der Betätigungen und die zeitliche Abfolge registriert werden können.

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Zu Start des Versuchs wird nun das Tier hungrig in den Käfig gesetzt. Die einzelnen Faktoren der Box können nun miteinander verknüpft werden, damit der gewünschte Lerneffekt eintritt. Leuchtet zum Beispiel die Lampe auf, kann der Hebel bzw. die Scheibe betätigt werden und Futter wird aus der Luke ausgespuckt. Leuchtet das Lämpchen jedoch nicht, wird durch das Drücken nichts Erreicht. Hier kann die Testleiterin oder der Testleiter die einzelnen Komponenten so arrangieren, dass das Testtier je nach Situation das Erwünschte lernen kann.

Eine andere Variante der Skinner-Box ist die der Bestrafung. Anstatt der Belohnung durch die Futterluke sitzt das Tier auf einem elektrisch geladenen Gitter. Bei nicht-Ausführung oder falscher Ausführung wird dann ein leichter Stromstoß erteilt. Diese Form der Box nach Burrhus F. Skinner ist heutzutage jedoch nicht mehr besonders verbreitet.

Programmiertes Lernen

Nachdem Burrhus F. Skinner faszinierende Erkenntnisse von seiner Forschung an Tieren gewonnen hatte, probierte er diese auch auf den Menschen zu übertragen. Aufgrund dessen entwickelte er in den 1950er Jahren sowohl die Methode des programmierten Lernens als auch Lernmaschinen. Mit diesen sollte Lernstoff in kleine Untereinheiten geteilt und dann mit Hilfe von Belohnungen gelernt werden. Für jede richtige Antwort wurde man dafür belohnt indem man in die nächste Lerneinheit aufsteigen durfte.

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In den 1960er Jahren wurde die Methode vor allem von jungen Lehrkräften angewendet, allerdings geriet sie dann wieder in Vergessenheit. Erst durch PC-gestützte Sprachlernprogramme wurde die Methodik von Burrhus F. Skinner wieder zu neuem Leben erweckt.

Die operante Konditionierung

Verhalten wird durch bereits erlebte Verhaltenskonsequenzen beeinflusst. Dieser Meinung war auch Burrhus F. Skinner. Deshalb erarbeitete er das Konzept der Skinner-Box. Skinner arbeitete mit dem System der Verstärkungen. Als Konsequenz auf ein bestimmten Verhalten erteilte er also eine positive oder negative Verstärkung aus.

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Wir haben dir bereits kurz über das System der Skinner Box berichtet. Dieses wird auch als operante Konditionierung bezeichnet. Wir wollen dir nun kurz ein paar verschiedene Versuche der Skinner Box vorstellen:

  • Tier 1 bekommt immer dann Futter, wenn es den Hebel betätigt.
  • Tier 2 kann durch die Betätigung des Hebels das Stromgitter ausschalten und so die Stromschläge stoppen.
  • Tier 3 erhält bei Betätigung des Hebels einen Stromschlag.

Nach der Versuchszeit konnten veränderte Verhaltensweisen der Tiere erkannt werden. Tier 1 und Tier 2 lernten, den Hebel immer wieder zu betätigen, da sie so Futter bekamen, bzw. den Stromstößen entgehen konnten. Tier 3 lernte jedoch, den Hebel nicht mehr zu betätigen, da sie so den Stromstößen entkommen konnte.

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Die Tiere hatten also gelernt, ihr Verhalten entweder aufgrund von positiven Konsequenzen, wie dem Futter, zu wiederholen oder das Verhalten wegen negativen Konsequenzen (Stromschläge) zu vermeiden. Burrhus F. Skinner nannte dies das Lernen durch Erfolg oder Verstärkung, da es das Bedürfnis des Tieres befriedigt und somit das Verhalten verstärkt.

Wie wir dir bereits im vorigen Absatz erklärt haben, konnten die Tiere auch mit weiteren Zusätzen, wie dem Brennen einer Lampe, konditioniert werden. Wenn das Lämpchen aufleuchtete, gab der Hebel Futter aus, war es jedoch dunkel, ergab das Drücken des Hebels kein Ergebnis. So musste zur ersten Bedingung eine zweite erfüllt werden.

Was bedeutet der Begriff operant?

Operant bedeutet, in die Umwelt einzugreifen. Durch gewisse Verhaltensweisen kann die Umwelt beeinflusst werden, oder man kann in ihr wirken. Wörtlich bedeutet operant „die Umwelt beeinflussend“. Betrachtet man nun die operante Konditionierung näher, so wird ein Individuum von sich aus aktiv und nimmt eine Beeinflussung der Umwelt vor. Es lernt ein Verhalten, das dann eine bestimmte Reaktion der Umwelt beeinflusst.

Merkmale der operanten Konditionierung

Die operante Konditionierung nach Burrhus F. Skinner weißt einige Merkmale aus, die wir dir nun noch einmal näher erklären wollen.

Löschung

Skinner konnte beobachten, dass die Forschungstiere ihr Verhalten verminderten oder einstellten, wenn sie keine Verstärkung für ihr Verhalten erhielten. Das heißt, trotz Drücken des Hebels, wurde kein Futter aus der Luke gespuckt. Dies kann auch als Strafe aufgefasst werden, weswegen oft zu Beginn versucht wird, das Verhalten noch stärker auszuüben. Wenn hier jedoch wieder und wieder keine positive Konsequenz folgt, wird die Verhaltensweise aufgegeben bzw. gelöscht.

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Löschung bezeichnet hier die Abnahme der Häufigkeit eines Verhaltens aufgrund von Nichtverstärkung.

Differenzierung

Die Tiere konnten in der Skinner Box erlernen, Zustände zu unterscheiden. Brennendes Licht bedeutete also Futter, während Dunkelheit kein Futter bedeutete.

Verstärkung

Unter Verstärkung versteht Burrhus F. Skinner eine angenehme oder negative Folge für ein Verhalten. Je nach Konsequenz wird das Verhalten in Zukunft erneut oder auch nicht durchgeführt. Verstärker können primärer, materieller oder sozialer Herkunft sein. Bei primären Verstärkern handelt es sich um die Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Wasser, Nahrung etc. Materielle Verstärker bestehen zum Beispiel aus Geld, Süßigkeiten, Gewand etc. Diese fördern auch die materielle Abhängigkeit. Soziale Verstärker wiederum sind nicht zwingend an Kosten gebunden und werden meist aufgrund von anderen Personen verstärk (Lob, Beifall etc.)

Burrhus F. Skinner unterscheidet außerdem zwischen:

Positive Verstärkung
Das Verhalten führt zu einer positiven Konsequenz oder einem positiven Ereignis.

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  • Futter, Wasser, etc.
  • ein erwidertes Lächeln
  • den sofortigen Erhalt einer Bestellung

Negative Verstärkung
Das Verhalten führt dazu, dass eine unangenehme und negative Konsequenz nicht eintritt.

  • starker Lärm, helles Licht, Hitze, Kälte, etc.
  • Das Aufsetzen der Sonnenbrille schützt vor dem Blenden der Sonne.
  • Langsames Fahren führt dazu, keine Strafzettel zu erhalten.

Positive Bestrafung oder Bestrafung Typ I
Ein Verhalten führt zu einer unangenehmen Konsequenz bzw. zu einer positiven Bestrafung.

  • Durch das Laufen im Schwimmbad fällt man hin und verletzt sich den Knöchel.
  • Während dem Spielen mit Streichhölzern verbrennt man sich leicht.

Negative Bestrafung oder Bestrafung Typ II
Das Verhalten führt zu dem Ausbleiben einer angenehmen oder positiven Konsequenz.

  • Du beleidigst einen Bekannten, der dich daraufhin einige Wochen nicht mehr grüßt.
  • Du machst dich über das gekochte Essen deines Mannes lustig, daraufhin will er die darauffolgenden Tage nicht mehr kochen.

Radikaler Behaviorismus

Der Behaviorismus geht ursprünglich auf John B. Watson zurück. Dieser entwickelte den klassischen Behaviorismus. Schon Ende der 1920er verlor dieser jedoch an Relevanz und wurde durch die Strömung des Neobehaviorismus abgelöst. 1950 setzte sich dann der Radikale Behaviorismus von Burrhus F. Skinner durch. Dieser bildet noch heute die Basis für die Verhaltensanalyse. Wurde beim klassischen Behaviorismus das Konzept Reiz-Reaktion in den Mittelpunkt gestellt, so fokussierte sich Skinner auf das operante Verhalten, mit dem ein Organismus seine Umwelt beeinflussen und verändern kann.

Verhalten wird spontan emittiert und dann durch die darauffolgenden Konsequenzen geformt. Ob Verhalten erlernt oder angeboren ist, spielt für ihn eine unwichtige Rolle, da er diese Beobachtungen sowohl in der biologischen Evolution der Menschheit bzw. im Tierreich und auch in der Lerngeschichte erkennen kann. Allerdings leugnet er nicht, dass beide Arten, also das angeborene und das erlernte Verhalten koexistieren. Auch Gedanken und Gefühle werden beim Radikalen Behaviorismus nicht ausgeschlossen, da genau diese „privaten Ereignisse“, wie sie von den klassischen Behavioristen bezeichnet werden, wissenschaftlich besonders interessante Analysen ergeben.

Skinner schlägt außerdem vor, regelgeleitetes und kontingenzgeformtes Verhalten zu trennen.

  • Regelgeleitetes Verhalten: Dieses Verhalten tritt auf, wenn eine Person einer Regel folgt. Das Individuum kann das eigene Verhaltensrepertoire erweitern, ohne direkten Konsequenzen ausgesetzt zu werden.
  • Kontingenzgeformtes Verhalten: Das Verhalten wird direkt durch die darauffolgende Konsequenz geformt, also trial and error.

Die allerdings wichtigste Unterscheidung zum klassischen Behaviorismus ist die entwickelte „Skinner Box“, von der wir dir schon erzählt haben. Dieser konnte zur quantitativen Erfassung von Reaktionen auf Verstärkungen herangezogen werden.

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