Platon - Die Idee des idealen Staats

Platon – Die Idee des idealen Staats

Kategorien: Wissensvermittlung & Beratung
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Wer in der Schule das Fach „Philosophie“ am Unterrichtsplan stehen hatte, hat den Namen „Platon“ mit Sicherheit nicht selten gehört. Aber um wen handelt es sich hier wirklich? Meist wird er als antiker griechischer Philosoph bezeichnet, für andere jedoch war er ein Politiker, Ökonom und laut Legenden vieler seiner Anhänger, soll er sogar der Sohn des Gottes Apollon gewesen sein. Wir entführen dich heute ein wenig in die Geschichte des antiken Griechenlands und erklären dir, was es mit Platon und seinen Ideen so auf sich hatte.

Wer war Platon?

Platon wurde wahrscheinlich 428 oder 427 vor Christus in Athen geboren. Sein eigentlicher Name war Aristokles, Platon (breit) wurde aufgrund von seiner Statur jedoch zu seinem Spitznamen. Ob diese Überlieferung stimmt, ist allerdings für viele Forscher unklar. Der Philosoph stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Athen. Sein Vater Ariston behauptete, ein Nachfahre des früheren Königs von Athen, Kodros, zu sein. Platons Mutter wiederum war weitschichtig mit dem Gesetzgeber Solon bekannt. Nach dem Tod seines Vaters heiratete Platons Mutter ihren Onkel Pyrilampes. Dieser war demokratisch gesinnt, während die Familie der Mutter aus vielen Politikern mit oligarchischer Haltung bestand.

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Der Philosph Platon

Laut Überlieferungen war Platon in seinen jungen Jahren begeistert von der Sportart „Ringen“ und gewann hier sogar zwei Mal die Isthmischen Spiele. Er entwickelte auch ein besonderes Interesse an Theaterstücken und so entstand sein Wunsch, Dramatiker zu werden. Da er damit jedoch keinen Erfolg erlangte, begann er mit 20 Jahren seine Karriere in der Politik. Dies war im antiken Griechenland eine übliche Vorgehensweise.

Der Philosoph wuchs während des Peloponnesischen Krieges auf. Als Athen von Sparta gestürzt wurde und die Herrschaft der dreißig Oligarchen begann, zu denen auch Verwandte von Platon zählten, bekam er die Einladung, am politischen Leben teilzunehmen. Abgeschreckt von dem Regime, das er als verbrecherisch betrachtete, lehnte er diese Einladung jedoch ab. Allerdings war er auch nicht mit der anderen politischen Richtung, der Attischen Demokratie, zufrieden.

Platon war Schüler des Lehrenden Sokrates. Dessen Denkweise beeinflusste ihn stark und so fand sich diese auch in seinen späteren Werken wieder. Als Sokrates jedoch 399 vor Christus wegen der Einführung neuer Götter und der Verführung der Jugend angeklagt und durch den Staat hingerichtet wurde, wendete sich Sokrates vollkommen von der Politik ab. Er sah dieses Urteil als Versagen des damaligen politischen Systems und sah keine Möglichkeit einer philosophisch vertretbaren Teilnahme an diesem.

Da das Urteil an Sokrates auch für den Schüler Platon Gefahr bedeutete, verließ er Athen und reiste nach Megara. Dort studierte er als Schüler von Euklid die Logik. Seine Reisen führten ihn danach nach Afrika und Ägypten. Später kam er auch nach Sizilien, wo er die Lehre von Pythagoras studierte. Er traf dort auf prominente Pythagoreer wie Archytas von Tarent oder Timaios von Lokroi. Von diesen erhoffte er sich, das mathematische Wissen zu erlernen.

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Der Philosoph Sokrates

Mit 40 Jahren reiste Platon nach Syrakus, wo der unberechenbare Tyrann Dionysios I. herrschte. Die Begegnung dieser zwei wurde in Überlieferungen oft sehr legendenhaft dargestellt. Diese sind jedoch von Forschern oft angezweifelt, da es sich bei der Begegnung des Philosophen mit einem Tyrann um ein äußerst beliebtes Motiv der Antike handelt. Laut Legenden soll der Philosoph nach der Begegnung mit Dionysios aus Zorn über dessen Verhalten und Freisinn von diesem als Sklave verkauft worden sein.

Nach der Freilassung oder einem Freikauf, konnte Platon nach Athen zurückkehren, wo er ein wenig außerhalb der Stadt ein Grundstück kaufte und dieses zum Unterrichten nutzte. Er benannte seine Schule Akademia, nach dem Halbgott Akademos. Seine Lehre war philosophisch-wissenschaftlich und sollte interessierte Schülerinnen und Schüler zum Forschen anregen. Der Besuch dieser war kostenlos und sowohl für Männer als auch für Frauen zugänglich. Gemeinsam mit anderen Philosophen und Wissenschaftlern leitete er hier den Unterricht und gründete so die erste Philosophenschule in Griechenland.

Platon reiste, wenn auch sehr widerwillig, noch zwei weitere Male nach Sizilien. Bei seiner zweiten Reise sollte er den Sohn des verstorbenen damaligen Tyranns dazu bewegen, sein Staatswesen nach den philosophischen Richtlinien zu führen. Dies wollte er mit seinem Freund Dion, der am Hof von Dionysios II. arbeitete, erreichen. Die Mission schlug jedoch fehl und er reiste zurück nach Athen. Dion griff während Auseinandersetzungen zu konspirativen Mitteln, weswegen er aus Sizilien verbannt wurde.

Einige Jahre später wurde der Philosoph erneut gedrängt, seine dritte Reise nach Sizilien anzutreten, in der Hoffnung, dass dieser einen positiven Einfluss auf Dionysios haben würde. Außerdem hoffte er, so auch Begnadigung für seinen Freund Dion bewirken zu können. Dionysios wollte sich jedoch nicht in eine philosophische Lehre bei Platon begeben und behauptete, das philosophische Leben bereits zu verstehen. Auch die Begnadigung Dions wurde nicht eingehalten.

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Dions Anhänger sprachen sich nun für einen Sturz des Tyrannen aus. Da Platon ein Freund von Dion war und sich außerdem auch gegen Tyrannei stellte, wurde er des Hochverrats verdächtigt. Ein Freund konnte ihm hier das Leben retten und ermöglichte ihm die Heimkehr nach Athen. Dion versuchte später gemeinsam mit anderen Schülern von Platon Dionysios zu stürzen, was ihm auch gelang. Er versuchte die Verfassung umzugestalten, stieß hier jedoch auf starken Widerstand und wurde später ermordet.

Die Jahre vor seinem Tod lehrte Platon weiterhin an seiner Akademie und setzte sich auch mit der Forschung auseinander. Nach seinem Tod führte ein Neffe die Akademie weiter.

Platons Werke

Die Werke des Philosophen, die in der Antike bekannt waren, konnten bis auf eine Ausnahme erhalten werden. Gesamt sind 47 Titel bekannt, die Platon verfasst haben soll. Wobei hier allerdings immer wieder Werke auftauchen, die Platon zugeschrieben werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind diese allerdings unecht. Die meisten Werke von Platon sind in der Dialogform geschrieben. Dies war damals unüblich, da Schriften meisten als Lehrgedicht oder Traktate veröffentlicht wurden. Ausnahmen bilden bei Platons Werken hier die Briefe und die Apologie, welche nur vereinzelt dialogische Passagen enthält.

Frühe Dialoge

  • Charmides (Beschreibung der Besonnenheit)
  • Lysis (Gespräche über die Freundschaft)
  • Laches (Bedeutung der Tapferkeit)
  • Protagoras (Tugend ist Wissen und lehrbar)
  • Euthyphron (Betrachtungen des Wesens der Frömmigkeit)
  • Erstes Buch der Politeia (Beschreibung des idealen Staats)

Mittlere Dialoge

  • Gorgias (Ethische Fragen)
  • Menon (Das Wesen der Erkenntnis)
  • Apologia (Die Verteidigungsrede von Sokrates vor Gericht)
  • Kriton (Die Verteidigung von Sokrates über die Befolgung der staatlichen Gesetze)
  • Phaidon (Sokrates‘ Todesszene, Gespräch über die Theorie der Formen, des Wesens der Seele und der Frage der Unsterblichkeit)
  • Symposion (Gespräche über Schönheit und Liebe)
  • Die Politeia (Beschreibung des idealen Staats)

Spätere Dialoge

  • Theaitetos (Betrachtungen des Unterschieds zwischen Erkenntnis und Sinneswahrnehmung)
  • Parmenides (Kritische Betrachtung der Ideenlehre)
  • Sophistes (Betrachtungen der Ideenlehre)
  • Philebos (Gespräch über das Verhältnis von der Lust und dem Guten)
  • Timaios (Anschauungen zu Naturwissenschaft und Kosmologie)
  • Nomoi (Analyse von politischen und sozialen Fragen)

Was zeichnet die Dialogform aus?

Die Dialogform unterscheidet sich von anderen Schriftformen in folgenden Punkten:

  • Die Leser werden durch die künstlerische Ausführung angesprochen.
  • Ungeklärtes darf offen bleiben, Befreiung von der Erwartung von Vollständigkeit.
  • Der Leser darf sich selber sein Urteil bilden, während der Autor zu seinen Thesen keine Stellung nimmt.
  • Das aktive Mitdenken wird angeregt, da der Prozess der Erkenntnisgewinnung abgebildet wird.

In Dialogen sind Ort und Zeit meist genau angeführt. So kann ein konkretes Umfeld und Realitätsbezug erzeugt werden, wodurch das Gefühl von Authentizität entsteht. Dieses täuscht jedoch, da es sich bei den Dialogen um fiktive Erzählungen handelt. Platon stellt Sokrates oft in das Zentrum seiner Dialoge und lässt ihn den Gesprächsverlauf durch Impulse, Erkenntnisse oder Einsichten bestimmen.

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Bei den anderen Figuren handelt es sich in den ersten Dialogen oft um Personen, die eine Verbindung zum diskutierten Thema haben, also Priester, Staatsmänner, Erzieher etc. Später erst haben die Figuren oft spezifischen philosophischen Hintergrund. In einem Dialog kommen meist zwei bis vier Personen vor. Sokrates, der den Mittelpunkt abbildet, wendet sich diesen nach der Reihe zu und führt mit diesen Gesprächen, bis sie zur Erkenntnis kommen. Diese Übereinstimmung der Gesprächspartner ist immer das Ziel der Dialoge. Manche der Dialoge enden jedoch trotzdem mit einer ausweglosen Argumentation.

Platons Ideenlehre

Die Ideenlehre wird oft als die Trennlinie zwischen der Lehre von Sokrates und Platon gesehen. Diese bildet die Basis für die verfassten Schriften. Platon beschäftigte sich viel mit ethischen Tugenden wie der Gerechtigkeit, Tapferkeit oder „dem Guten“. Er verblieb hier jedoch immer unzufrieden, da er die Definitionen als zu allgemein oder zu eng gefasst ansah. Daraufhin beschäftigte er sich in seinen späteren Dialogen mit dem Wesen der Tugend, ohne sich hier auf Definitionen zu beschränken.

Während seiner Forschung entwickelte er die Ideenlehre, die aufgrund der Unterschiede der „ewigen Wahrheit“ bzw. der Ideenwelt und der für den Mensch sichtbaren Welt, der Sinneswelt, entstand. Er erschuf die 2-Welten-Idee, in der die Welt in zwei Teile geteilt wird: die Sinneswelt und die Ideenwelt. Die Sinneswelt besteht aus allem, was mit Sinnesorganen wahrgenommen werden kann. Platon ging davon aus, dass die Welt, wie sie mit Sinnen wahrgenommen wird, einer anderen Welt nachgeordnet ist, welche nicht mit den eigenen Sinnen wahrgenommen werden kann, sondern nur als Idee.

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Laut dem Philosophen handelt es sich bei der Idee um das wahre Sein, während das Sein, welches wir wahrnehmen können, unvollkommen ist. Betrachtet man hier das Beispiel der Gerechtigkeit ist die Idee dieser das wahre Sein, das frei von ungerechten Aspekten der physischen Welt ist. Die Ideenwelt besteht also aus der nicht sichtbaren Vorstellung des Vollkommenen. Die Idee des Schönen würde hier das Freisein von allen unschönen Anteilen bedeuten.

Die Seele ist an ihren Körper gefesselt und mit ihm verwachsen, gezwungen die Wirklichkeit durch den eigenen Körper zu sehen wie durch Gitterstäbe, anstatt durch ihre eigene ungehinderte Sicht.

– Platon

Der Mensch besitzt noch die Fähigkeit, sich an seinen einstigen Aufenthalt im Reich der Ideen zu erinnern, meint Platon. Darum kann auch jedes unvollkommene Abbild noch beim richtigen Namen genannt werden. Ein einfaches Beispiel wäre hier ein Tisch. Egal aus welchem Material angefertigt, erkennt der Mensch ihn doch immer als Tisch, da er die vollkommene Idee des einstigen Tisches immer noch in Erinnerung hat. Außerdem wird dieser nur als real erkannt, da er Ähnlichkeiten mit dem Tisch in der Ideenwelt aufweist. Real ist aber eigentlich nur dieser, den wir nicht mit den Sinnen wahrnehmen können. Natürlich arbeitete Platon hier mit philosophischeren Beispielen als einem simplen Tisch. 😉

Platons Erkenntnistheorie

Dass die Möglichkeit besteht, Erkenntnis zu erlangen war für Platon schon als Schüler von Sokrates sicher. Erkenntnis war für ihn das wahrhaft Wirkliche und nicht das Scheinbare. Es ist also nicht möglich, Erkenntnis durch die bloße Sinneswelt zu erlangen, da diese nur wahrscheinlich, jedoch nicht sicher sind. Darum ist auch die Erkenntnistheorie eng mit der Ideenlehre verknüpft. Die Erkenntnistheorie ist Teil der „Politeia“ auf die wir später noch eingehen werden.

Platon unterscheidet zwei Stufen des Erkennens:

  • Die Meinung
  • Die Erkenntnis

Die physische Welt und darüber getätigte Aussagen sind demnach nur Meinungen, die allerdings nicht als Erkenntnis zählen. Die Erkenntnis wird durch Vernunft gestützt. Nur diese ermöglicht Einblicke in die Ideenwelt. Ein bekanntes Werk von Platon ist das Höhlengleichnis. In diesem vergleicht er das Dasein in der Sinneswelt mit einem Höhlenleben, in dem die Menschen nicht entfliehen können. Sie sind nicht bewegungsfähig, können nur nach vorne und nicht nach hinten oder einander betrachten. Das einzige was sie sehen können, sind Schatten, die an der Höhlenwand vorbeigetragen werden.

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Als jedoch ein Gefangener fliehen kann und das erste Mal den Sonnenschein zu Gesicht bekommt, erblickt er die wirkliche Welt. Er läuft zurück und erzählt den anderen, dass es sich bei dem Gesehenen nur um Schatten und nicht die reale Welt handelt. Um die wahre Welt zu sehen, müssen sie sich jedoch von ihren Fesseln befreien.

Politeia

Platons Wunsch, einen gerechten Idealstaat verwirklichen zu können, entwickelte sich schon bald nachdem er seine Arbeiten in der Politik begann. Die Ungerechtigkeit und Unvollkommenheit, die hier herrschte, veranlasste ihn dazu, seine eigene politische Theorie zu veröffentlichen. Diese nannte er Politeia. Nach dieser Idee sollte die Gesellschaft von Philosophen beherrscht werden. Die Gesellschaft wurde in drei Stände eingeteilt, die Herrscher, die Krieger und die Gewerbetreiber.

Jeder Stand hatte eine Aufgabe. Die Herrscher, bei denen es sich um Philosophen handelte, sollten das Land politisch leiten. Die Krieger sorgten für den Schutz der Gesellschaft und die Gewerbetreibenden waren für die Wirtschaftlichkeit zuständig. Außerdem kam jedem Stand eine besondere Tugend zu. Die Herrscher hatten als einzige Tugend die Weisheit, die Krieger die Tapferkeit und die Gewerbetreibenden die Mäßigung.

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Den Herrschern und den Kriegern war es verboten, eine Familie zu haben. Allerdings durften die Herrscher entscheiden, welche Personen auserwählt wurden und Nachwuchs zeugen zu dürfen. Dies sollte dazu führen, dass die Rasse in ihrer höchsten Form erhalten bleibt. Diese Vorgabe erinnert stark an ein totalitäres System. Die Kinder sollten streng von den Kriegern erzogen werden, um sie zu gehorsamen Staatsbürgern zu machen. Die Fähigkeiten und Begabungen der Kinder sollten dann entscheiden, welche Stellung diese später einnehmen konnten. Der Stand war also nicht abhängig von der Abstammung, sondern der Erziehung und der Fähigkeiten.

Die Schrift gliedert sich in zehn Bücher und ist wie die meisten seiner anderen Werke in der Form des Dialogs verfasst. Auch hier ist Sokrates die zentrale Figur. In der Politeia werden außerdem neben dem Höhlengleichnis auch das Sonnengleichnis und das Liniengleichnis veranschaulicht.

Wie du erkennen kannst, war Platon einer der einflussreichsten Denker der abendländischen Philosophie. Die Einflüsse von der Lehre Platons entfaltete noch über viele Jahrhunderte hinweg ihre Wirkung, bis in das 20. Jahrhundert. Du möchtest weitere spannende Artikel lesen? Dann schau doch bei unserem Blogartikel „Rhetoriker und Rhetorikerinnen der Geschichte – was wir von ihnen lernen können“ vorbei!

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