Transaktionsanalyse nach Eric Berne - Sind alle "Ichs" und "Dus" ok?

Transaktionsanalyse nach Eric Berne – Sind alle „Ichs“ und „Dus“ ok?

Ich bin ok. Du bist ok. – So simpel diese Äußerung auch klingen mag, liegt sie doch Großem zugrunde. Es handelt sich dabei nämlich um die Ausgangssituation der Transaktionsanalyse (TA) nach Eric Berne. Der amerikanische Arzt und Psychologe ging davon aus, dass jeder Mensch bei seiner Geburt „ok“ ist. Weiters ist jeder Mensch mit psychischem Leiden als vollwertiger und vollständiger Mensch anzuerkennen und jeder Mensch hat die nötigen kognitiven und kommunikativen Fertigkeiten, die er braucht, um sein Leben selbstbestimmt zu führen und positiv zu gestalten.

Für Coaching, Pädagogik und allgemein Arbeit und Interaktion mit Menschen in professionellen sowie in privaten Settings ist dies eine immens wichtige Grundannahme, welche ein lösungsorientiertes Handeln überhaupt erst ermöglicht. In diesem Artikel erfährst du, was genau unter Transaktionsanalyse verstanden wird, wofür sie angewendet wird und worauf sie abzielt.

Was ist das Ziel der Transaktionsanalyse?

Bei der Transaktionsanalyse handelt es sich um eine psychologische Methode, bei welcher das Verhalten und die Kommunikation von Menschen analysiert werden. Die TA ermöglicht es Menschen, ihre Wahrnehmung zu ergründen, zu reflektieren und wenn nötig zu ändern. Dadurch kann menschliches Verhalten besser verstanden, vorhergesehen und auch verändert werden. Besonders gut eignet sich der Einsatz der TA daher zur Bearbeitung und Auflösung von diversen Konflikten. Was genau man sich unter Konflikten vorstellen kann und wie du dich in Konfliktsituationen allgemein am besten verhältst, kannst du auch im Artikel Konfliktmanagement – Was ist ein Konflikt und wie löse ich ihn? nachlesen.

Transaktionsanalyse_Konflikt lösen

Welche Ich Zustände gibt es?

Berne unterteilte das Verhalten des Menschen in drei sogenannte „Ich-Zustände“ bzw. „Ich-Positionen“: das „Eltern-Ich“, das „Kind-Ich“ und das „Erwachsenen-Ich“. Zwischen diesen wechselt der Mensch ständig hin und her. Wir sprechen hier also von einer Transaktion. Bei der Transaktionsanalyse, werden dieser Wechsel sowie das dabei geänderte Verhalten und die Kommunikation der Person genau unter die Lupe genommen.

  • Das Eltern-Ich: Von klein auf lernt und imitiert der Mensch seine Eltern bzw. das Verhalten von Vorbildern. Sie korrigieren, weisen zurecht, bemuttern und bevormunden.
  • Das Kind-Ich: Das Kind-Ich steht im Kontrast dazu. Herumalbern, trotzig sein, phantasievoll aber auch unsicher auf neue Situationen reagieren spricht für diesen Bereich.
  • Das Erwachsenen-Ich: Objektive, wohlüberlegte und respektvolle Kommunikation charakterisiert das Erwachsenen-Ich.

Eric Berne war davon überzeugt, dass jede menschliche Handlung einer dieser drei Kategorien zugeordnet werden kann. In der Kommunikation bietet die Transaktionsanalyse somit eine Verständnishilfe, das eigene aber auch das Kommunikationsverhalten anderer zu verstehen. Denn ist man sich sowohl der eigenen Zustands-Charakteristika und Transaktionsmuster als auch der des sozialen Umfelds bewusst, so kann man das eigene Verhalten sowie das der anderen besser einschätzen und auch bis zu einem gewissen Grad beeinflussen.

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Grundannahmen der Transaktionsanalyse

Als Basis der Transaktionsanalyse gelten neben den drei Ich-Positionen auch die vier Grundhaltungen, die Menschen in verschiedenen Situationen besetzen. Obwohl wir auch zwischen diesen Positionen kontextabhängig wechseln, wird angenommen, dass jeder Mensch von klein auf eine dieser vier Grundeinstellungen als Lebenseinstellung hat und somit die meiste Zeit des Lebens in dieser „Home-Base“ verbringt. Bin ich mir meiner Lebenseinstellung aber erst einmal bewusst, habe ich mehr Chancen, in manchen Situationen bewusst und gezielt in eine angemessenere Einstellung zu wechseln.

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„Ok-Positionen“ bzw. „Ok-Geviert“

Ich bin ok. Du bist ok. Eine Person in dieser Lebensgrundhaltung nimmt sich und andere positiv war. Lösungsorientiertes Handeln ist in dieser Position am wahrscheinlichsten, da sich der*die Betroffene bei Missständen eher auf die Umwelt und den eigenen Beitrag dazu fokussiert.

Ich bin ok. Du bist nicht ok. Bei dieser Grundhaltung nimmt man sich selbst als der Umwelt überlegen wahr und sucht vermeintliche Fehler meist zuerst in der Umwelt und bei den anderen. Der eigene Beitrag wird nicht hinterfragt. Da das Problem an der Umwelt liegen muss, ist die Lösungsorientierung hier eingeschränkt (Person sieht sich als machtlos).

Ich bin nicht ok. Du bist ok. Hier ist es genau umgekehrt: Die eigene Person wird abgewertet, die Umwelt ist für Missstände nicht verantwortlich. Die Lösungsorientierung ist auch hier stark eingeschränkt, die Person erlebt sich selbst als unfähig, was aktives Handeln auch blockieren kann.

Ich bin nicht ok. Du bist nicht ok. Diese Position steht im Zeichen absoluter Verzweiflung, da man sowohl sich selbst als auch die Umwelt negativ bewertet. Diese Position kann nicht lange aufrechterhalten werden.

Die 8 Konzepte der Transaktionsanalyse

Transaktionsanalytikerinnen und Transaktionsanalytiker arbeiten anhand von acht Konzepten:

1. Ich-Zustände

Die drei Ich-Zustände („Eltern-Ich“, „Erwachsenen-Ich“ und „Kind-Ich“) helfen Menschen dabei, das eigene Denken, Fühlen und Handeln sowie das von anderen besser zu verstehen. Weiß man, in welchem Zustand man selbst und der/die andere sich gerade befindet, so kann man angemessener und zielführender kommunizieren und reagieren. Auch der bewusste Wechsel von einer Ich-Position in eine andere wird dadurch möglich.

2. Transaktionen

Diesen Wechsel zwischen den drei Ich-Zuständen nennt man Transaktion. Während wir Menschen alltäglich mehrmals in verschiedenen Situationen und Kontexten unbewusst zwischen unseren Ich-Positionen hin und her wechseln, arbeiten Transaktionsanalytiker*innen mit dem gezielten Herbeiführen dieser Transaktionen. Äußert beispielsweise eine erwachsene Person trotzig den Glaubenssatz „Aber ich kann das einfach nicht!“, so kann es eine transaktionsanalytische Intervention sein, wenn man die Person fragt: „Was bräuchtest du, um es doch zu schaffen?“. Dadurch fängt die Person wahrscheinlich an, rational und objektiv zu überlegen und wechselt langsam vom trotzigen, hilflosen Kind-Zustand in den Erwachsenen-Zustand mit größerem und lösungsorientierterem Handlungsspielraum.

Transaktionsanalyse_Change_Chance

3. Das Zeigen psychologischer Grundbedürfnisse

Ausnahmslos jeder Mensch hat überlebenswichtige psychologische Grundbedürfnisse. Sei es das Bedürfnis nach Sicherheit, Anerkennung, Zuneigung oder etwas anderem: im Streben nach der Befriedigung dieser Grundbedürfnisse handeln Menschen äußerst unterschiedlich. In der Transaktionsanalyse beschäftigt man sich damit, wie diese Bedürfnisse auf eine positive und gesunde Art und Weise befriedigt werden können.

4. Das Lebensskript

Ein weiteres spannendes Konzept in der Transaktionsanalyse ist das sogenannte „Lebensskript“. Dabei handelt es sich um eine Art Drehbuch unseres eigenen Lebens, welches wir unbewusst in unserer Kindheit und Jugend selbst „schreiben“. Das heimtückische dabei ist allerdings genau das: es ist uns meist nicht bewusst, wie unser eigenes Drehbuch aussieht und dennoch leben wir danach und treffen unsere Entscheidungen daran angemessen. In der TA ist es somit ein wichtiger erster Schritt, diesen unbewussten Lebensplan sichtbar und bewusst zu machen. Denn nur wenn das gegeben ist, kann dieser auch kritisch hinterfragt und bearbeitet werden.

Transaktionsanalyse_Lebensskript

5. Psychologische Spiele

Ob bewusst oder unbewusst, wir alle spielen sie – psychologische Spiele. Psychologische Spielchen sind sowohl im Single- als auch im Multiplayermodus möglich und auf lange Sicht gehen meist mehr Verlierer*innen als Gewinner*innen aus dem Spiel. Auch wenn wir uns unserer psychologischer Spiele manchmal bewusst sind, so stecken meistens dennoch unbewusste Motive dahinter. Egal ob in Partnerschaften, Freundschaften, in Arbeitsbeziehungen oder mit dir selbst: verfällst du in ähnlichen Situationen immer wieder in die gleichen (unangebrachten bzw. nicht zielführenden) Verhaltensmuster und blockierst damit dich selbst und deine Beziehungen, so ist es wahrscheinlich, dass du hier unbewusst psychologische Spiele spielst.

Diese erschweren maßgeblich die positive Entwicklung von Beziehungen und persönlicher Weiterentwicklung. In der TA möchte man diese Spiele durch angemesseneres Verhalten ersetzen, indem diese und deren Motive zuerst bewusst gemacht und später durch zielführendere und gesündere Handlungsmöglichkeiten ersetzt werden.

6. Gefühle und Ersatzgefühle

Obwohl wir alle gleiche Gefühle empfinden, ist die Art und Weise wie wir diese nach außen hin zeigen oftmals sehr unterschiedlich. Häufig sind wir hier geprägt von unserer Kindheit und Jugend und der Reaktion unserer Außenwelt (allem voran unserer Eltern) auf das Zeigen unserer Gefühle. Von Ersatzgefühlen spricht man dann, wenn die Primäremotion (z.B. Trauer) durch eine Sekundäremotion (z.B. Wut) ausgedrückt bzw. überdeckt wird. Erfährt ein Kind beispielsweise nicht die gewünschte Bedürfnisbefriedigung (z.B. Trost) auf den angemessenen Ausdruck (z.B. Weinen) der empfundenen Primäremotion (z.B. Trauer), sondern wird von den Eltern gerügt, so ist es wahrscheinlich, dass das Kind auf Dauer lernt, diese Primäremotion zu unterdrücken und anders auszudrücken.

Bekommt das Kind beispielsweise mehr Aufmerksamkeit, wenn es wild schreit und mit Sachen um sich wirft, als wenn es weint, so kann es sein, dass auch im späteren Leben Trauer eher durch Wut ausgedrückt wird. In der Transaktionsanalyse ist dieses Konzept sehr wichtig, um die eigenen Gefühle und die anderer besser zu verstehen und um einen besseren Umgang damit zu lernen.

Transaktionsanalyse_Ersatzgefühle

7. Passivität

Das Konzept der Passivität zeigt ein unbewusstes Konzept der Selbstsabotage. Es geht darum, was Menschen unbewusst tun, um ihre eigentlichen Ziele nicht zu erreichen. In der Transaktionsanalyse werden diese Blockaden sichtbar gemacht, sodass die Personen wieder ins lösungsorientierte Tun kommen.

8. Innere Antreiber

Innere Antreiber sind meist mit inneren Zwängen verbunden. Sie sind wie unbewusste Mantras, welche wir im Laufe unseres Lebens erlernt und mitbekommen haben, welche uns aber oftmals auch im Weg stehen und unserer persönliche Freiheit einschränken können. In der Transaktionsanalyse gibt folgende fünf innere Antreiber:

  1. Sei stark!
  2. Sei perfekt!
  3. Beeil dich!
  4. Mach es anderen recht!
  5. Streng dich an!

Mithilfe der TA können innere Antreiber identifiziert und bearbeitet werden, sodass die Betroffenen ihre persönliche Freiheit zurückerlangen.

Was kann die Transaktionsanalyse leisten und was nicht?

Transaktionsanalyse kann menschliche (Inter-)Aktion sichtbar und verständlich machen. Sie ist ein äußert wertvolles Tool, welches in zahlreichen Feldern und Situationen Anwendung findet. Die TA spielt eine wichtige Rolle in der Psychologie, der Psychotherapie, im Coaching, in pädagogischen Settings sowie im beruflichen oder privaten Alltag bei der Interaktion mit Menschen oder bei der Selbstreflexion. Mithilfe der TA lernen wir uns selbst und unser soziales Umfeld besser kennen. Folglich können wir auch uns selbst sowie unsere Mitmenschen besser verstehen und sind somit in unserem Handeln flexibler und kontrollierter. Wir können unsere Kommunikation zielführender einsetzen und so diversen Konflikten mit uns selbst oder der Umwelt öfter vorbeugen oder diese lösen.

Transaktionsanalyse_LSB

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