Andreas Onea | Die Lektion deines Lebens
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Wenn ich aufgebe, bin ich der Einzige, der verliert #20

Über Andreas Onea

Andreas Onea ist ein österreichsicher Schwimmer im Behindertensport und Fernsehmoderator. Nach einem schweren Autounfall musste ihm als Kind der linke Arm amputiert werden. Daraufhin begann er 1999 während einer Rehabilitation mit dem Schwimmen. Bereits mit 12 Jahren war er zum ersten Mal Staatsmeister über 100 Meter Brust. Er gewann bereits fünf Mal Bronze und zwei Mal Silber bei Welt- und Europameisterschaften. 2012 gewann er bei den Staatsmeisterschaften der Nichtbehinderten das B-Finale über 200 Meter Brust.
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In unserem Podcast erfährst du mehr über seine Lektion des Lebens, was ihn motiviert und auch was ihn geprägt hat.

andreas onea schwimmer

Transkript der Episode

00:00:04
Intro: Die Lektion deines Lebens. Der NEVEREST Podcast, heute mit Lisa-Marie Linhart.

00:00:13
Lisa-Marie Linhart: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „Die Lektion deines Lebens“. Ja, heute haben wir einen Gast, der diese Lektion schon sehr früh im Leben lernen musste. Und was genau das war und warum ihn das so geprägt hat, das wird er uns heute selbst erzählen. Ich begrüße ganz herzlich Andreas Onea. Lieber Andreas, super, schön, dass du heute bei uns bist und dir die Zeit genommen hast.

00:00:40
Andreas Onea: Sehr, sehr gerne. Danke für die Einladung. Ich freue mich schon sehr.

00:00:42
Lisa-Marie Linhart: Ja, ich freue mich auch sehr. Und ich stell dich jetzt noch einmal ganz, ganz kurz vor, für alle die ich noch nicht kennen Du bist ein recht bekannter Sport-Moderator, bist in mehreren ORF Formaten dabei, da kennt man dich vielleicht schon. Du bist aber vor allem auch selbst sehr erfolgreicher Sportler im Schwimmsport. Und das hättest du dir vielleicht als Kind gar nicht unbedingt gedacht, denn deine Geschichte beginnt ja eigentlich sehr tragisch. Da hätte man nicht denken können, dass daraus einmal so ein großartiger Werdegang entsteht. Möchtest du uns davon erzählen?

00:01:18
Andreas Onea: Ja, sehr gerne. Spannend, dass ich in letzter Zeit immer öfter auf das Sport-Moderator-Sein angesprochen werde, mehr als auf das Schwimmer-Sein. Aber wie du gesagt hast, hat alles sehr tragisch angefangen, nämlich, dass ich im Alter von sechs Jahren einen Autounfall hatte, gemeinsam mit meinen Eltern. Meine Eltern stammen aus Rumänien, wir waren auf Familienbesuch dort und zehn Kilometer nach der rumänisch-ungarischen Grenze. Als wir einmal zurückgekommen sind, hat es angefangen, ganz, ganz stark zu regnen. Vor uns hat ein LKW Öl verloren, haben uns die Behörden erzählt. Und das hat dazu geführt, dass mein Vater die Kontrolle über den Wagen verloren hat. Der Wagen hat sich überschlagen, über den Gegenverkehr hinaus auf einem Feld, und während sich der Wagen überschlagen hat, hat es mich aus dem Auto hinausgeworfen. Ich hatte meinen linken Arm im Sicherheitsgurt eingewickelt und habe als ganz schlauer drauf angelehnt geschlafen. Das war super zum Schlafen. Das war aber nicht mehr so super, dass es mich hinaus gefetzt hat und der Gürtel natürlich das gemacht hat, was er machen muss, nämlich blockieren. Und das hat dazu geführt, dass er mir den Arm abgerissen hat. Ich mag jetzt niemandem den Tag versauen, egal wo ihr gerade seid und den Podcast höhrt. Aber ich erzähle das immer so detailliert, weil das einfach zeigt, dass es eigentlich keinen Grund mehr gäbe, dass ich heute überhaupt noch da bin. Und das hilft den Menschen, dass sie meine Dankbarkeit für das Leben vielleicht besser verstehen. Ich bin da wie gesagt durch die Luft geflogen, ungefähr 15, 20 Meter und dann im Straßengraben gelandet und hätte im Endeffekt auf der Stelle tot sein müssen. Und für mich ist ein absolutes Wunder, dass ich heute noch lebe. Ich danke Gott jeden Tag dafür. Ich hätte dort verbluten müssen, in diesem Straßengraben. Wenn man sich vorstellt, dass da ein 6-jähriger kleiner Bursche liegt mit einem nicht mehr funktionierenden Blutkreislauf, dann geht das ziemlich schnell, dass man dann unterkühlt oder eine Blutinfektion hat mit einer riesigen Wunde. Und all das ist, Gott sei Dank, nicht passiert. Und ja, es ist schön, dass ich da bin und es ist schön, dass im Endeffekt der Unfall und die Behinderung erst dazu geführt haben, dass ich das machen kann, was ich heute machen kann. Und deswegen freue ich mich sehr, dass sich all diese Dinge so ergeben habe.

00:03:13
Lisa-Marie Linhart: Du hast dann angefangen mit dem Schwimmen zu Therapie-Gründen, habe ich gelesen. Wie ist dann diese tolle Karriere daraus entstanden?

00:03:22
Andreas Onea: Also ich habe angefangen mit dem Sport, weil es einfach wahnsinnig wichtig ist, als kleines Kind mit einer Behinderung seinen neuen Körper, sag ich jetzt einmal, kennenzulernen und bewegen zu können. Und ich war am „Weißen Hof“ im Reha-Zentrum, immer so ungefähr drei Wochen für die nächsten Jahre, immer so auf Sommer-Reha. Und da war Teil der Rehabilitation und der Therapie einfach Sport und Bewegung. Ich war davor ein sehr aktives Kind, aber nicht unbedingt ein sportlich organisiertes Kind. Das heißt, ich habe zwar oft irgendwelche Dinge gemacht, aber nicht wirklich Sport betrieben und hab da zum ersten Mal Sport kennengelernt und verschiedenste Sportarten ausprobiert. Und irgendwie bin ich beim Schwimmen hängen geblieben. Ich war vor dem Unfall Nichtschwimmer. Das heißt, man hat sich da ins Wasser geworfen und es hat mir gefallen, dass ich dann abtauchen konnte und eine neu entdeckte Mobilität gewinnen konnte im Wasser. Das hat mich wahnsinnig fasziniert. Das Training nicht unbedingt. Irgendwann haben wir die anderen Sportarten weggelassen und ich bin nur noch beim Schwimmen geblieben. Ich kann mir nicht erklären, warum. Also wie gesagt, ich war jetzt nicht unbedingt der Begeisterte vom Training selbst, aber man hat Talente entdeckt in mir und hat mich dann mit neun Jahren einmal zu einem kleinen Wettkampf geschickt. Dort war ich Letzter, aber ich habe einen kleinen Pokal bekommen und da erinnere ich mich noch sehr gerne daran, weil das für mich so ein Zeichen der Wertschätzung war für das, was ich da mache und tue. Und das hat mich wahnsinnig motiviert, noch mehr Gas zu geben. Mit zwölf war ich dann Staatsmeister, das heißt, ich war der schnellste Österreicher und mit 16 hab ich mich für die Paralympics in Peking qualifiziert. Und irgendwie war ich dann plötzlich mittendrin in der Weltspitze. Und ab dann hat es angefangen, bei mir ein bisschen mehr Gedanken in Richtung Profisport auszulösen. Und ich habe mir gedacht, wenn ich mit zwei, dreimal die Woche planschen jetzt irgendwie Sechster der Welt bin, was wäre denn alles möglich, wenn ich mich wirklich intensivst wie ein Profi vorbereite? Und das war für mich dann die Entscheidung, dass ich Profi sein möchte.

00:05:13
Lisa-Marie Linhart: Und seither – ich weiß, du hast auch heute schon trainiert – seither bist du wirklich jeden Tag aktiv?

00:05:19
Andreas Onea: Ich habe dann, wie gesagt, den Beschluss getroffen, dass ich Profi sein möchte. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutet. Irgendwie bin ich dann draufgekommen: okay, das bedeutet sechs Tage die Woche, zweimal am Tag trainieren, in der Früh schwimmen, am Abend schwimmen. Und wenn es am Abend keine zweite Schwimmeinheit gibt, dann ein Krafttraining, ein Ausdauertraining, also wirklich den gesamten Tagesablauf um das Training herum zu planen, weil einfach der Para-Sport absoluter Spitzensport ist. Und wer nicht Vollgas gibt im Training, der hat keine Chance, dass er in der Weltspitze erfolgreich ist. Und deswegen war das enorm wichtig, dass ich da selber diesen Beschluss gefasst habe, dass ich da selber diese Entscheidung gefasst habe, um einfach Profisportler zu sein, damit ich genau diese Erfolg auch erzielen kann. Hätte ich diesen Entschluss nicht selber gefasst, wäre ich bei der ersten Niederlage sofort frustriert gewesen und hätte es sein lassen.

00:06:07
Lisa-Marie Linhart: Das klingt schon nach sehr vielen lehrreichen Lektionen, die du in deinem Leben erfahren hast. Rückblickend, welche würdest du denn sagen, war dann wirklich so „die Lektion deines Lebens“?

00:06:17
Andreas Onea: Ja, ganz bestimmt nicht aufzugeben. Als im Endeffekt alle gedacht haben: „Was wird jetzt aus diesem kleinen Burschen und der hat jetzt nur noch einen Arm? Und wie soll das ablaufen mit ihm?“, war es so, dass ich gemerkt habe, wenn ich aufgebe, bin ich der Einzige, der verliert, weil die Welt dreht sich weiter und alles andere ist allen wurscht. Und im Endeffekt zu wissen, dass es einfach Dinge gibt, auf die ich keinen Einfluss habe. Ein Unfall, Rahmenbedingungen. Was auf dieser Welt passiert, kann ich nicht beeinflussen. Ein Verlust, eine Krankheit sind alles Dinge, die nicht beeinflussen können. Was wir sehr wohl beeinflussen können ist: Was machen wir damit? Wie gehen wir damit um? Und aus meiner Situation war das Einzige, was ich beeinflussen konnte, mich nicht fertig zu machen, mich nicht in die Opferrolle zu begeben, sondern einfach, mutig und offensiv das Leben anzugehen, mir Ziele zu setzen, meine Träume zu erfüllen und hart dafür zu arbeiten. Das war wahrscheinlich die zweite Lektion. Es geht nichts ohne harte Arbeit. Von nichts kommt nichts. Wenn ich zwar einen Trainingsplan habe, wo drinsteht, dass ich sechs Mal die Woche, also sechs Tage die Woche, zweimal am Tag trainieren müsste und ich bleibe aber im Bett liegen, dann kann ich nicht erwarten, dass ich Weltmeister werde oder eine paralympische Medaille mache. Und somit war das enorm wichtig, dass ich das auch verstanden habe. Und eine dritte Lektion habe ich noch, die ich auch gelernt habe, ist, dass es wichtig ist zu wissen, warum man das macht, was man macht. Ich habe 2019 bei der Weltmeisterschaft einen Schwimmer aus Malaysia kennengelernt. Wir sind gegeneinander geschwommen und der ist nachher zu mir gekommen und war ganz begeistert von der Art und Weise, wie ich da geschwommen bin. Und ich habe mich natürlich geschmeichelt gefühlt, aber da waren sechs Typen schneller als ich. Ich hab gefragt, warum er jetzt von mir begeistert ist. Und er hat mir dann erzählt, dass der erste Schwimm-Wettkampf, den er jemals gesehen hat, das paralympische Finale bei den Paralympics in Peking 2008 war. Und er hat das gemeinsam mit seinem Vater geschaut und sein Vater hat damals zu ihm gesagt: „James, siehst du diesen jungen Mann aus Österreich? Dem fehlt genauso wie dir der linke Arm. Der ist nur ein paar Jahre älter als du. Und wenn der das kann, dann kannst du das auch.“ Und das war der Tag, an dem James beschlossen hat, dass er Para-Schwimmer werden möchte. Und elf Jahre später sind wir bei der Weltmeisterschaft gegeneinander geschwommen. Also, er hat mich nicht geschlagen, das wäre zu kitschig, sonst. Also, ich war noch schneller als er, aber es zeigt, wie wichtig es ist, dass man das, was man tut, mit Leidenschaft macht, weil die Menschen sehen das und das kann einen Impact haben auf das Leben von einem jungen Mann in Malaysia, wo ich nicht einmal daran gedacht habe, dass ich vielleicht jemanden inspirieren kann. Und deswegen sind das so ungefähr die Lektionen, die mir das Leben bisher gelehrt hat.

00:08:44
Lisa-Marie Linhart: War das ist auch mit ein Grund, warum du dann entschlossen hast, in die Öffentlichkeit zu gehen, wie gesagt, Moderator zu werden, oder ist dir das passiert?

00:08:52
Andreas Onea: Das Moderator-Sein, das ist im Endeffekt passiert. Ich habe schon früh verstanden, dass ich mit meiner Behinderung was bewegen kann, dass ich Menschen helfen kann, Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Dass ich das Bild von Menschen mit Behinderung verändern kann, indem ich zeigen kann, dass man sehr wohl auch mit einer Behinderung Leistung bringen kann. Dass man seine Träume erfüllen kann, dass man dann ein schönes, erfülltes, selbstständiges Leben haben kann. Selbstbestimmtes Leben. Und das mit dem Moderieren ist so passiert, dass ich bei einer Veranstaltung beobachtet wurde vom ORF Sportchef, als ich 19 war, da war ich bei der „Sportler des Jahres Ehrung“ in Niederösterreich. Ich bin, glaube ich, Dritter geworden, bei dem Paras. Und im Publikum ist der damalige und jetzige Sportchef gesessen. Und hat mich dann ein halbes Jahr später angerufen und gemeint: „Herr Onea, wir wollen gerade ein Behindertensport Format machen und ich kann mir gut vorstellen, dass Sie das moderieren.“ Und ich habe dann gefragt, ob es sich sicher ist, weil ich hab sowas noch nie gemacht. Er hat gemeint: „Na, probieren wir es mal und dann schauen wir.“, und im Endeffekt stand ich vor einer Entscheidung – wieder so eine Lebens Lektion – Was mache ich jetzt? Sage ich aus Angst: nein, weil möglicherweise verplapper ich mich. Oder was ist, wenn es niemandem gefällt? Was ist, wenn das niemand schaut? Was ist, wenn ich auf Sendung, keine Ahnung einen Blödsinn sage oder stolper? Oder ich lande bei maschek, was auch schon passiert ist. Es ist nicht so schlimm, es tut nicht ganz so weh, wenn man glaubt oder ich sage: ja und probiere was Neues, geh aus meiner Komfortzone heraus. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja etwas Schönes, das mir gefällt, das sich für mich als eine neue berufliche Möglichkeit auftut. Und genau das ist passiert. Ich habe nicht aus Angst Nein gesagt, sondern ich habe Ja gesagt. Wir haben den Piloten gedreht und mittlerweile sind wir seit zehn Jahren auf Sendung. Und daraus haben sich dann eben noch andere Formate ergeben, wo ich genau meine Mission erfüllen kann. Nämlich zeigen, dass es wurscht ist, dass mir ein Arm fehlt. Beim Moderieren muss die Goschen laufen, solange das halbwegs funktioniert und in einem guten Rhythmus funktioniert, ist es das. Und dieses Bild zu verändern. Und natürlich bringt die Moderation im Fernsehen auch Sichtbarkeit. Wenn man dann bei den Sportnachrichten dasteht mit einer Behinderung, zeigt man aber im Endeffekt, dass die Behinderung vollkommen egal ist. Es geht um den Sport und das ist das, was ich so schön finde an dem, was ich tue und an der Botschaft, die ich damit senden kann.

00:10:59
Lisa-Marie Linhart: Das finde ich auch ganz großartig, weil das halt wirklich echte Inklusion ist, wenn man dieses Wort benutzen möchte.

00:11:07
Andreas Onea: Richtig. Und genau das muss Inklusion sein. Jeder und jede mit seinen und ihren Fähigkeiten soll überall teilhaben können und nicht nur teilhaben können, also konsumieren können, sondern auch beitragen können. Also das ist, dass man auf allen Ebenen die Möglichkeit schafft, dass jeder dabei sein kann. Das ist Inklusion und das müssen wir schaffen.

00:11:27
Lisa-Marie Linhart: Auf welche deiner bisherigen Erfolge bist du denn besonders stolz?

00:11:32
Andreas Onea: Die Medaille bei den Paralympics 2016 in Rio ist einfach etwas ganz Besonderes. Also Paralympics sind nur alle vier Jahre, sind die Besten der Welt. Man hat einmal die Chance, dort eine Medaille zu holen. Ich bin auch schon ganz knapp daran vorbei geschwommen und als es dann in Rio geklappt hat mit einer nicht so tollen Leistung, aber das ist dann vollkommen wurscht. Die Medaille nimmt dir dann keiner mehr weg. Das war schon unglaublich. Und sonst die WM Medaille heuer? Die war auch was ganz besonderes, weil einfach das Jahr nicht so gut gelaufen ist, mit einer Corona Infektion, die sich hartnäckig in der Wettkampf Leistung irgendwie ausgewirkt hat. Obwohl ich im Training symptomfrei war und alles gut machen konnte. Aber im Wettkampf habe ich einfach nicht mehr meine Leistungen geschafft. Und als es dann bei der Weltmeisterschaft wieder aufgegangen ist und ich mit meinen knapp 30 Jahren dann dort wieder am Podium gestanden bin, das war schon etwas ganz Besonderes. Und ein weiterer schöner Erfolg war, dass ich 2012 bei der Meisterschaft der Nichtbehinderten, das heißt gegen Kollegen mit zwei Armen, das B-Finale gewonnen habe. Das heißt im A-Finale sind die schnellsten Acht und im B-Finale dann die nächsten Acht. Somit war ich neun-schnellster Österreicher bei der Staatsmeisterschaft der Nichtbehinderten. Und das hat mir schon gezeigt, dass harte Arbeit wirklich auch dazu führen kann, dass man Dinge erreichen kann, die andere vielleicht nicht so für möglich halten.

00:12:44
Lisa-Marie Linhart: Das ist wirklich eine wahnsinns beeindruckende Leistung. Ich wusste gar nicht, dass es solche Bewerbe gibt, wo Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam gegeneinander antreten können.

00:12:53
Andreas Onea: Ja gibt es sie auch nicht wirklich. Ich habe mich da eher sportlich hinein gekämpft. Ich habe immer wieder die Problematik gehabt, dass ich disqualifiziert wurde wegen einarmigen Anschlagens bei den Wettkämpfen der Nichtbehinderten. Natürlich steht im Regelbuch, dass man mit beiden Armen gleichzeitig beim Brustschwimmen anschlagen muss. Das kann ich nicht. Manche Schiedsrichter haben die Regeln sehr genau ausgelegt und haben mich halt deswegen disqualifiziert. Also es war schon ein leider langer Kampf der Inklusion, dass ich da auch wirklich starten durfte. Aber meine sportlichen Leistungen haben gezeigt, dass ich dort hingehöre und somit war ich da dabei. Und natürlich muss es das Ziel sein. Und die niederländischen Meisterschaften, die zeigen uns das vor, dass Paras und Nichtbehinderte gemeinsam auch die großen Wettkämpfe ausführen. Dann natürlich mit eigenen Wertungen überhaupt kein Problem, wenn man das dann auch so splittet. Aber, wenn dort die Besten sind, dann gehören auch die Besten der Paras hin und das muss das langfristige Ziel sein. Sind wir leider noch nicht, aber zumindest gibt es keine Diskussionen mehr, wenn ich irgendwo am Start sein möchte.

00:13:53
Lisa-Marie Linhart: Das ist schon ein super Erfolg von dir. Was sind denn jetzt deine nächsten Ziele? Was hast du ins Auge gefasst?

00:14:02
Andreas Onea: Ich habe ein Problem. Ich habe bisher noch nie was gewonnen. Ich bin immer nur Zweiter oder Dritter geworden. Das heißt, meine zwölf Medaillen auf internationaler Ebene sind entweder Silber oder Bronze. Und irgendwie fehlt die goldene natürlich. Also das Ziel ist es, dass ich es irgendwie schaffe, auch wenn die internationale Konkurrenz wahnsinnig groß ist, dass ich irgendwann mal bei irgendeinem Wettkampf ganz oben stehe. Ist mir auf Weltcup Ebene schon gelungen, aber WM, EM, Paralympics noch nicht. Und das möchte ich auf jeden Fall noch erreichen. Ich habe auf jeden Fall noch einige Jahre vor mir, in denen ich hart arbeiten möchte. Die Paralympics in Paris stehen ja schon vor der Tür 2024. Auch die Paralympics in Los Angeles 2028 sind nicht mehr so weit weg. Also, das geht alles ganz, ganz schnell. Und sonst möchte ich über meine Tätigkeit als Sportler, als Moderator natürlich auch als Speaker einfach genau das erreichen, was ich den Menschen klarmachen möchte: Dass sie es in der Hand haben, was sie aus den jeweiligen Lebenssituationen machen, wie sie auf das Leben blicken und ob sie sich unterkriegen lassen oder nicht. Und dass das sehr wohl auch einen Weg gibt, aus den aussichtslosen, tragischsten Ereignissen etwas Schönes zu machen. Und ich möchte da mit gutem Beispiel vorangehen. Und aus meinem Unfall mit meiner Behinderung ist etwas total Schönes entstanden, das ich nicht hergeben würde, das sie nicht umtauschen würde. Und ich glaube, dass man das auf das Leben von so gut wie jedem und jeder umlegen kann. Und da möchte ich einfach Mut machen und die Menschen bewegen, begeistern und inspirieren.

00:15:27
Lisa-Marie Linhart: Du strahlst unglaublich viel positive Energie aus und es ist total inspirierend, dir zuzuhören, finde ich. Gibt es auch Momente, in denen du nicht so gut drauf bist? Gibt es Schattenseiten deines Lebens?

00:15:41
Andreas Onea: Natürlich gibt es die. So wie jeder Mensch sie hat, habe ich die auch. Es kann schon mal passieren, dass ich eine Stunde am Beckenrand stehe, auf das Wasser starre und mir denke „Ich hasse das Training. Ich möchte heute nicht.“ Und genau in den Momenten ist so wichtig, dass man weiß, warum man das macht. Und sich dann sehr wohl wieder diszipliniert, motiviert und es trotzdem macht und nicht nach Hause geht und sagt „Heute interessiert es mich nicht.“ Aber natürlich kommen diese Momente auf. Natürlich kämpfe ich auch damit. Und natürlich gibt es die Momente der großen Niederlagen, wo man große Hoffnungen gehabt hat auf bestimmte Erfolge, auf bestimmte Ziele und dann entweder das Ziel nicht schafft, weil man die Leistung nicht abrufen konnte, oder man hat sein Bestes gegeben und es hat halt einfach nicht geklappt, weil drei andere Typen was dagegen hatten, man wird knapp Vierter. Und in den Momenten, sich nicht von den negativen Gedanken überkommen zu lassen, sondern einfach abhaken, weitermachen, den Fokus auf das richten, was man beeinflussen kann. Das ist das, was mir wahnsinnig viel Kraft gibt, auch in diesen schwierigen Momenten weiterzukommen. Und natürlich ist die Familie wahnsinnig großer Rückhalt. Meine Frau ist eine sehr große Unterstützerin von dem, was ich mache. Also das spielt natürlich eine große Rolle, dass auch das soziale Umfeld da unterstützend zur Seite steht.

00:16:59
Lisa-Marie Linhart: Ja, super. Ich habe jetzt noch einige Fragen für dich vorbereitet im „World Rap Stil“.

00:17:05
Andreas Onea: Okay, bin ich schon gespannt.

00:17:05
Lisa-Marie Linhart: Ja? Genau, du antwortest einfach ganz spontan, was dir in den Sinn kommt. Hast du ein Lieblingszitat?

00:17:12
Andreas Onea: Grenzen gibt es nur im Kopf mancher Menschen.

00:17:15
Lisa-Marie Linhart: Wie warst du denn in der Schule?

00:17:18
Andreas Onea: Ach, ich war sehr ehrgeizig, aber sehr faul. Und das ist oftmals eine spannende Kombination. Irgendwie habe ich es durch die Schule durch geschafft, mit einem gar nicht so schlechten Abschlusszeugnis. Aber ich habe Herausforderungen geliebt und habe es geliebt, immer neue Lösungen zu finden, gemeinsam mit anderen.

00:17:36
Lisa-Marie Linhart: Wenn du dir jetzt vorstellst, du könntest dein 14-jähriges Ich treffen, was würdest du diesem 14-jährigen Ich raten?

00:17:45
Andreas Onea: Früher anfangen, professionell zu trainieren, weil dann hätte ich mir jetzt ein bisschen Arbeit erspart. Also ich bin sicher viel zu spät auf dem höchsten Niveau eingestiegen und das habe ich dann bitter gemerkt und habe einiges nach trainieren müssen. Auf der Seite, auf der anderen Seite: Keep cool, ruhig bleiben, Natürlich, hart arbeiten, alles geben, aber sich nicht fertig machen lassen und nicht nervös werden in bestimmten Settings.

00:18:11
Lisa-Marie Linhart: Welcher Mensch hat dich bisher am meisten geprägt und warum?

00:18:17
Andreas Onea: Auf jeden Fall meine Eltern. Meiner Mutter verdanke ich mein Leben. Sie hat damals beim Unfall als Schwerverletzte, nicht wissend, ob sie den Tag überlebt, nur an uns Kinder gedacht, hat den Ersthelfern gesagt „Meine drei Kinder, wo sind meine drei Kinder? Leben, meine drei Kinder?“ Dadurch wussten die Ersthelfer, dass sie drei Kinder suchen müssen. Und dann bin ich erst gefunden worden, sonst hätte niemand nach mir gesucht und ich wäre heute nicht mehr hier. Und neben meiner Mama natürlich auch mein Papa, der nach dem Autounfall so viel Hoffnung ausgestrahlt hat, uns wahnsinnig viel Mut gegeben hat als Familie und dem es selber nicht gut gegangen ist mit dem ganzen Unfall. Eine Geschichte hat er mir erzählt – das ist keine kurze Antwort, aber – nach dem Unfall, als er aus dem Koma aufgewacht ist, da haben die Ärzte erzählt, was passiert ist und er hat dann angefangen zu weinen. Und ich bin dann zu ihm gegangen, gesagt „Papa, warum weinst du?“ Und er hat gesagt „Na, wie soll ich nicht weinen, schau, was passiert ist. Mama geht es nicht gut. Opa geht es nicht gut. Mir geht es nicht gut. Schau, du hast keinen Arm. Wie soll ich nicht weinen?“ Und hab damals dann als knapp 6-Jähriger gesagt „Papa, ich bekomme eine Puppen-Hand und alles wird gut.“ Und das war für ihn so der Moment, wo er entschlossen hat, dass er diese Zuversicht, die in mir gesehen hat, weiter jetzt auch ausstrahlen möchte, um für die Familie eine Stütze zu sein. Und das hat mich natürlich als Kind wahnsinnig geprägt, mit dieser Hoffnung, daheim aufzuwachsen.

00:19:35
Lisa-Marie Linhart: Was glaubst du, können andere von dir besonders gut lernen?

00:19:38
Andreas Onea: Ich hoffe, dass ich ein bisschen Mut und Zuversicht ausstrahlen kann und einfach, wenn man sich mit mir unterhalten hat, dass man vielleicht ein bisschen anders auf bestimmte Ereignisse im Leben zurückblickt und dann vielleicht ein bisschen positiver das Gespräch mit mir verlassen kann.

00:19:55
Lisa-Marie Linhart: Vielen, vielen Dank für deine Zeit und für das wirklich tolle Gespräch.

00:20:00
Andreas Onea: Sehr, sehr gerne.

00:20:00
Lisa-Marie Linhart: Ich muss sagen, bei mir hast du dein Ziel auf jeden Fall erreicht. Ich bin sehr inspiriert von dir und ich werde versuchen, auf große Herausforderungen des Lebens, die man nicht ändern kann, in Zukunft etwas anders zu blicken.

00:20:13
Andreas Onea: Freut mich. Dann habe ich meine Mission für den heutigen Tag erfolgreich abgeschlossen.

 

00:20:21
Outro: Was war deine wichtigste Lektion? Schreib uns an: lektion@neverest.at!

 

Dieses Transkript wurde automatisch erstellt.

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