Claudia Endrich | Die Lektion deines Lebens
Beitragsbild Podcast Claudia Endrich

Über Claudia Endrich

1991 in Vorarlberg geboren, hat in Wien Kommunikationswissenschaften und Romanistik studiert und lebt zurzeit in Innsbruck. Während ihrer Studienzeit verbrachte sie jeweils mehrere Monate in Frankreich, Afrika, Nord- und Südamerika. Sie arbeitet in den Bereichen Erwachsenenbildung, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit.

(Quelle: https://www.editionatelier.at/beteiligte/claudia-endrich/)
claudia endrich

Transkript der Episode

00:00:04
Intro: Die Lektion deines Lebens, der NEVEREST Podcast heute mit Michaela Stierschneider.

00:00:13
Michaela Stierschneider: Hallo liebe Claudia, danke für deine Zeit für uns, mit uns den Podcast aufzuzeichnen. Ich weiß, dass du gerade extrem viel zu tun hast. Du hast ein extreme erfolgreiches Buch geschrieben, engagierst dich in Innsbruck mit einer neuen Reperatur Plattform. Du arbeitest auch noch in einem normalen Beruf, hast gerade geheiratet. Wie schnell ist dein Leben gerade ?

00:00:35
Claudia Endrich: so wild finde ichs gar nicht. Das klang jetzt grad so sehr schnell, wie du es gesagt hast. Aber im Alltag ist bei mir genauso wie bei vielen anderen gerade sehr vieles von Lockdown und und und.

00:00:49
Claudia Endrich: Kontakt Reduzierung geprägt. Ich mach vieles von zuhause aus. Ich bin dann zwischendurch mal Radlnd unterwegs, was die Reparaturen betrifft. Quasi. Unsere Reparateuere sind auch im Homeoffice und ich liefer dann die Sachen hin und her.

00:01:06
Claudia Endrich: Ansonsten bin ich auch viel vrom Computer daheim und es passiert in einem angenehm schnellen Tempo, alles würde ich sagen. Nicht überfordert, aber angenehm schnell.

00:01:20
Michaela Stierschneider: Du warst dir immer schon ein sehr aktiver Mensch, wo viel los war, wo viel passiert ist, wo viel Veränderung passiert ist.

00:01:26
Michaela Stierschneider: Und da kommen wir auch schon zum Hauptthema deiner, der Geschichte des letzten Jahres für dich das Reisen. Erzähl uns mal deine Reise Geschichte.

00:01:36
Claudia Endrich: Gern. Vielleicht einleitend. Das ist etwas, was viele mit mir verbinden. Sie sagen, du warst schon an so vielen Orten und ich komme dann immer wieder an den Punkt, dass ich. Naja, einige waren’s. Aber ich glaube, ich kenne auch viele Leute, die schon an viel mehr Orten waren. Was für mich oder was bei mir vielleicht das Spezielle ist, dass ich an mehreren Orten länger gelebt habe.

00:02:02
Claudia Endrich: Also ich habe ein halbes Jahr auf einer französischen Insel im Indischen Ozean, die heißt La Réunion ist in der Nähe von Madagaskar gelebt. Dann hab ich mehrere Monate im Senegal, in Dakar gelebt, dann ein halbes Jahr in der kanadischen Hauptstadt in Ottawa und dann nochmal ein halbes Jahr in Lima, Peru. Das waren so meine größten Stationen und da ist natürlich immer ein bisschen Reisen im Umkreis davon passiert. So war ich in Summe viel unterwegs und hab halt auch vor allem verschiedene Reise Arten dadurch kennengelernt, verschiedene Arten, wo man eine Unterkunft findet, welche Fortbewegungsmittel man verwendet, wie, wie sehr man sich auf die Kultur einlässt, wie Nah man da irgendwie an den Menschen im Land ist. Und das ist das, was ich das bei mir viel gereist sein bedeutet.

00:02:58
Michaela Stierschneider: Das klingt nach einer großen Leidenschaft, das Reisen und das Reisen zu dir gehört. Jetzt hast du ein Buch geschrieben, das heißt, „Das nächste Mal bleib ich daheim“. Wie passt das jetzt zusammen?

00:03:14
Claudia Endrich: Das passt insofern zusammen, dass mir gerade durch das viel unterwegs ja natürlich irgendwann einfach die die Probleme und die Problematik dahinter aufgefallen sind und ich einfach nicht mehr vorbeigekommen bin und das wirklich bei mir. Das Buch ist entstanden zu einem Zeitpunkt, wo es wirklich bei mir diese Emotion ausgelöst hat. Dieses Bedürfnis, das jetzt wieder sein zu lassen, zumindest in eben manchen Ausformungen sein zu lassen. Und ich war 20 17 in einem extrem reiseintensiven Jahr.

00:03:50
Claudia Endrich: Da war waren die Etappen Kanada und Südamerika dabei und ich hatte wirklich einen einen Überdruss erreicht, wo es einfach nur noch nervig war, einerseits soviel die Koffer zu packen, so viel irgendwie zu organisieren. Wo sind meine Sachen, auf der Suche zu sein nach der Frage Wo bin ich zu Hause, wo habe ich ein stetige, ein stetes Umfeld und zu dem allem so als Sahnehäubchen auf dem Ganzen, das es irgendwie aber trotzdem auch zum wichtigsten Thema für mich geworden ist. Das Bewusstsein darüber, was es ökologisch bedeutet, soviel auf Reisen zu sein, so viele Flugmeilen zu sammeln. Das hat mich einfach extrem bewegt. Und ich habe versucht herauszufinden Okay, was für einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen wir wirklich mit dem Reisen und wie können wir das mit uns selbst vereinbaren? Oder wenn nicht, was ziehen wir daraus für Konsequenzen oder nicht? Das war für mich so ein großes Knäuel an Verwirrungen, denen ich einfach sehr intensiv nachgehen musste und deshalb ist ein Buch daraus entstanden.

00:04:58
Michaela Stierschneider: Ich kann mir das so schwer vorstellen. Du bist auf Reisen, gehst einer Leidenschaft nach. Und wie war der Moment? Wo war der Moment, wo du das plötzlich auch zugelassen hast, dir einzugestehen, dass das Leben so vielleicht nicht das ist, wie du es führen möchtest? Das muss ja auch viel Schmerzliches gewesen sein, oder?

00:05:18
Claudia Endrich: Ja, am Anfang war es noch gar nicht so schmerzlich, weil ich war, dass er in einer dieser radikalen Stimmungen, als es begann, wirklich ein Stück weit da, wo auch das Buch beginnt.

00:05:32
Claudia Endrich: In einem Gespräch mit einer guten Freundin, von der ich sehr viel ökologische Perspektiven gelernt habe und die mich aber mit ihren Flugmeilen überrundet hat und ich mir plötzlich dachte Was, was soll denn das? Das passt überhaupt nicht zusammen. Und zuerst einmal war da meine kämpferische Seite. Ich habe quasi diesen Schmerz eigentlich eher auf die anderen übertragen und nochmal ein bisschen um mich gehauen und wollte einfach mit allen drüber diskutieren, was das eigentlich soll, woher wir uns dieses Recht nehmen, so durch die Welt zu jetten und den Globus eben in unserer Westentasche zu tragen, ganz selbstverständlich. Und erst mit der Zeit bin ich dann natürlich dem näher gekommen. Und das ist so ein bisschen die Geschichte, die ich eben erzähl, dass ich ich bin sehr viel drauf gekommen, dass es für mich vor allem mit einem Schmerz verbunden ist, wenn ich in Ländern bin und Menschen begegne, die nicht unseren Lebensstandard haben und ich bemerkt habe, wie sehr es einerseits glorifiziert wird, wenn man viel reisen kann, viel von der Welt gesehen hat, wie sehr man gleich auf einen Podest gehoben wird dadurch und andererseits einfach diese schreiende Ungerechtigkeit, dass die einen für 19,90 eine andere Kultur und eine andere Stadt, eine andere Welt kennenlernen können und andere völlig davon abgeschnitten sind, auch nur im eigenen, immens großen Land. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten jemals zu sehen in ihrem Leben.

00:07:04
Claudia Endrich: Und das war, dass es, was für mich wirklich schmerzhaft war zu sehen. Okay, da ist so eine große Differenz da und wo ich mir einfach begonnen hab, die Frage zu stellen Okay, was davon brauche ich wirklich? Was davon kann ich auch weglassen, auch wenn ich das nicht automatisch lösen kann. Diese Ungerechtigkeit aber trotzdem, weil es mir ein Bedürfnis ist, mehr, mehr Verteilungsgerechtigkeit herzustellen.

00:07:29
Michaela Stierschneider: Und dafür hast du deine Lebensträume völlig auf Eis gelegt, oder? Also was war das oder was ist dir das wert? Diese Veränderung? Oder wie weit musst du da jetzt deine Leidenschaft zurückschrauben?

00:07:43
Claudia Endrich: Also.

00:07:46
Claudia Endrich: Meine Leidenschaft zurückschrauben? Ich weiß nicht. Meine Leidenschaft ist nicht per se viele Orte zu sehen, bin ich draufgekommen. Das habe ich selbst früher geglaubt, viel von der Welt zu sehen. Das begeistert mich. Und dann bin ich einfach draufgekommen. Und ich glaub, das ist das, was für viele auch ein Thema ist. Das wir mit dem Reisen halt ganz viele tolle Dinge verbinden und uns aber gar nicht wirklich fragen, welches Bedürfnis wir wirklich damit befriedigen. Und wenn ich draufkommen, was das Bedürfnis wirklich ist, dann komme ich drauf, welche Reisen sich für mich lohnen und welche nicht. Und ich bin eben draufgekommen. Für mich ist wichtig. Menschen richtig kennenzulernen, die eine andere Lebensrealität haben, die eine andere Kultur haben, da voll einzutauchen. Das hat mit mir auch viel mit Sprache zu tun. Weil ich Sprachen studiert habe und das für mich ganz essentiell ist, die Sprache vor Ort zu sprechen, zu lernen, auch darüber viel zu erfahren. Und ich bin draufgekommen, dass eben dieses rasche ortswechseln alle paar Tage in ein anderes Hostel. Andere Sehenswürdigkeiten oder auch einfach nur eine andere Stadt. Dass mir das viel zu schnell geht. Dass ich dann immer merke, dass ich etwas verpasse, weil eben ganz viel, was so die Alltagskultur oder das wirkliche Gefühl eines Landes, einer Bevölkerung nicht rauskommt in ein paar Tagen. Und dafür muss ich mir mehr Zeit nehmen. Und deshalb. Hab ich es insofern auf Eis gelegt, jetzt diese Leidenschaft, weil ich mir auch das nächste Mal, wenn ich sowas mache, mir wirklich Zeit nehmen will. Also ich tu mir ganz leicht, jetzt einmal wirklich daheim zu bleiben. Was bedeutet ja viel in Österreich und hin und wieder im Umkreis davon. Alles was ohne Flugzeug erreichbar ist und erst dann wieder wirklich einen anderen Kontinent aufzusuchen, wenn ich sage, Passt. Ich suche mir eine Gegend raus und wenn ich diese Sprache dort nicht kann, dann werde ich mich zuerst hinsetzen und einmal ein Grundvokabular und dem so viel von der Sprache zu lernen, dass ich dort dann auch wirklich mit den Menschen in Kontakt sein kann. Und dann nehme ich mir ein paar Monate und dann ist mir bewusst, dass ein Land nicht gleich ein Land ist, weil wir sind. Wir kommen aus Österreich und Österreich ist ein winziges Land, aber das vergessenen wir logischerweise auch immer wieder, dass das in der Relation, ein anderes Land zu bereisen, einfach so viel mehr Zeit braucht würde, als es braucht Österreich zu bereisen. Und deshalb brauche ich einfach, wenn ich in ein großes Land kennenlernen will, sehr, sehr viel Zeit. Oder ich suche mir wirklich eine Region raus, weil auch das wissen wir Österreich neun Regionen, die kulturell sehr verschieden sein können, auch sprachlich. In größeren Ländern ist das natürlich noch viel mehr der Fall. Und ja, ich finde es wichtig, sich da voll drauf einzulassen. Und so gesehen hab ich meine Leidenschaft nur genauer definiert, nicht auf Eis gelegt.

00:10:57
Michaela Stierschneider: Auch das spielt sehr schön. Das klingt alles nach extrem vielen Learnings. In ganz kurzer, komprimierter Zeit kannst du aus all den Learnings, die du hattest, eine oder die Lektion deines Lebens formulieren? Was das betrifft?

00:11:14
Claudia Endrich: Ich wusste natürlich, dass die Frage heute kommen wird und habe trotzdem mir schwergetan, vorab eine schon eine fixe Antwort darauf irgendwie sofort zu überlegen.

00:11:29
Claudia Endrich: Ja, es ist also ich glaube schon, dass es das sich Zeit nehmen in allen Dingen wirklich die große Lektion ist und dass man nicht, wenn man weniger macht, was verpasst, sondern im Gegenteil viel mehr davon mitnimmt. Das ist für mich die Lektion, die ich jetzt seither auch versuche, in allen Dingen im Leben mitzunehmen, was wieder lustig ist, weil du hast natürlich vorher erwähnt, was ich alles an verschiedenen Dingen mache.

00:12:03
Claudia Endrich: Gleichzeitig versuche ich dort überall ganz bewusst zufrieden zu sein mit dem, was was gerade kommt.

 

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