NEVEREST Daniel Franz Rappitsch Beitragsbild Graffitisprayer

Daniel Franz Rappitsch: "Wenn du dir selbst treu bleibst, dann funktionierts!"

Über Daniel Franz Rappitsch

Daniel Franz Rappitsch ist gelernter Konditor, studierter Maler und ehemalige Führungskraft. Mit 16 Jahren hat er zu sprayen begonnen, mit 19 seinen ersten Graffiti Workshop für Kinder und Jugendliche gegeben. Neben seinem ersten Beruf als Konditor waren die Graffiti Workshops jeden Sommer ein Fixpunkt seines Lebens. Nach vielen beruflichen Stationen beschloss Daniel 2020 CanLab zu gründen, um von den Dingen leben zu können, die er am liebsten macht: Graffiti Workshops und Teamevents für Firmen und künstlerische Auftragsarbeiten.

NEVEREST Daniel Franz Rappitsch Podcast

Transkript der Episode

00:00:04
Intro: Die Lektion deines Lebens. Der NEVEREST Podcast heute mit Lisa-Marie Linhart.

00:00:13
Lisa-Marie Linhart: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Die Lektion deines Lebens“. Diesmal mit dem Graffiti Künstler Daniel Franz Rappitsch.

00:00:22
Daniel Franz Rappitsch: Hallo.

00:00:23
Lisa-Marie Linhart: Hallo, Daniel.

00:00:24
Daniel Franz Rappitsch: Hallo.

00:00:24
Lisa-Marie Linhart: Schön, dass du heute Zeit hast.

00:00:26
Daniel Franz Rappitsch: Danke für die Einladung.

00:00:27
Lisa-Marie Linhart: Ich darf kurz erklären, warum es da so Hintergrundgeräusche gibt, ab und zu. Wir sitzen hier im beschaulichen, lieben, kleinen Ottensheim in Oberösterreich, in der Nähe von Linz, in einem ganz netten, kleinen Cafe. Und da rennt das Radio. Und hin und wieder werden Sachen serviert und das wird man ein bisschen hören. Aber wir haben uns gedacht, das ist so nette Atmosphäre da, darum treffen wir uns da und machen hier die Aufnahme.

00:00:53
Daniel Franz Rappitsch: Super.

00:00:54
Lisa-Marie Linhart: Genau. Ja, lieber Daniel, ich habe schon kurz gesagt, du bist Graffitikünstler. Wie wird man denn das?

00:01:02
Daniel Franz Rappitsch: Wie wird man das? Natürlich ein bisschen eine Liebe zur Kunst oder ein Faible für zur Kunst. Und natürlich – wir waren damals zu zweit mit 15, 16 und sind dann immer zu unseren großen Geschwister nach Wien gefahren. Und immer wenn wir da reingefahren sind, Richtung Wien, haben wir kurz vor dem Bahnhof diese riesen Wände gesehen, die da voll gesprüht waren mit Namen und Text und allem möglichen Zeug. Und da haben wir uns gedacht – wir Kärntner Landbuben haben uns gedacht: „Das machen wir auch!“, und haben angefangen nachzuzeichnen, abzuzeichnen, zu fotografieren. Und das dann quasi bei uns daheim in Kärnten, wieder am Anfang nur quasi als Zeichnung oder Malerei und dann immer mehr auf Kinderzimmerwände und im Keller und dann nimmt das halt alles so seinen Lauf. Genau. Und so – das ist jetzt 22 Jahre her – jetzt habe ich mich selbstständig damit gemacht.

00:02:03
Lisa-Marie Linhart: Genau da liegen aber, soweit ich weiß, noch ein paar Stationen dazwischen. Du hast ja doch einen sehr speziellen Werdegang.

00:02:11
Daniel Franz Rappitsch: Na ja, speziell, aber viele Stationen. Also, genau.

00:02:16
Lisa-Marie Linhart: Erzähl einmal, was war denn da so alles zwischen dem 15-jährigen Hobby-Sprayer und dem professionellen Graffiti-Künstler?

00:02:22
Daniel Franz Rappitsch: Also grundsätzlich ist ja mein Ausgangspunkt Konditor. Also das heißt, ich habe eine klassische Zuckerbäcker-Lehre gemacht. Das wollte ich eigentlich, seitdem ich sechs oder sieben Jahre alt war, also in der Volksschule war, bin ich immer in der Konditorei, wo ich dann gelernt habe, gewesen. Da hat meine Mutter mich jeden Samstag um fünf in der Früh dort hinführen müssen, damit ich in der Backstuben mithelfen kann. Weil mich das so fasziniert hat, dieses Arbeiten mit dem Süßen. Und das kreativ sein war schön, ja. Und genau. Mit 16 bin ich dann wirklich zum Chef gegangen und habe gesagt: „So, wie schaut’s aus? Ich möcht jetzt die Lehre anfangen.“, und er hat mich eingestellt. Hab dann quasi so diese dreieinhalb oder drei Jahre Konditor gelernt und bin dann zum Bundesheer nach der Lehre und dann nach Wien zu einer großen Cateringfirma. Das war so ein Event Catering und wir waren da viel unterwegs und das war ganz spannend und hab in der Zwischenzeit meine jetzige Frau kennengelernt. Die ist jetzt 18 Jahre her und bin durch das, das ich aus Oberösterreich bin, dann nach Linz gezogen. Habe dort dann auch als Patissier gearbeitet und dann wieder als klassischer Konditor bei der alteingesessenen Konditorei. Und die haben mir dann irgendwann, weil sie – wie soll ich sagen, Konkurs gegangen sind – haben sie mir keinen Lohn mehr zahlen können. Und dann hab ich mich ein bisschen umorientiert und auf die Schnelle hat es jetzt keinen Job gegeben in dem Bereich. Jetzt bin ich zu einer Leasingfirma und hab gesagt: „Gebt mir irgendeinen Job, ich geh in eine Wurst-Fabrik. Ist mir egal.“ – wäre auch spannend, einmal das zu sehen – Und ich bin dann in eine Pharmafirma gekommen, in die Pharmabranche als Hilfsarbeiter. Und die haben aber so gut gezahlt, dass ich dann dort geblieben bin und hab dort quasi eine Umschulung bekommen zum Chemiewerker. Die haben mich dann auch vom Leasingarbeiter quasi übernommen als fixen Mitarbeiter, und hab dann aber – da war ich 27 – nach vier Jahren habe ich gesagt: „So, irgendwie, das kann es jetzt nicht sein, dass ich da bleibe. Also das wär mir zu fad.“. Und meine Frau sagt irgendwann dann aber zu mir: „Du könntest ja Kunst studieren gehen.“. Weil ich habe natürlich nach wie vor gesprüht. Ich habe viel gemalen, viel gezeichnet und meine Frau hat dann gesagt: „Geh Kunst studieren, probiers aus.“ Und dann auf einmal hat sich da ein Fenster aufgemacht. Das war so unglaublich. Ich habe mich dann einfach sechs Jahre nur mit Kunst beschäftigt. Ich war einfach so in einem schrägen Leben drin und in diesem Mindset irgendwie, weil du bewegst dich nur mehr in dem Feld. Und während der Zeit ist meine Frau, die hat Juss studiert, für eine Zeil lang nach Südkorea gegangen und hat dort über die Wirtschaftskammer ein Praktikum, das war in der Botschaft eingebettet, in Seoul, Praktikum gemacht und ich habe mir dann gedacht; „Ich geh da mit. Also, das muss ich sehen.“ Und ich bin dann zu meinen Professoren auf der Uni und gesagt: „So, ich werde jetzt ein paar Monate weg.“ Die haben gesagt: „Mach! Das ist total super, das öffnet irgendwas Neues vielleicht. Mach das! Du musst nur irgendein Projekt am Ende des Tages bringen.“ Und genau, da haben wir viel gesehen und eine schöne Zeit gehabt und auch gemeinsam mit meiner Frau eine schöne Zeit gehabt. Und dann sind wir wieder zurück und dann hat eh alles wieder seinen Lauf genommen. Ich war wieder in dieser Kunstblasen drin und am Ende vom Studium bin ich dann noch ein Auslandssemester nach London gegangen und da habe ich für mich entschlossen; „Ich will jetzt nicht so ein klassischer Künstler werden, der so mit Galerien zusammenarbeitet.“ Also das hab ich vorher immer irgendwie gewollt, in diese Richtung zu gehen, habe aber sofort wieder den Wunsch abgelegt. Also ich habe da gesehen, wie die Künstler dort leben und wie die arbeiten und was sie tun müssen, damit sie weiterkommen. Und da habe ich mir gedacht; „Das ist nichts für mich. Ich bin kein Klinkenputzer.“ Ja, es ist schwierig. Ein schwieriger Markt und eine schwierige Szene. Ich war dann ein halbes Jahr, ein Semester, in einer Volksschule Nachmittagsbetreuer. Ich hab keine Ahnung gehabt, was ich da tue. Denen war es auch völlig wurscht. Die haben einfach wen gebraucht und ich hab halt einfach nur die Nachmittage da die Kinder bespaßt, hab mit ihnen Hausübung gemacht, hab ihnen Essen geben zu Mittag, aber war irgendwie prägend. Dann hab ich eigentlich zufällig mit einem ehemaligen Arbeitskollegen aus der Pharmafirma telefoniert und der sagt zu mir, was ich gerade tue und ob wir uns wieder einmal treffen und was ich eben arbeite. Und ich habe gesagt: „Ich bin jetzt eh wieder auf der Suche.“, und eine halbe, 3/4 Stunden später, ruft mich mein ehemaliger Chef an, der hat das weitererzählt in der Firma, und der Chef hat mich angerufen und gesagt „Ich hab gehört, du brauchst einen Job, du kannst auch zu uns kommen.“, und dann bin ich wieder zurück. Und ja, bin dann wieder in diese, das war dann schon Schichtarbeit, quasi, wieder. Und nach einem Jahr war ich dann Teamleiter und hab so Schicht gehabt. Früher hat mir Schichtmeister gesagt. Und wir haben dann Haus umgebaut, da hast du natürlich einen finanziellen Stress. Sind dann eingezogen. Das erste Kind ist dann gekommen! Eine Tochter und dann haben wir gesagt; irgendwie mit einem Schichtarbeiten, wenn du da dauernd fünf Nachtschichten hintereinander hast, bist du nie daheim. Du bist da auch wirklich nicht da, irgendwie, wenn du über den Tag schläfst und in der Nacht bist du weg. Also das ist irgendwie kein Familienleben. Dann ist das zweite Kind unterwegs gewesen und dann habe ich gesagt: „Aus! Jetzt tue ich nicht mehr schichteln, das mag ich jetzt nicht mehr!“ Und dann habe ich mich bei einer großen Brillenfirma beworben als, die haben einen Farb-Designer gesucht. Ich habe keine Ahnung gehabt, was ein Farb-Designer tut. Ich habe mich beworben, weil ich es so spannend gefunden habe. Und das wär natürlich super gewesen. Ja, aber leider ist dann, also im Februar habe ich den Vertrag unterschrieben, hab gekündigt in der Pharma.

00:08:07
Lisa-Marie Linhart: 2020, sollte man vielleicht dazu sagen.

00:08:09
Daniel Franz Rappitsch: 2020. Und am, weiß ich nicht, irgendwann so Mitte, 14., 15., 16. März, ist Corona gekommen. Und diese Brillenfirma hat dann gesagt: „Naja, wir werden das jetzt verschieben, weil in einem Monat ist Corona eh wieder vorbei.“ Dem war dann leider nicht so, am Ende des Tages. Wir haben das drei mal verschoben, bis die Firma dann gesagt hat: „Das geht sich für uns wirtschaftlich einfach nicht aus.“, und da habe ich gesagt: „Gut, kann man nichts machen.“ Und ich bin jetzt nicht der Typ, der dann den Kopf in den Sand steckt, sonder ich schaue halt, dass ich mich dann irgendwie selber wieder rausziehe und gar nicht in so ein Rad hinein komme und habe mir dann überlegt „Was kann ich? Was würde ich gerne machen?“ Dann habe ich gesagt „Ja, warum nicht Graffiti Team Events?“ Weil ich war auf so vielen Team Events dann, in der Pharma, da habe ich mir jedes Mal gedacht: „Das ist so ein Sch***, ja, ganz salopp gesagt, weil du bist zwei Tage wieder zurück in der Firma, dieser ganze Teamspirit ist weggeflogen, alle gehen im Trott nach, sind wieder angefressen wegen allem, wegen jeder Entscheidung, die der Vorgesetzte getroffen hat, das ist ein Tag Fun oder zwei Stunden und dann ist es weg und die Erinnerung bleibt ja, aber mehr nicht. Und dann habe ich mir gedacht, eigentlich müsste das mehr gehen. Und gerade mit Kunst kann man ja was Bleibendes machen oder hinterlassen. Und da habe ich mir gedacht, warum nicht mit Graffiti? Das ist so was… Ich habe immer wieder Workshops gehabt in die ganzen Jahre mit Jugendlichen, aber auch Erwachsene sind oft dabei, und ich habe immer gemerkt, denen daugt das so. Das ist so was Spezielles und das machst du eigentlich nie, wenn du nicht jemanden hast, der das jetzt dir zeigt oder du selbst das wüsstest. Und so habe ich mir gedacht, versuche ich das. Ich glaube es haben sich zu der Zeit echt viele gedacht: „Was ist mit ihm? Zum Teufel, was ist mit ihm? Während Corona, während einer Pandemie, eine Firma zu gründen, die sich auf Team Events spezialisiert? Macht keinen Sinn, im ersten Moment. Und gerade, wenn man sich selbstständig machen will, dann brauchst du jemanden, der dich dabei unterstützt. Und wenn du deinen Partner nicht auf deiner Seite hast, dann funktioniert das nicht. Du verbringst damit auch viel mehr Zeit. Also ich habe noch nie in meinem Leben so viel gearbeitet wie die letzten zwei Jahren. Und meine Frau war sofort Feuer und Flamme dafür. Und wenn das ist, dann hast du so einen – wie soll ich sagen – so einen Rückhalt, dass du das durchziehst. Und ich war so von der Idee überzeugt, dass ich gesagt hab: „Wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich es nicht wissen. Und was habe ich zum Verlieren? Ich bin sowieso arbeitslos. Ich versuchs einfach!“ Und mit 01.01.2021 war ich dann selbstständig. Und dann habe ich halt quasi klassische Akquise gemacht, Firma angerufen, gesagt „Ich bin der an der, ich mach das und das“, und mittlerweile läuft die Bude!

00:10:56
Lisa-Marie Linhart: Ja, wenn man die ein bisschen verfolgt auf Instagram oder Facebook: Du bist ja nur unterwegs, hat man das Gefühl. So, jetzt ist uns da gerade kurz ein kleines Malheur passiert, nämlich unsere Batterien sind ausgegangen oder meine Batterien sind ausgegangen. Aber die wirklich freundliche Dame vom Cafe Casa Grande in Ottensheim mit Blick auf die Donau hat uns neue Batterien gebracht und deswegen können wir jetzt weiter aufnehmen. Also große Empfehlung für alle, die einmal nach Ottensheim kommen, geht’s ins Cafe Casa Grande.

00:11:31
Daniel Franz Rappitsch: Das Cafe an der Donau.

00:11:35
Lisa-Marie Linhart: Super! Ja, Daniel, wenn man dir so zuhört, da schwingt schon so ein bisserl ein Grund-Credo raus, finde ich. Also dieses offen sein für Neues und immer wieder etwas Neues ausprobieren. Ist das die Lektion deines Lebens? Oder was war für dich bisher die Lektion deines Lebens?

00:11:56
Daniel Franz Rappitsch: Also ich glaube, es hat viele, viele Lektionen gegeben. Aber die Lektion, die ich jetzt durch das Selbstständig-machen oder -werden gelernt habe, war einfach das: Du hast irgendwie eine Idee, ein Bauchgefühl dazu. Viele Gegenstimmen natürlich, die sagen: „Wah, ich weiß nicht, ob das funktioniert.“ und blabla, aber wenn du an dem dran bleibst und dir selber treu bleibst und das tust, nicht was du willst, aber wo du überzeugt davon bist, dass das funktioniert. Ich glaub das ist schon eine große Lektion, dass das dann funktioniert. Und wenn es nicht funktioniert, kannst du dir nie vorwerfen, dass du es nicht probiert hast. Also ich glaube, das ist schon so eine Lektion, die ich gelernt habe: Probiere es einfach aus. Und wenn du einmal – wie sagt man – auf die Schnauze fällst, dann ist es so, aber da passiert nichts. Das ist, wie wenn jemand zu dir sagt: „Du, das ist ein Dead-Land. Es stirbt niemand, wenn du es nicht einhältst, es ist völlig wurscht.“ Also deswegen denke ich mir, wenn du es nicht ausprobiert, dann wirst du es nie wissen, ob es funktioniert. Und das ist, glaube ich, schon eine große Lektion, dass du oft nicht immer die Vernunft – Haben wir was vorher geredet, nicht? – Dass nicht immer die Vernunft das Wichtigste ist, sondern auch einfach das Gefühl und man weiß ja, was man kann. Und das ist halt ein großes Plus von mir, dass ich mit den Leuten kann. Das heißt, ich kann das vielleicht ganz gut. Das ist glaube ich schon ein Vorteil, dass ich mich auf die Leute einstellen kann. Das heißt, ich kann mit dem CEO von einer großen Firma genauso gut kommunizieren und quatschen wie mit dem kleinen Arbeiter, also „kleinen Arbeiter“, mit dem ganz normalen Arbeiter, der einfach Staplerfahrer in einer Firma ist. Und es ist mir völlig wurscht, ob der CEO oder Staplerfahrer ist. Für mich sind sie alle gleich und deswegen funktioniert es. Und ich bin da nicht dann der Angestellte, sondern ich bin nur der Graffiti-Typ. Also, ich darf auch dann einmal sagen, dass es vielleicht anders geht und dass es vielleicht keine Doktorarbeiten ist, sondern dass man Kunst macht und nicht immer alles so ernst nehmen braucht.

00:14:01
Lisa-Marie Linhart: Gerade für die CEOs wahrscheinlich oft auch sehr ungewohnt, wenn sie so was hören.

00:14:04
Daniel Franz Rappitsch: Ja, teilweise komplett schräg, aber es ist einfach so unglaublich cool. Ich lerne so viele tolle Leute kennen. Auch nicht so tolle Leute, aber 99% sind super cool. Und fallen da auch recht schnell rein, in dieses… Wenn sie einmal drin sind, dann ist die Skepsis ist immer riesig, weil die meisten wissen ja nicht, wenn sie zu einem Team Event kommen, was passiert, weil die Chefitäten oder die Organisatoren von den Events glauben dann immer: „Das dürfen wie niemandem sagen, das muss eine Überraschung sein.“ Und dann sind sie immer irgendwie so vor den Kopf gestoßen. Es ist teilweise echt so, wie wenn du den Leuten einfach so eine Schaltafel vor die Rübe gehaut hättest. Sie schauen mich so groß an und sagen „Was soll ich machen? Graffiti sprühen? Ich bin unkreativ. Was soll ich da machen?“ Und ich versuche – und genau das ist dann mein Job, dass ich versuche, dass man das irgendwie vermittelt, dass es völlig wurscht ist, ob man unkreativ ist oder kreativ ist. Ich arbeite da mit ganz vielen Hilfsmittel wie Schablonen und so, die dann meist auf die Firmen zugeschnitten sind oder Motive, was auch immer. Was der Kunde wünscht, quasi. Und somit kann man das immer irgendwie machen, dass alle kreativ sein können und ja, das funktioniert ganz gut. Also am Ende des Tages sind dann die meisten, also so 99%, sind super happy.

00:15:28
Lisa-Marie Linhart: Das glauben ja immer ganz, ganz viele Leute, dass sie nicht kreativ sind oder nicht zeichnen können. Ich übrigens auch, aber das war eine meiner kürzlich erworbenen Lektionen bei der Trainerausbildung, bei NEVEREST, im Übrigen. Ich habe immer geglaubt, ich kann überhaupt nicht zeichnen. Und dann konnte ich zeichnen! Strichmannderl – unglaublich! Da habe ich geglaubt, dass ich das nie schaff. Aber ich hab’s geschafft. Ja. Und das war für mich so eine ganz große Lektion: Wenn einem wer einmal wirklich zeigt, wie das geht, auch wenn man selber glaubt, man kann das nicht. Aber wenn man es mal gezeigt kriegt und auch die Möglichkeit bekommt, sich auszuprobieren, dann geht das.

00:16:03
Daniel Franz Rappitsch: Ja und da zu öffnen. Ich glaube, es kommt da dazu, dass man dann sagt „Okay, jetzt probiere ich es mal“. Weil was soll passieren? Es passiert nichts. Ich sag zu den Firmen immer, wenn die Leinwand am Ende, oder der Keilrahmen, der vielleicht gestaltet wird für die Büros, wenn der am Ende des Tages nicht so ausschaut, wie ihr das gern hättet oder ihr total unzufrieden seid, dann sprühen wir die ganze Leinwand weiß, weil jede Farbe deckt die andere quasi. Und dann fangen wir von vorne an, und das nimmt dann immer so ein bisschen den Druck und genau.

00:16:34
Lisa-Marie Linhart: Ja, ich glaub, das ist ja gerade in Teams dann oft auch schwierig, dass so ein gewisser Perfektionismus Anspruch da ist und Angst auch vor allem vom Fehlermachen, vom Scheitern.

00:16:44
Daniel Franz Rappitsch: Ja, und auch die Entscheidungen zu treffen, weil ich versuche natürlich immer, dass die Chefs in den Teams eher nicht so viel Einfluss nehmen in die Entscheidung. Weil die Entscheidungen sollen ja bei diesen Events im Kollektiv. erfolgen. Die sollen ja sich was überlegen – In der Malerei redet man immer von Komposition – Also, man tut da ja nicht einfach nur Farbe hinauf, man überlegt sich ja; „Wie könnte ich das so machen, dass es am Ende des Tages auch ästhetisch irgendwie in den Raum dann vielleicht passt oder einfach nur ein schönes Werk ist.“ Und da geht es dann schon darum; welche Farbwahl trifft man, dass nicht einfach irgendwie wahllos drauf los gesprüht wird und übereinander, sondern dass wirklich irgendwie einmal ein Farbkonzept fürs Bild getroffen wird. Die Farben stellt man sich hin und dann hat man schon einmal was und dann kann man schon mal anfangen. Und so arbeitet man sich heran und – that’s it!

00:17:40
Lisa-Marie Linhart: Ja, bei deiner Lektion, hast du gesagt, geht es ja eigentlich so ein bisschen um Selbstvertrauen und um das darauf zu hören, was man will und den Weg zu folgen, von dem man selbst überzeugt ist. Ich glaube aber, gerade dieses Selbstvertrauen haben eben, wenn es um künstlerische Sachen geht, wenige Menschen. Wie schaffst denn du das, dass du ihnen das Selbstvertrauen gibst, dass sie dann sich trauen, was zu sprühen oder was zu zeichnen?

00:18:07
Daniel Franz Rappitsch: Ja, das hat sich in den letzten zwei Jahren natürlich bei mir irgendwie so heraus kristallisiert, wie ich das schaffe. Am Anfang war oft war das für mich auch schwierig. Mittlerweile baue ich eigentlich immer so eine Wand auf, die als Übungswand fungiert.

00:18:25
Lisa-Marie Linhart: Also, keine metaphorische Wand, sondern eine tatsächliche Wand.

00:18:27
Daniel Franz Rappitsch: Es ist wirklich eine mobile Wand, die ich mit habe. Das sind einfach nur so Holztafeln, die ineinander gesteckt werden. Die kannst du bis zu 50 Meter aufbauen. Tue ich natürlich nicht, das sind immer so 5 bis 10 Meter, und da können sich die Leute einfach mal ausprobieren, einfach diese Dosen in die Hand nehmen, damit man nicht gleich beginnen muss – weil es ist ja für jeden Maler, wenn er in seinem Atelier sitzt und du hast eine weiße Leinwand vor dir, ist es für jeden Maler schwierig, einfach immer den ersten Strich zu machen. Weil wir so verkopft sind in unserem ganzen Dasein, sind wir nur verkopft und überlegen „Wie macht man es richtig?“ Und das braucht man da aber nicht, weil man es eben immer wieder übermalen können und weil man es zuerst ausprobieren kann. Das heißt, ich gebe den Leuten die Möglichkeit, dass sie es einfach ausprobieren. Zeig ihnen verschiedenen Skills mit diesen Dosen. Was kann man mit der Dosen machen? Verschiedene Aufsätze auszuprobieren und dann einfach durch das ein bisschen dieses Selbstvertrauen, für das, was wir da machen, zu kriegen und einfach auszuprobieren, wie sie zwei Farben übereinander tun können. Und du siehst du unteren nicht. Das heißt, ich sag ihnen: „Sprüh schwarz hin und mach’s weiß.“, und das funktioniert. Es ist dann weiß, du siehst das Schwarze nicht. Das heißt, das ist eigentlich so der – wie sagt man – der Schlüssel, dann ein bisschen, dass man ihnen sagt, „Sie brauchen kein Angst haben. Sie können es ausprobieren und Sie müssen das ausprobieren. Sie sollen das ausprobieren.“ Es ist ja eh jeden Tag in ihrem täglichen Brotjob, quasi, meist, sag ich einmal, so vielen Richtlinien und was weiß ich, diese internen Sachen so beschäftigt, wie sie es machen müssen, damit alle zufrieden sein. Und da muss es nicht so sein. Da darf man einfach mal über den Rand drüber raus sprühen und das ist völlig wurscht. Es passiert nichts. Genau.

00:20:11
Lisa-Marie Linhart: Genau, weil es bei deinen Team Events in erster Linie einfach um gemeinsam schöne Zeit haben geht, Spaß haben und etwas Kreatives schaffen.

00:20:18
Daniel Franz Rappitsch: Genau. Und wir brauchen keine super Slogans für uns zu finden und Schlagwörter. Das brauchen wir nicht. Wir produzieren am Ende des Tages eh ein Werk. Es kommt ein Werk raus, das sie mitnehmen in die Firma und wenn da die Chefitäten dann auch noch so weit sein, dass sie es aufhängen, dann ist es natürlich den Mitarbeitern gegenüber eine große Wertschätzung, dass man sagt, „Das habt ihr gemacht und wir hängen das bei uns auf.“, weil es hängt ja dann sichtbar da. Und ich habe jetzt schon von vielen Firmen gehört, wenn neue Leute kommen, die fragen dann „Wo ist das Bild, weil das haben WIR gemacht.“, also dieses WIR ist dann eigentlich ganz wichtig und die Erinnerung daran, dass man es gemeinsam gemacht hat.

00:20:59
Lisa-Marie Linhart: Genau, das ist dann dieses Nachhaltige, was dir bei deinen Team Events früher immer gefehlt hat.

00:21:04
Daniel Franz Rappitsch: Genau, und auch, dass man sich auf einer ganz anderen Ebene auftrifft, dass man nicht…, weiß ich nicht: Dass der Chef halt einfach einmal ganz locker wird und auch nur gleich sprüht, vielleicht sogar noch schlechter ist als ihr, dass man merkt; da sind diese Sachen wurscht, wer wo besser ist oder so. Es ist völlig wurscht! Sie sollen einen Spaß haben und ich schau immer, dass ein Spaß drin ist und dass nicht diese Ernsthaftigkeit überhand nimmt. Man muss oft einmal sagen: „Nehmt’s den Stecken aus dem A****, endlich“! Entschuldigung, dass ich das ist sage, aber es ist wirklich so. Also, eben, das ist ganz, ganz wichtig, dass man sich da ein bisschen öffnet und ja genau.

00:21:44
Lisa-Marie Linhart: Was war denn für dich bisher dein schönstes Erlebnis bei den Graffiti Team Events?

00:21:49
Daniel Franz Rappitsch: Du merkst so schnell, ob er Team funktioniert. Und wenn es nicht funktioniert, ob es dann nach zwei, drei Stunden Team Event vielleicht irgendwie besser funktioniert. Die Sachen gibt es auch, dass du merkst, am Anfang; das ist schwierig, das ist wirklich schwierig. Also da merkst du, es irgendwas im Team, das passt nicht. Und dann sprühen sie sich quasi die Sorgen weg und die Ängste und dann arbeiten sie gemeinsam und vielleicht am Ende des Tages, sind sie vielleicht am nächsten Tag in der Firma, vielleicht – weiß ich nicht – vielleicht ist es dann so ein bisschen einfacher, weil man sich einfach mal anders kennengelernt hat. Dass man nicht immer nur in seinem Job das macht. Und nicht: jeder hat so seine Profession, sondern: da ist jeder gleich an der Wand und jeder hat den gleichen Anzug an. Die sehen alle aus wie Corona Tester!

00:22:42
Lisa-Marie Linhart: Alle weiß gekitelt, von Kopt bis Fuß.

00:22:46
Daniel Franz Rappitsch: Ja, genau. Ich habe jetzt jemanden gehabt in Wien und die hat sich die Überzieh-Schuhe auf den Kopf aufgesetzt. Habe ich auch super gefunden. Sie wollte halt keinen Staub abkriegen. Diesen Sprühstaub wollte sie nicht in den Haaren haben, und das passt, finde ich cool! Kreativ, kreativ. Und die eine, die hat gesagt, sie ist nicht kreativ, der habe ich das gleich gesagt, dass sie schon kreativ ist, weil wenn sie die Idee hat, dass sie den Schuh-Überzieher auf den Kopf aufsetzt finde ich das schon kreativ. Weil das hat bis jetzt noch nie wer gemacht.

00:23:13
Lisa-Marie Linhart: Sehr sehr cool.

00:23:14
Daniel Franz Rappitsch: Also, ja.

00:23:15
Lisa-Marie Linhart: Ja, das heißt bei dir beginnen auch dann vielleicht schon so die ein oder anderen Teambuilding Prozesse. Das ist ja auch ziemlich cool. Und da möchte ich gleich ein bisschen Werbung machen für das Teambuilding bei NEVEREST. Das könnt ihr nämlich buchen, wenn ihr wollt, dass sich euer Team besser versteht. Vielleicht seid ihr gerade frisch zusammengewürfelt worden, habt einen neuen Chef oder neue Chefin oder es gibt irgendwelche Kommunikationsschwierigkeiten, da kann ein Teambuilding wirklich wunderbar helfen. Und die Teambuildings bei NEVEREST sind im Übrigen auch mit dem europäischen Trainingspreis prämiert. Also, das ist was gescheites. Und vielleicht gibt es dann am Abschluss ja noch ein cooles Teamevent mit Graffiti.

00:23:59
Daniel Franz Rappitsch: Ja, unbedingt.

00:24:00
Lisa-Marie Linhart: Zum Feiern des Erfolgs.

00:24:02
Daniel Franz Rappitsch: Absolut.

00:24:02
Lisa-Marie Linhart: Warum nicht? Ja, Daniel. Dann sag ich schon mal danke, vorerst, für deine Zeit.

00:24:08
Daniel Franz Rappitsch: Ja ich sag danke, dass ich da sein darf.

00:24:11
Lisa-Marie Linhart: Aber ich lass dich nicht gehen ohne einen kleinen Wordrap.

00:24:14
Daniel Franz Rappitsch: Ach, herrje. Gut.

00:24:14
Lisa-Marie Linhart: Ja, das machen wir jetzt noch. Dann starten wir los.

00:24:17
Daniel Franz Rappitsch: Ja, bitte.

00:24:18
Lisa-Marie Linhart: Ein weiser Mensch ist für mich… ?

00:24:23
Daniel Franz Rappitsch: Meine Frau. Die ist immer weise eigentlich. Also bei ihr siegt immer die Vernunft, bei mir immer die Lust. Und irgendwie, das macht es wahrscheinlich auch aus, dass wir schon so lange zusammen sein, dass es funktioniert. Aber sie ist immer sehr überlegt und ich glaub, mein ganzes Unternehmen würde nicht so funktionieren, wenn sie nicht wäre. Weil sie einfach dann der Part dahinter ist, der schaut, dass alles irgendwie so geordnet ist und nicht irgendwie ist.

00:24:52
Lisa-Marie Linhart: Einen schönen Gruß an deine Frau an dieser Stelle.

00:24:54
Daniel Franz Rappitsch: Ja, genau.

00:24:58
Lisa-Marie Linhart: Eine weise Frau wie mir grad gehört hat.

00:25:00
Daniel Franz Rappitsch: Ja, absolut, durch und durch.

00:25:02
Lisa-Marie Linhart: Super. In der Schule war ich … ?

00:25:07
Daniel Franz Rappitsch: Extrem nachlässig und extrem faul. Ja, mehr gibt es nicht zu sagen.

00:25:14
Lisa-Marie Linhart: Sehr gut. Andere können von mir lernen … ?

00:25:19
Daniel Franz Rappitsch: Vielleicht durch ein bisschen mehr Leichtigkeit durchs Leben gehen und nicht alles so ganz so ernst nehmen. Wir leben in einer Zeit, in der alles so ernst ist, und ja. Mehr Leichtigkeit wäre es!

00:25:33
Lisa-Marie Linhart: Ja, und das letzt: Meinem 14-jährigen-Ich würde ich sagen … ?

00:25:40
Daniel Franz Rappitsch: Geh raus und sprüh irgendwelche Züge an! Nein, ich weiß es nicht. Nein, Spaß! Jetzt ist ja die ÖVP Kunde und Rail Cargo Kunde. Das darf ich da so nicht sagen, aber ich weiß es nicht. Ja, genau, so schließt sich der Kreis. Ich würde es alles nochmal gleich machen. Vielleicht sogar noch bunter!

00:26:05
Outro: Noch mehr Impulse für die persönliche Weiterentwicklung findest du auch auf www.neverest.at !

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