Rhetorik - So rückst Du Dich ins Rampenlicht | NEVEREST Blog
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Rhetorik-Tipps – So rückst Du Dich ins Rampenlicht

Noch durchgeschwitzter hätte mein Hemd nicht sein dürfen. Dann hätte man es bis zur letzten Reihe gesehen. Dafür war mein Mund umso trockener. Referat im Gymnasium, irgendein Geschichtsthema. Und ich mittendrin. Aber zum Glück haben die meisten weggeschaut und eh nicht zugehört. Nur bloß nichts anmerken lassen von der Nervosität. Augen zu und durch. Endlich der letzte Satz und endlich fertig! Geschafft. Nicht nur meine Präsentation, sondern auch ich selbst. Und es wäre wahrscheinlich heute noch so, wenn mir nicht ein Knopf aufgegangen wäre. Nein, nicht beim anfangs erwähnten, vor Schweiß triefenden Hemd. Sondern IN mir. Nämlich mit dem Wunsch nicht mehr auftreten zu MÜSSEN, sondern auftreten zu DÜRFEN. Der Anfang von etwas ganz Besonderem!

Erst Du, dann die anderen

Das allerwichtigste: Deine Bühne gestaltest nur Du. Ebenso Deinen Auftritt. Und natürlich auch Dein Mindset. Egal, wo Du stehst, wie viele Menschen Dir zuschauen, um welches Thema es geht oder was die Urzeit Dir sagt. Das bedeutet aber auch, dass Du nicht die anderen dafür verantwortlich machen kannst, ob sie Dir wohlwollend zuhören. Oder die Akustik im Raum passt. Oder, ob unvorhergesehenes geschieht, Du plötzlich einen „Hänger“ hast. Gut so! Du hast es in der Hand, und nur Du.

Die Top 5 Turbo-Schritte

Ich weiß, die Zeit drängt! Dein nächster Auftritt naht mit großen Schritten. Deshalb kurz und kompakt die fünf wichtigsten Rhetorik-Tipps für Deinen gelungenen Auftritt. Rhetorik im Schnelldurchgang. Effektiv und wirkungsvoll!

Rhetorik_Bühne_Präsentation_Lampenfieber

SCHRITT 1: Atme und plane

Basis für gelungene Kommunikation ist die richtige Atmung. Lege eine Hand auf Deinen Bauch, schließe die Augen und atme tief und bewusst in Richtung Bauchnabel. Nicht in die Brust, sondern zum Bauch. Das verleiht Dir (und Deinem Zwerchfell) die Kraft, dass Du später kräftig bei Stimme bist und nicht heiser wirst. Es entlastet Deine Stimmbänder. Und es gibt Dir die Ruhe, damit Du Dich auf Deinen Vortrag konzentrieren kannst. Mit Deiner Hand spürst Du, wie sich der Bauch ausdehnt und wieder zusammenzieht. Während Du weiter ruhig atmest, notiere Dir nur in Stichwörtern:

  • Was ist das Thema Deines Vortrages (eine Überschrift)?
  • Welche Themenbereiche willst Du anschneiden?
  • Wer genau ist Dein Publikum, wie „ticken“ diese Menschen?
  • Welche Geschichte rund um Dein Thema könnte Deine Zuhörer interessieren?
  • Was ist Dein Ziel für Deinen Vortrag?
  • Warum bist genau Du die/der Richtige für diesen Auftritt?

SCHRITT 2: Der Knall

„Guten Tag und willkommen, es wird heute noch sehr interessant werden“. Ach ja, und „schön, dass Sie so zahlreich erschienen sind“. Alles gut und schön. Aber: langweilig. Sehr langweilig sogar! Jeder Auftritt – und dazu zählt eben auch Dein Vortrag – muss mit einem Knall beginnen. Etwas, wo das Publikum gar nicht anders kann, als Dir zuzuhören. Ein solcher Knall findet sich bei JEDEM Thema. Bei wirklich jedem Thema. Auch das ist Bestandteil gelungener Rhetorik. Stelle eine provokante These auf, suche Dir eine spannende Zahl heraus, stelle dem Publikum eine Frage. Mache ein Geständnis. Erzähle eine Geschichte, werde zum Storyteller. Überrasche Deine Zuhörer. Mach sie neugierig. Anfang und Schluss müssen sitzen. Denn beides bleibt am stärksten hängen. Werde der Regisseur Deines Auftrittes und strukturiere Deinen Vortrag:

  • Knall zum Auftakt
  • Begrüßung: ein EHRLICH gemeintes Willkommen.
  • Deine Themen
  • Der Schlussknall

Setze Dich mit Deinem Publikum auseinander. Das haben sie sich verdient. Welchen Wissensstand haben sie, welche Sprache (und damit meine ich nicht Deutsch, Englisch usw.) sprechen sie und mit welchen Bildern des Alltags kannst Du sie zielgerecht abholen.

Und: bleib immer authentisch, sei Du. Spiele keine Rolle. Was Du Dir selbst nicht glaubst, glaubt Dir auch niemand anderer! Deine Zuhörer wollen etwas Echtes erleben und keine Fiktion.

SCHRITT 3: Mach Dich locker

Jetzt stehst wieder Du im Mittelpunkt. Rhetorik gelingt nur, wenn Du stimm- und sprechfit bist. Ich empfehle Dir diese Last-Minute-Übungen:

  • Der Tennisball
    Schließe Deinen Mund, stell Dir vor, Du hast einen Tennisball in Deiner Mundhöhle. Mit Deiner Zunge drehst Du den Ball in alle Richtungen. Nach rechts, links. Immer wieder. Dehne Dein Unterkiefer nach unten, damit alles schön Platz hat. Dein Mund bleibt dabei geschlossen.
  • Die Eisenbahn
    Steh auf, atme tief in den Bauch. Stell Dir vor, Du bist eine Dampflok. Beim Ausatmen gib den Ton einer Dampflok wieder: „sch(t)-schh-schhh-schht…“. Steigere nach und nach die Intensität.
  • Der gute Ton
    Atme tief in den Bauch. Denk an Dein Lieblingsgericht. Und jetzt ein herzhaftes „Mmmmmh“. Deine Stimmbänder schwingen dabei automatisch schön mit. Und werden richtig gepflegt. Nimm dir ruhig Zeit! Also immer wieder: „Mmmmm – mmmmh – mmmmmmmmh!“
  • Zungenbrecher, Zungenbrecher, Zungenbrecher
    Artikulation ist – neben einer kräftigen Stimme – der Schlüssel, um bis in die letzte Reihe verstanden zu werden. Nur so hältst Du die Aufmerksamkeit bis zum Schluss! Zungenbrecher helfen Dir dabei. Hier zwei Beispiele. Übe immer wieder stell Dir vor Du bist Sprecher/in im Fernsehen oder Radio. Es kann ruhig auch etwas übertrieben klingen.

„Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid.“

„Schmalspurbahnschienen sind schmäler als Breitspurbahnschienen, Breitspurbahnschienen sind breiter als Schmalspurbahnschienen.“

Noch mehr Zungenbrecher? Dann klick hier.

Apropos Sprache und Sprechen: schau immer darauf, dass Du nicht zu schnell sprichst. Lass Dir Zeit, lass Deine Worte wirken. Und vergiss nie die Kraft der Pausen!

SCHRITT 4: Dein strengster Zuseher

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Jetzt, wo Du Dein Zwerchfell, Deine Stimmbänder, Dein Kiefer und Deine Mundhöhle „aufgewärmt“ hast, geht´s ab zu Deinem strengsten Zuschauer: dem Spiegel. Wirf noch einmal einen Blick auf Dein Konzept: wie sieht´s aus mit dem „Knaller“ zum Beginn. Welche Stichwörter hast Du aufgeschrieben, die Du zum Thema machen willst. Und vergiss ihn nicht, den „Knaller“ für den Schluss. So, noch drei Mal tief in den Bauch atmen und los geht´s: Auftritt im Trockendock, vor Deinem strengsten Zusehen, vor Dir.

Wenn Du unzufrieden bist, starte noch einmal neu, bei Bedarf ein drittes oder ein viertes Mal. Dir wird unter anderem auffallen, dass manche Sätze sehr lang sind. Mach es einfach! Kürze die Sätze ab, stelle Dir vor, Du erzählst alles einem Freund oder einer Freundin am Telefon. Versuche, Fremdwörter zu vermeiden. Lange Hauptwörter lassen sich einfach in „leicht verdauliche“ Sätze zerlegen. Dadurch entstehen Bilder im Kopf Deiner Zuhörerinnen und Zuhörer. Beispiel gefällig?

„Der Anstieg bei unseren Beratungsgesprächen ist signifikant.“

Das klingt gleich viel dynamischer, wenn Du es vereinfachst. Beispielsweise so:

„Immer mehr Menschen lassen sich bei uns beraten“.

Eine der wichtigsten Regeln in der modernen Rhetorik lautet: Keep it short and simple!

Und vergiss nicht: Anfang und Ende Deines Auftritts sollen Dir auf keinen Fall passieren, sondern gut geplant sein. So bleibt Dein Vortrag wirklich bei allen hängen, dann bleibst Du im Gedächtnis.

SCHRITT 5: Hinein ins Rampenlicht!

Jetzt ist es soweit. Du hast Dich auf alles vorbereitet, Deinen Stimm- und Sprechapparat gelockert, einen spannenden Auftakt und einen knackigen Schluss parat. Du fragst Dich jetzt noch:

  • Was tun bei Lampenfieber? Einer meiner Top-Tipps: Tief atmen! Atme ein und zähle dabei für Dich innerlich bis sieben. Halt dann die Luft an und zähle wieder für dich bis sieben. Jetzt in demselben Tempo ausatmen. Zähle dabei für Dich ganz gemütlich bis sieben. Wenn Du diese Übung drei Mal machst, bist Du ganz bei Dir und Nervosität ist wie verfolgen.
  • Was tun bei trockenem Mund? Einer der effektivsten Tricks ist, dass Du mit Deinen Schneidezähnen ganz sanft in die Zungenspitze beißt. Ohne das es weht tut. 10 bis 15 Sekunden: wenn du es richtig machst, wirst Du ein kleines Wunder erleben!
  • Was tun mit meinen Händen? Wenn Du sprichst, dann kommuniziert alles in Dir. Zügle Dich nicht, lass Deine Hände ganz natürlich mitspielen. Sogenannte Moderationskärtchen können Dir helfen, Unsicherheiten auszugleichen. Studien gehen davon aus, dass unsere Körpersprache zu rund 55 Prozent darüber entscheidet, ob der Auftritt ankommt oder nicht.

Und zum Schluss noch eines, was jeden beruflichen Vielredner immer wieder auf den Boden bringt, wenn es auch noch so herausfordernd wird: was wir sagen wollten, was unserer Meinung nach in den Vortrag alles hineinkommen müsste, wissen nur wir. Und niemand wird Dir später vorhalten, dass Du es nicht gesagt hast. Oder anders als geplant. Also genieße es. Hinein ins Redevergnügen!

Du willst noch mehr zum Thema Präsentation, Rhetorik und Lampenfieber?

Dann schau doch bei unserem Blogartikel Lampenfieber – Mit diesen 10 Tipps wirst du es los! oder Präsentationstechnik – Wie überzeuge ich mit meiner Präsentation? vorbei!

Lampenfieber_Bühnenangst_Augen_Rhetorik
Präsentationstechnik_verbessern_Rhetorik

Außerdem könnte dich unsere Trainer Ausbildung interessieren. 😉 Hier geben wir dir alles mit, was du als Trainer bzw. Trainerin i. d. Erwachsenenbildung brauchst und legen unter anderem Fokus auf Präsentationstechnik & Rhetorik. Schau doch mal vorbei! Wir freuen uns auf dich!

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