Mathias Bitsche | Die Lektion deines Lebens
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Über Mathias Bitsche

Mathias Bitsche geht einen mittlerweile ungewöhnlichen Weg. Er hat sich entschieden Pfarrer zu werden. 

Geboren und aufgewachsen ist er in Thüringen. Schon mit jungen Jahren kam Mathias als Ministrant mit der Kirche in Berührung. Nach seiner Matura trat er in das Priesterseminar ein. In Rom am Germanicum hat er Theologie studiert. Momentan ist er als Kaplan in Bludenz tätig.

Mathias Bitsche

Transkript der Episode

00:00:04
Intro: Die Lektion deines Lebens, der Neverest Podcast heute mit Michaela Stierschneider.

00:00:14
Michaela Stierschneider: Wir sitzen hier im Bludenz in der Remise, ganz in der Nähe einer kleinen Kirche. Mir gegenüber sitzt Mathias Bitsche, 30 Jahre alt. Erstmal herzlich willkommen, lieber Mathias. Es freut mich sehr, dass du die Zeit für uns nimmst. Du hast einen ganz besonderen Job und da hapert es mit der Kirche, die hier gleich in unserer Nähe ist, zu tun. Was ist denn dein Job?

00:00:35
Mathias Bitsche: Ich bin Kaplan hier in der Pfarre. Das heißt, wir betreuen zwei Priester miteinander. Zur Pfarrgemeinden von Bludenz gehören Bürs, Bings und Lorüns, also Orte drumherum. Wir betreuen zurzeit fünf Pfarrgemeinden und bin da mit den Menschen in verschiedener Art und Weise unterwegs.

00:00:53
Michaela Stierschneider: Dass ist jetzt auf den ersten Blick dann doch etwas Besonderes für einen jungen modernen Mann mit 30, sich dafür zu entscheiden, für die katholische Kirche zu arbeiten. Was hat dich dazu gebracht?

00:01:07
Mathias Bitsche: Gut, die Entscheidung ist ja nicht, dass mit 30 gefallen, sondern schon, sondern schon viel früher, weil viele Jahre Ausbildung hinter mir liegen. Der, also einen Ursprungs Gedanke ist so ein tiefes Gefühl, dass das mein Weg sein kann, dass das das ist, wo ich gut leben kann, wo ich mit Menschen unterwegs bin, wo ich was Sinnvolles mache, wo ich irgendwie Menschen mit einer sinnvollen Botschaft begegnen kann. Und da bin in Situationen, wo im Leben irgendwie was Besonderes passiert. Das ist sozusagen die Große, das Schönste bei mir. Wenn man so auf den Job schaut, also auf die Tätigkeit schaut. Ich bin immer dann an der Seite von Menschen, wo etwas Besonderes passiert, wenn die Kinder kriegen, die zu taufen sind, wenn ein Paar sich entscheidet zu heiraten. Wenn Menschen krank sind. Wenn es Richtung sterben geht und dann die Begleitung von Trauernden Begräbnisse feiern. Also die das, was diese Perspektive zu sagen. Wenn ich mit Menschen wirklich darin unterwegs sein will, wo etwas Wesentliches passiert, dann ist ein katholischer Priester, so exotisch wie das heute manchmal klingt, eine Aufgabe, die wirklich wahrscheinlich vielseitiger ist als die meisten anderen Jobs. Sagen wir es mal so. Ich sage immer, ich glaube, ich habe den vielseitigsten und spannendsten Beruf, den man sich vorstellen kann.

00:02:19
Michaela Stierschneider: Du hast eine Ausbildung ja an einem ganz besonderen Ort gemacht, im Zentrum der katholischen Kirche, im Vatikan. Wie war das?

00:02:32
Mathias Bitsche: Also ich habe in Rom studiert, in der Stadt, nicht direkt im Vatikan. Und ich sag auch ganz bewusst immer, Rom ist nicht das Zentrum, sondern die Zentrale, weil die.. Das Zentrum ist, da, wo Menschen ihren christlichen Glauben leben und dass das es an jedem Ort genau so zentral. Da ist das Zentrum der Kirche, wo Menschen miteinander unterwegs sind. Die Zentrale ist in Rom, wo sozusagen auch die Verwaltung sitzt, wo der Papst sitzt natürlich, wo von dem aus irgendwie ganz viele Dinge in der Kirche geregelt und zum Teil gesteuert werden. Das ist was Besonderes. Und vor allem deswegen, weil man in Rom wirklich die Weltkirche trifft, weil einem Menschen begegnen, junge Theologinnen und Theologen aus der ganzen Welt, die irgendwie zur Ausbildung da herkommen. Wir hören die Glocken von Bludenz..

00:03:19
Michaela Stierschneider: (Lacht) Extra für uns

00:03:20
Mathias Bitsche: (lacht) Extra für uns. Zu Mittag hören wir die Glocken von Bludenz. Also das schöne in Rom ist die Begegnung mit Menschen aus der ganzen Welt, junge Theologinnen und Theologen, die miteinander die Ausbildung machen und die sich dann aber auch wieder verteilen. Also ja, die Stadt hat natürlich eine große Geschichte, die ist schön. Wenn man 10 Meter weiter spaziert, steht man vor der nächsten Sehenswürdigkeit. Aber der wichtigere Teil für mich war die Begegnung mit diesen verschiedenen Leuten von überall her, weil man plötzlich draufkommt, dass die Sorgen der Kirche hier bei uns in Vorarlberg manchmal völlig andere sind, als die von Kollegen in Syrien, Brasilien und Venezuela. Also das zu entdecken, zu verstehen. Das macht einerseits sensibel für die eigenen Fragen und andererseits relativiert es auch ganz viel von dem, was bei uns vielleicht manchmal das große Ding ist. Wenn man draufkommt, dass das an anderen Orten der Welt überhaupt kein Thema ist, kann man sich da auch ein bisschen relativer nehmen und nicht so mega wichtig.

00:04:15
Michaela Stierschneider: Ich nehme mal an, du hast auch mal, wie jeder Mensch, gezweifelt an deiner Entscheidung. Was waren das für Momente? Was hat dich zweifeln lassen? Und was hat dich dazu bewegt, doch am Weg zu bleiben, auf diesem Weg zu bleiben?

00:04:33
Mathias Bitsche: Klar. Also wenn einer nicht zweifelt, macht da was falsch, glaube ich. Und zwar in verschiedenen Lebensformen, in den verschiedenen Situationen, beruflich, privat, was auch immer. Also ich glaube, dass das verzweifelnd das Wichtigste ist, um überhaupt irgendwie tiefgründig zu werden. Nur wer ganz oberflächlich ist, zweifelt nicht, weil natürlich, man stößt in der Kirche manchmal an Grenzen. Es gibt Situationen, wo irgendwie der Papst was gesagt hat oder irgendwelche Bischöfe Dinge tun, wo sie, wo die Kirche manchmal nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Wo ich drauf komme, das ist ein großes Dampfschiff, das man halt irgendwie nur ganz langsam bewegen kann. Das lässt manchmal zweifeln. Natürlich stellt sich manchmal die Frage, pass ich da wirklich rein. Ist das wirklich das, wofür ich Energie, Zeit, Herzblut investieren will? Das bringt dann die Grenzen und ja, dann wenn es eh schon ganz schwierig ist, dann kommt meistens noch dazu, dass irgendwie man sich verliebt oder sowas, dass man da plötzlich jemandem begegnet, wo man sich denkt, es gibt doch auch noch andere Lebensformen. Ah ja. Also das gehört dazu. Ich glaube, dass das in jeder Beziehung, in jeder, in jeder Familie auch so ist, dass man sich manchmal die Frage stellt oder auch manchmal die Frage stellen sollte: Wie sind wir denn eigentlich unterwegs? Ist das noch gut? Müssen wir was ändern? Der Zugang zu bleiben war, war zu sehen, wie vieles eigentlich Platz hat. Also wie vielseitig die Kirche ist und das da auch meine Ideen, mein Vogel, mein kreativer Kopf da Platz hat. Also ich weiß, dass es gut ist, Priester zu sein, wenn Menschen getröstet aus einem Begräbnis rausgehen und nicht, wenn der Papst etwas sagt, was mir gefällt.

00:06:15
Michaela Stierschneider: Matthias, du bist ein Denker. Du hast dir viele Gedanken gemacht über dich, über das Leben, über die Gesellschaft. Du hast eine, wie ich finde, für einen 30-Jährigen, eine wahnsinnig bewegte Geschichte auch. In Rom studiert. Überhaupt für die katholische Kirche als Beruf zu entscheiden. Du hast was zu sagen. Was würdest du sagen, ist heute mit deinen 30 Jahren bis jetzt die Lektion deines Lebens?

00:06:49
Mathias Bitsche: Das ist eine schwierige Frage, weil wie du sagst, es gibt irgendwie viele Lektionen und viele Momente. Eine der Lektionen der letzten Jahre, wenn man so auf die letzte Ausbildungsetappe schaut, ist das bei mir. Also ja, ich bin ein Denker. Aber das Leben in den letzten Jahren hat mich gelernt, dass aus dem Denker auch ein Fühler geworden ist, also dass Emotionen, Gefühle wahrzunehmen, meine eigenen und die bei den anderen, dass das manchmal noch wichtiger ist und manchmal noch irgendwie wesentlicher, als irgendwie gute Gedanken zu haben. Also dass das so der Martin Buber, ein Philosoph, der sagt, alles wirkliche Leben ist Begegnung. Und das ist so ein Satz, der mich sehr berührt hat, mit dem ich mich irgendwie intensiv beschäftigt habe. Und ich glaube, Begegnung passiert dann, wenn man sich nicht nur irgendwie Gedanken austauscht, sondern Begegnung passiert dann, wenn, wenn Gefühle entstehen. Also wenn man die, die Gefühle, das Fühlen des anderen irgendwie wahrnehmen kann, dann passiert wirkliches Leben. Und das ist in verschiedenen Situationen, in denen ich so tätig bin, in denen ich mit Menschen in Kontakt kommen. Das ist genau das. Also die Begegnung passiert da, wo ich die Freude der Eltern über ihr Kind irgendwie mit aufnehmen kann und in Worte fassen. Begegnung passiert da, wo ich in ein Haus kommen, die gerade irgendwie einen Menschen verloren haben, der ihnen wichtig war, der einen Teil des Lebens dieser Menschen, die da noch da sind, begleitet hat. Wenn ich da diese Gefühle irgendwie wahrnehmen, wahrnehmen kann, mit denen mit mitfühlen kann.

00:08:30
Michaela Stierschneider: Wunderschön. Mathias, vielen Dank für das Gespräch und für deine Lektion deines Lebens.

00:08:36
Mathias Bitsche: Sehr gerne mit großer Freude. Wir reden in 15 Jahren und schauen, ob es dann eine neue Lektion gibt. Ob sich die entwickelt hat!

00:08:42
Mathias Bitsche: Da bin ich mir sehr sicher.

00:08:48
Michaela Stierschneider: Was war deine wichtigste Lektion? Schreib uns an [email protected]!

 

(Dieses Transkript wurde automatisch erstellt.)

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