Johari Fenster - Ich seh, ich seh, was du nicht siehst!

Johari Fenster – Ich seh, ich seh, was du nicht siehst!

Kategorien: Persönlichkeitsentwicklung & Mentales
Lesezeit: 8 Minuten

Wie gut kennst du dich eigentlich selbst? Und andere? Wie viel deiner Persönlichkeit und deines Lebens gibst du deinem Umfeld preis? Gibt es vielleicht sogar gewisse Eigenschaften, Verhaltensweisen oder Einstellungen, die du besitzt, ohne dir darüber im Klaren zu sein? Ein spannender Gedankengang, nicht wahr? Wir Menschen sind nun einmal sehr komplex gestrickte Wesen und ob wir wollen oder nicht, verhalten wir uns in verschiedenen Kontexten und Lebensbereichen unterschiedlich.

So kann es sein, dass beispielsweise deine Arbeitskolleginnen und -kollegen eine ganz anderes Bild von deiner Person haben, als deine Geschwister bzw. deine engsten Freundinnen und Freunde. Und dann hast auch du selbst nochmal deine ganz eigene Vorstellung davon, wer du bist und wie du auf andere wirkst. Man selbst kennt sich bekanntlich ja immer am besten, nicht wahr? Noch besser wirst du dich aber erst dann wirklich kennen, wenn du nicht nur auf dein Selbstbild vertraust, sondern auch die Fremdwahrnehmung deines diversen Umfelds mit einberechnest. Am besten funktioniert das mit dem sogenannten Johari Fenster. Wie das geht? Das erfährst du in diesem Artikel. 😉

Johari_Fenster_Selbstbild_Fremdbild

Was ist das Johari Fenster?

Beim Johari Fenster handelt es sich um ein Kommunikationsmodell, welches im Jahr 1955 von den beiden US-amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham entwickelt wurde. Mithilfe dieses Modells sollte es fortan leichter sein, die jeweiligen Stärken sowie die Schwächen innerhalb von verschiedenen Teams und Gruppen zu erkennen. Das wiederum ist wichtig für eine gute Kommunikation innerhalb der Gruppen, stabile zwischenmenschliche Beziehungen, sowie für eine gute Zusammenarbeit.

Wer andere kennt, ist weise. Wer sich selbst kennt, ist erleuchtet.

Laotse

Warum heißt es Johari Fenster?

Woher aber nimmt dieses Kommunikationsmodell seinen Namen? Diese Frage wird nicht selten gestellt. Immerhin hat das Wort „Johari“ an sich keine Bedeutung. Auch keiner der beiden Entwickler trägt den Namen Johari. Dennoch kann man im Namen des Modells die zwei Entwickler Joseph Luft und Harry Ingham wiedererkennen. Es handelt sich bei Johari nämlich um ein Wortspiel aus den Vornamen Joseph und Harry.

Die vier Bereiche des Johari Fenster

Das Johari Fenster gliedert sich in vier Bereiche auf. Je nachdem, ob eigene Eigenschaften einer Person selbst bekannt oder unbekannt sind bzw. ob sie anderen Personen bekannt oder unbekannt sind, ergeben sich folgende „Fensterscheiben“:

  • Öffentlicher Bereich
  • Geheimer Bereich
  • Blinder Fleck
  • Unbekannter Bereich
Johari Fenster - Ich seh, ich seh, was du nicht siehst! 1

Der öffentliche Bereich

Im öffentlichen Bereich finden sich alle Eigenschaften einer Person wieder, die sowohl der Person selbst, als auch dem Umfeld bekannt sind. Hier überschneidet sich das Selbstbild mit dem Fremdbild. Alles, was in diesem Bereich liegt, ist sozusagen „Common Knowledge“. Meistens sind in diesem Quadranten des Johari Fensters die grundlegenden biografischen Daten einer Person (Geburtsdatum, Herkunft, ev. Familienstand, Muttersprache, etc.). Weiters sind hier aber auch jegliche Verhaltensweisen bzw. äußerliche Erscheinung u. Ä., die sowohl der Person über sich selbst, als auch allen Personen in deren Umfeld bekannt sind.

Der geheime Bereich

Im geheimen Bereich befinden sich vor allem die höchst privaten Eigenschaften, Einstellungen etc. einer Person, die nur der betroffenen Person selbst bekannt sind. Wie verhältst du dich, wenn du ganz allein bist? Was sind Meinungen, Gedanken, Verhaltensweisen und bestimmte Geheimnisse, die du zwar hast, aber mit niemandem teilst? Genau das befindet sich im geheimen Bereich deines Johari Fensters. Da nur du allein aber weißt, was in diesem Bereich ist, ist hier vor allem deine Selbstwahrnehmung im Vordergrund.

Der blinde Fleck

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Der blinde Fleck ist wiederum mehr oder weniger das Gegenteil zum geheimen Bereich. Denn ob du es wahrhaben möchtest oder nicht: es gibt gewisse Aspekte, bei denen dein Umfeld dich eventuell besser kennt als du dich selbst. Hier spielt das Fremdbild eine bedeutende Rolle. Hast du vielleicht gewisse Verhaltensgewohnheiten, von denen du selbst nichts weißt?

Vielleicht verwendest du unbewusst beim Sprechen ja ein spezielles Wort besonders häufig. Oder vielleicht fällst du immer wieder in ähnliche Beziehungs- oder Verhaltensmuster, ohne es selbst zu merken, während deine Freunde, deine Familie oder deine Kolleginnen das sehr wohl mitbekommen. All das wirst du aber nur dann erfahren, wenn du aktiv auf dein Umfeld zugehst und um ehrliches Feedback bittest. In manchen Situationen kann das wirklich sehr hilfreich sein. Denn je vollständiger du dein eigenes Johari Fenster kennst, desto besser kannst du dich selbst einschätzen.

Der unbekannte Bereich

Schließlich folgt noch der vierte Johari Fenster Bereich: der Unbekannte. Dieser ist wie der Name es bereits verrät genau das: gänzlich unbekannt – nämlich nicht nur dir selbst, sondern auch deinem Umfeld. Wer weiß, vielleicht schlummert ja das eine oder das andere Talent in dir, welches du einfach noch nicht entdeckt hast. Oder vielleicht gibt es auch Momente in deiner Vergangenheit, an die weder du selbst, noch dein soziales Umfeld sich erinnern können.

Übungen zum Johari Fenster

Das Johari Fenster kann ein wirklich sehr nützliches Tool sein, um sowohl deine Selbstkenntnis, als auch deine Kommunikation und die Beziehungen zu anderen zu stärken. Je nachdem, woran du arbeiten möchtest, gibt es einige Übungen, die du mithilfe des Modells machen kannst.

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Selbstbild trifft Fremdbild

Diese erste Übung machst du am besten nicht allein, sondern mit einigen von dir ausgewählten Personen. Das aufschlussreichste Ergebnis erzielst du dann, wenn du diese Übung oft machst und zwar in all deinen sozialen Settings, in denen du für gewöhnlich verkehrst. Es geht darum, dein Selbstbild mit den verschiedenen Fremdwahrnehmungen deiner Freundinnen und Freunde, deiner Familie, deiner Kolleginnen und Kollegen, mit entfernten Bekannten oder vielleicht sogar mit fremden Personen, die du gerade erst kennenlernst, abzugleichen. Dadurch sammelst du Informationen über dich, dein Verhalten und dein Auftreten, welche dir vielleicht bis dato gar nicht bewusst waren. So lernst du mehr über dich selbst und verbesserst wiederum deine Selbstkenntnis.

Und so funktioniert’s:

Bitte deine ausgewählten Personen, mit denen du diese Übung machen möchtest darum, sich pro Person ein Blatt Papier und einen Stift zu nehmen. Dann sammelt ihr alle – aber jeder für sich – eine Liste an Adjektiven, welche die eigene Person beschreiben. Jeder bringt also die eigene Selbstwahrnehmung mit mindestens 10 Adjektiven zu Papier. Dann wird das Blatt Papier umgedreht und auf die Rückseite schreibt jede Person die selbe Anzahl an Adjektiven zur anderen Person. Beispielsweise schreibt hier deine Arbeitskollegin also 10 Eigenschaften auf, die sie dir zuschreibt, während du 10 Adjektive findest, die deiner Meinung nach, deine Kollegin gut beschreiben.

Wenn alle fertig sind, werden die Ergebnisse verglichen. Ich bin mir sicher, egal mit wem du es machst, die eine oder andere Überraschung ist definitiv dabei. Vielleicht denkst du von dir selbst ja, dass du ein sehr schüchterner Mensch bist, während du auf dein Umfeld oder zumindest auf einen bestimmten sozialen Kreis, absolut offen und extrovertiert wirkst. Auch, dass du in verschiedenen sozialen Kreisen auf unterschiedliche Ergebnisse kommst ist ganz normal. Probiere es doch mal aus! Sowohl deine ÜbungspartnerInnen als auch du werden auf die eine oder andere Weise von dieser Übung profitieren, versprochen! 😉

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Johari Fenster und Feedback

Feedback ist ein großartiges Werkzeug, um deine blinden Flecken aufzuspüren und diese in weiterer Folge großteils auch zu beseitigen. Die folgende Übung ist ein wahrhaft effektiver „Blinder-Flecken-Entferner“ ;).

Johari_Fenster_Feedback

So geht’s:

Zunächst überleg dir, in welchem Bereich du gern Feedback zu deiner Performance bzw. deinem Auftreten haben möchtest. Es kann sich hier um ein Referat, eine Rede, ein Verkaufsgespräch, ein Bewerbungsgespräch oder auch einfach im privaten Bereich um beispielsweise deine Flirtskills handeln. Hierzu bitte eine angemessene Person, welche in dem ausgewählten Bereich etwas Know-How hat, dir bei einem geübten Referat oder Gespräch aufmerksam zuzusehen und zuzuhören und dir anschließend konstruktives Feedback zu geben. Die Person soll dabei am besten auf alle möglichen Bereiche achten (Auftreten, Sprache, Körpersprache, Kleidung, Coping-Strategien, usw.).

Selbst dann, wenn es dafür notwendig ist, dass du deine Performance mehrmals wiederholst. Anschließend gibt dir die Person (es können natürlich auch mehrere Personen sein) die Rückmeldung darüber, was sie bemerkt hat. Vielleicht verwendest du ja, wenn du nervös bist ein störendes Füllwort, dass dir selbst gar nicht auffällt. Oder eventuell sprichst du schneller oder langsamer unter Druck. Lachst du vielleicht in unangemessenen Situationen, um Unsicherheit zu überspielen? Oder zupfst du dir unbewusst ständig an den Haaren oder den Fingern herum? Mit ehrlichem Feedback von Personen, denen du vertraust, kannst du all das herausfinden und somit auch daran arbeiten.

Mehr dazu in unserer Trainerausbildung!

Das Johari-Fenster ist ein fixer Bestandteil unserer NEVEREST Train-The-Trainer Ausbildung. Hier erfährst du, wie du das Modell ideal zu deinem Vorteil nutzen kannst und wie du selbstsicher und kompetent vor Gruppen auftrittst. Wenn du dich für Persönlichkeitsbildung sowie für Wissensvermittlung, die alles andere als grau und langweilig ist, interessierst, dann bist du hier absolut richtig.

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